SHTF Notfallmäßige Blutstillung Teil 3: Vergleich der Substanzen für lokale Anwendungen

in einem Artikel eines Journals für US amerikanische paramedics, also Rettungskräfte, zum Link: EMS wurde im April 2015 Folgendes zum Thema chemische (bzw. biochemische) Blutstillung veröffentlicht, was ich hier zusammenfassend und verkürzt einmal übersetzt habe. Referenzen zu den Studien findet Ihr im Originalartikel.

Die ideale chemische Blutstillung sollte die Fähigkeit haben

  • Blutungen aus grossen Arterien und Venen innerhalb von 2 Minuten ab Applikation zu stoppen.
  • Das Mittel sollte effektiv appliziert werden können, auch bei Vorhandensein von einer grossen Ansammlung von Blut um die Blutungsquelle herum, darf also nicht schon durch die blutige Umgebung in seiner Wirkung verbraucht werden, noch bevor es überhaupt mit der Blutungsquelle in Kontakt gekommen ist.
  • Das Mittel sollte anwendungsfertig in Portionen vorliegen (keine Anmischung oder Aktivierung) und  muss leicht anzuwenden sein, auch für nicht medizinisch geschulte Menschen.
  • Es muss von geringem Gewicht und haltbar sein, auch unter extremen Temperaturschwankungen,
  • es sollte kostengünstig sein und
  • kein bakterielles oder virales Risiko beherbergen.

Nicht erwähnt werden in diesem Artikel, dass es gesundheitlich verträglich sein muss und am Besten vom Körper selbst abbaubar sein sollte. Nicht abbaubare Substanzen bzw auf Verbänden oder Schwämmen aufgebrachte Blutstiller, sollten einen röntgendichten Marker besitzen, damit sie vom Chirurgen in der Klinik überhaupt wieder auffindbar sind und entfernt werden können. Auch sollte der Verschluss der Gefässwunde so stabil sein, dass er nicht bei kleinen oder besser auch überhaupt bei Bewegung nicht wieder aufreisst, denn der Verletzte muss ja zur endgültigen medizinischen Versorgungsstelle transportiert werden oder sich sogar selbst dorthin begeben.

Auch sollte der Substanzträger möglichst nicht mit dem Gewebe verkleben, da man ansonsten bei einem gegebenenfalls nötigen Verbandswechsel die Wunde noch vergrössern würde, die Blutung reaktiviert und das Infektionsrisiko steigen würde.

Bislang gibt es kein Mittel, das all diesen Anforderungen gerecht wird, nichtsdestotrotz haben sich einige davon in der Praxis und in Studien gut bewährt.

HemCon® and Celox™ bestehen aus sehr körperverträglichen Chitosan-Salzen (aus der Schale von Meereskrebsen), einem positiv geladenen adhäsiv wirkenden Blutstiller, der bei Kontakt mit Blut (negativ geladenen roten Blutkörperchen) einen Pfropf bildet, der die Wunde versiegelt und die Blutung stoppt.

Im Falle von HemCon® zeigten Studien eine bessere Blutstillung gegenüber einem normalen Druckverband, sofern es sich um eine venöse, also drucklose, Massenblutung handelte. Auch bei einer unkontrollierbaren arteriellen Blutung war HemCon zwar effektiv, allerdings nicht dauerhaft, denn die Blutung setzte nach einer Weile wieder ein. Trotzdem ergab eine andere Studie, dass in 27 von 34 Fällen Feuerwehrleute in den Einsätzen die Blutungen erfolgreich zum Stillstand bringen konnten. In einem weiteren Tierversuch (Schwein) zeigte von den getesten Substanzen jedoch nur Celox™ eine bessere Kurzzeitüberlebensrate.

Betrachten wir nun QuikClot®, einem Zeolit (Mineral vulkanischen Ursprungs). Diese Substanz zieht extrem schnell und viel Wasser an sich. Durch den Wasserentzug aus dem Blut, reichern sich die für die Gerinnung zuständigen Blutplättchen und weitere Gerinnungsfaktoren an, was zu einem sehr schnellen Wundverschluss führt. Der Nachteil hierbei ist, dass das Mineral nicht vom Körper vollständig abgebaut werden kann und bei der Wasserbindung Hitze entsteht, die durchaus Temperaturen von bis zu 50 Grad erreicht und damit Eiweiss zur Gerinnung bringt, also Gewebe durch Verbrennung absterben lässt. Daher wurde das Granulat, das man direkt in die Wunde streuen konnte vom Markt genommen.

Dass ich dieses Produkt u.a. trotzdem erwähne liegt darin begründet, dass man in alten Prepperbeständen oder aus Privatverkäufen noch auf diese Produkte trifft und man sollte dann für sich solch ein Produkt und seine Verwendung realistisch einschätzen können bzw. sich überlegen, ob man ein derartiges Produkt in seine eigenen Vorsorgebestände aufnehmen möchte oder eher nicht.

Die zweite Generation von QuikClot wurde bzgl. der Hitzeentwicklung verbessert und als relativ grosse Perlen in Säckchen gepackt, die in der abschliessenden chirurgischen Wundversorgung leicht entfernt werden können (QuikClot® ACS+™).

Ein anderes Produkt ohne Wärmeentwicklung ist WoundStat™, ein vom Körper abbaubarer Puder aus quellfähigem Tonmineral und Poliacrylsäure, den man direkt in die Wunde streuen kann. Dieses Produkt erwies sich sowohl effektiv in der Blutstillung als auch positiv in der Erhöhung der Überlebensrate. Allerdings ergab eine nachfolgende Tier-Studie Komplikationen bzgl. Blutgefässschädigungen und in die Lunge abgeschwemmte Thromben. Nicht sehr wünschenswert….

Eine weitere Produktentwicklung bezieht sich auf die Verwendung von Prokoagulantien. Das sind zusätzliche Gerinnungsfaktoren menschlichen oder bovinen (Rinderblut) Ursprungs und das einzige in den USA von der FDA zugelassene Produkt ist die  Combat Gauze™ (Littlejohn, Bennett, & Drew, 2015). In dieser dritten Generation von QuikClot® Produkten, wurde zudem das Zeolit durch Kaolin ersetzt (Aluminiumsilikat haltiges Tonmineral). Die mit Kaolin imprägnierte Gaze ist effektiv in der Blutstillung und entwickelt keine Wärme. In Tierversuchen schnitten die Chitosanprodukte schlechter ab als CombatGauze, das zusätzlich einen stabileren Wundverschluss erreichte, der selbst Bewegung und Transportsimulationen besser stand hielt.

Die Tactical Combat Casualty Care Leitlinien des United States Special Operations Command  empfehlen Combat Gauze™  als das Mittel der Wahl (Bennett et al., 2014), erlauben aber auch Celox™ gauze and ChitoGauze®, falls Combat Gauze™ nicht zur Verfügung stehen sollte.

Um eine Aktualisierung und Vertiefung dieser Informationen möge sich der geneigte Leser bitte eigenständig bemühen, denn bzgl. dieser Thematik wird derzeit viel Forschung betrieben und Erfahrungen gesammelt und ausgewertet. Ein update dieser Thematik ist von mir jedoch nicht geplant und würde definitiv meine Kapazität wie auch den Rahmen sprengen.

 

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