SHTF Teil 4: XStat, Klemmen und Naturheilkunde zur Blutstillung im Notfall

in diesem vorerst letzten Teil der Serie zur notfallmäßigen Blutstillung möchte ich noch ein paar weitere Alternativen ansprechen, die in ausgewählten Fällen zum Einsatz kommen könnten. Einen Überblick findet man auch in einem Fachartikel der deutschen Bundeswehr aus dem Jahr 2011  hier

Ich verweise (leidigerweise) wieder auf meine Disclaimer in den zuvor veröffentlichten Beiträgen dieser Reihe. In Kürze: Ich übernehme keinerlei Verantwortung bzgl. der Nutzung der hier nur zusammengestellten und im Netz frei verfügbaren Informationen…

Eine von der FDA zugelassene blutungsstillende Anwendung ist XStat. Dabei handelt es sich um kleine pillenartige Schwämme, die sehr viel Flüssigkeit aufsaugen können und mittels eines Zylinders tief in die Wundhöhle (beworben wird die Anwendung bei einer Schussverletzung) eingebracht werden. Dort expandieren sie und üben dadurch vom Inneren der Wunde heraus Druck auf das blutende Gefäß aus, was in Folge zur Stillung der Blutung (lt. Hersteller in 15 Sekunden) beiträgt. Die Schwämmchen müssen bei der chirurgischen Wundversorgung von einem Arzt dann wieder entfernt werden (da wünsche ich dem Operateur noch genügend Geduld und ein funktionsfähiges Röntgengerät). Ich verlinke hier: XStat zu einem spanisch sprachigen promotion Video, da dort ein paar anschaulichere Wund- und Anwendungsbilder gezeigt werden als in dem US Video, damit man sich eine Vorstellung davon machen kann, was in einem Anwendungsfall auf einen zukommt. Sowohl als Verletzter als auch als Ersthelfer.

VetiGel ist ein vielversprechendes hämostyptisches Alginat in der Veterinärmedizin und (noch) nicht zugelassen für die Anwendung bei Menschen. Es kann in eine Spritze aufgezogen und in tiefe Wunden eingebracht werden. Es kann in der Wunde verbleiben und ist biologisch gut verträglich.

Und zu guter letzt gibt es noch sehr wirksame und leicht handzuhabende Klemmen, die vermehrt ihren Weg in den Prepper Rucksack oder den Erste Hilfekasten im Auto finden, wie die iTClamp

So. Und nun ein kurzer, dafür umso härterer Schwenk in die Naturmedizin. Obwohl, wenn man es sich näher betrachtet, es gar kein so harter Schwenk ist. Die bisher angesprochenen blutstillenden Substanzen sind ziemlich „reine“ Naturprodukte. Das Chitosan aus den Krebsschalen, die Alginate, das Kaolin … alles sehr potente und nebenwirkungsarme Substanzen aus der Natur, die in hoch konzentrierter Form zum Einsatz kommen (frei nach Paracelsus: die Dosis macht`s) .

Daher erscheint es mir nur legitim auch weitere, bisher in der Naturheilkunde verwendete Substanzen zur Blutstillung zumindest zu erwähnen, ohne jedoch näher auf diese einzugehen oder ihre Effektivität zu beurteilen, denn ich kenne dazu keine wissenschaftlich belastbaren Studien. Ich kann mir aber vorstellen, dass es Situationen geben kann (ich denke da speziell an den Jugoslawienkrieg), in denen es an schulmedizinischen Mitteln mangelt, aber Naturheilmittel noch greifbar sind. Ich erinnere an dieser Stelle nocheinmal besonders an meinen Disclaimer und Haftungs- respektive Verantwortungsausschluss, denn Naturheilmittel sind nicht immer harmlos und andererseits nicht immer gleich wirksam, was sich schon aus den z.B. sich im Jahreslauf verändernden Wirkstoffkonzentrationen in den Pflanzen oder auch deren unterschiedliche Standorte ergibt. Bitte konsultiert diesbezüglich Fachleute wie naturheilkundlich arbeitende Ärzte, Apotheker …. sofern Ihr nicht selbst vom Fach seid.

In jedem Fall ist man auch in der Naturheilkunde aufgerufen, nach Wissenschaftlichkeit und hohen Standards zu streben und eine rege Diskussionskultur pflegen:  gegen blinden Glauben und sich immer die Frage nach den geeignetsten Mitteln und Methoden zu stellen.

So komme ich für mich an die Grenze meiner Vorstellungskraft, wenn ich nach einem naturheilkundlichen Mittel suchen sollte, mit dem ich mich einer schmerzfreien mehrstündigen Operation unterziehen könnte. Oder ein homöopathisches Mittel, das die spritzende Arteria femoralis Blutung schnell genug stoppt, bevor der Verletzte (oder ich selbst)  verblutet. Für mich liegt daher der Anwendungsbereich naturheilkundlicher Mittel eher auf Seiten der Vorbeugung und komplementären Behandlung chronischer weniger starker Blutungen, die auf Dauer schädliche Auswirkungen haben können. Wie hämorrhoidal Blutungen, Nasenbluten und starke Regelblutungen und in einem SHTF Szenario so fatal enden können wie eine Combat Verletzung.

Und da ich soeben auf einer sogenannten naturheilkundlichen Seite sinngemäß folgendes gelesen habe: „falls eine Wunde nicht blutet, sollten Sie diese zum Bluten bringen, damit sie sich reinigt“, möchte ich dazu kommentieren, dass man nicht auf die Idee kommen sollte, an so einer Verletzung herumzudrücken, nur damit sie zu bluten beginnt. Das Drücken schädigt das Gewebe und verteilt eingedrungenes Fremdmaterial nur umso mehr, so dass auch die nachfolgend einsetzende Blutung das nicht mehr an die Oberfläche spülen können wird. Die Wahrscheinlichkeit einer eitrigen Entzündung steigt. Mit Seife und/oder purem, möglichst fliessendem, Wasser gründlich auswaschen, ein geeignetes Desinfektionsmittel (kolloidales Silber, alkoholische Lösungen, Micropurwasser in einem SHTF Szenario) auftragen -unbedingt beachten, dass nur wenige Desinfektionsmittel für tiefe Wundreinigung zugelassen sind, dass Wasserstoffperoxid von Blut inaktiviert wird und Jod eine sogenannte Eiweisslücke besitzt, dh in seiner Wirksamkeit nicht nur erhebliche Mängel aufweist, sondern auch Gewebe schädigen und eine allergieähnliche Reaktion auslösen kann. Zusätzliche Risiken bestehen bei gewissen Schilddrüsenerkrankungen!-   und gut belüftet abdecken, dürfte die geeignetere Strategie darstellen.

Alkoholhaltige Desinfektionsmittel können ggf. die Blutung anregen, ohne dass das umliegende Gewebe durch Druck geschädigt wird. Im Verlauf die Wunde beobachten, seinen Tetanus-Impfschutz prüfen (ist nie verkehrt) und rechtzeitig professionelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, sofern diese erhältlich ist.

Kräuter mit blutungsstillender Wirkung kann man bei Interesse z.B.  hier    nachschlagen oder man bemüht die einschlägigen Suchmaschinen.

Auch homöopathische Mittel wie Arnica montana, Hamamelis, China, Melilotus oder Alchemilla unter vielen anderen, sollen blutungsstillende Wirkung haben, doch die homöopathische Lehrmeinung ist generell so vielschichtig, wenn nicht gar zersplittert, dass es unmöglich ist, hier auch nur annähernd fundiert und unparteiisch etwas darüber zu schreiben. Aus dem Mineralreich werden von naturheilkundlich arbeitenden Ärzten zur Blutstillung angewendet, z.b. homöopathisches Stibium met. (Antimon) wie eine Ärzteumfrage ergab: Merkurstab

 

 

 

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