Sonnwendt

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Hagar Qim      Bildquelle: http://www.visitmamalta.com

Goethes Feuerspruch:
Brenne Fackel! Leuchte Flamme!
Geh von Hand zu Hand.
Trag den Glauben, trag die Treue weiter durch das Land.
Vater, gib dem Sohn sie weiter, Mutter deiner Maid!
Dass der Glauben und die Treue leuchten durch die Zeit!
So standen in grauer Vorzeit die Ahnen,
so stand einst die Jugend auf nächtlicher Fahrt.
So stehen wir heute ‐ ein einziges Mahnen ‐
fest und geschlossen ums Feuer geschart.
Wir öffnen die Herzen, wir heben die Hände,
wir grüßen des Jahres fruchtbringende Wende,
wir grüßen des Lichtes gesegneten Lauf:
Sonnwendfeuer flamm auf nun, flamm auf!
Die Flamme lodre durch den Rauch,
Begeht den alten heiligen Brauch,
So wird das Herz erhoben.
Die Flamme reinigt sich von Rauch,
So reinig‘ unsern Glauben;
Dein Licht, wer kann es rauben!

 

Der heutige Beitrag ist dem astronomischen Ereignis der Sonnenwende gewidmet, die dieses Jahr in Deutschland am 21.Juni 2017 um 06:24 Uhr MESZ stattfand und den Beginn des astronomischen Sommers  markierte (auf der Südhalbkugel den Winterbeginn).

Dieser astronomisch exakt fixierbare Zeitpunkt war unseren Vorfahren schon vor tausenden von Jahren wichtig. So wichtig, daß sie in gewaltigen Bauwerken bis hin zu großräumigen Landschaftskompositionen, Instrumente schufen, diesen Zeitpunkt zu erkennen und ja nicht zu verpassen. Wir Menschen sind somit von Anbeginn keineswegs nur erdbezogene Wesen gewesen, die mit gesenktem Kopf und mühsam der Erde unsere Nahrung abtrotzen mußten (und uns so ganz nebenbei mit Keulen Frauen raubten). Wir waren und sind kosmische Wesen, die ihren Blick zum Himmel, zu den Gestirnen und in das Weltall richteten. Sehr interessante Entdeckungen zur Archäoastronomie  wurden in ScienceXX veröffentlicht, wobei es der Wissenschaft trotzallem noch schwer zu fallen scheint, von bisherigen nicht mehr stimmigen Kategorisierungen wie „Steinzeit“ abzulassen und adäquatere Begrifflichkeiten auch in der Populärwissenschaft zu etablieren.

Es ist also festzuhalten, wir sind Wesen, die Ästhetik mit der Forschung verbinden können und schon immer konnten.  APOD hat übrigens zur Sonnwendt ein passendes Tagesbild zu dieser Verbindung von Kunst und Astronomie veröffentlicht hier.

Das Mystische, das alchemistische Geheimnis, das diese Zeit zwischen dem 20. und 24. Juni umgibt, fand ihren künstlerischen Niederschlag dann in der wundervollen Ausgestaltung von Shakespears „Ein Sommernachtstraum“ oder im Originaltitel: a midsummernights dream

Zurück zur astronomischen Sonnwendt…

Die Meteorologie verortet den Beginn der Jahreszeiten anders als die Astronomie bereits am ersten Tag der Monate, in die die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen fallen, d.h. der metereologische Sommer beginnt per definitionem am 1. Juni, der Winter am 1. Dezember.

Die sogenannten Ortszeiten für die Sonnenwende sind von Zeitzone zu Zeitzone unterschiedlich z.B. in L.A. USA geschah dieses Ereignis bereits am 20. Juni 21:24 Uhr PDT. Das letzte Mal, daß in Europa die Sonnenwende auf einen 20. Juni datiert wurde, war übrigens im Jahr 1896. Doch keine Panik! 2020 ist das schon wieder der Fall, wenn auch sehr knapp, denn das Ereignis wird 16 Minuten vor Mitternacht stattfinden. Auf den 22. Juni fiel die Sommersonnwendt zuletzt  im Jahr 1986 und es wird für das ganze restliche 21. Jahrhundert auch keine Wiederholung geben.

Trotz der Orts-Zeitverschiebung findet die Sonnenwende überall gleichzeitig statt, denn das Ereignis wird definiert als der Zeitpunkt, zu dem der Zenit der Sonne den nördlichen Wendekreis erreicht. Der Moment ist also unabhängig von Zeitzonen und Koordinaten.

Im Juni soll der herrschenden Lehrmeinung entsprechend die Entfernung zwischen Erde und Sonne ca. 5 Millionen km größer sein als zur Sonnenwende im Dezember, so daß die Erdentfernung wohl keine Rolle für die höhere Erdtemperatur im Sommer zu spielen scheint. Die im Jahreslauf schwankende Entfernung zur Sonne ist zudem mit ca. 147 Millionen km im Januar am geringsten und wird als Perihel bezeichnet. Aphel ist die weiteste Distanz zwischen Erde und Sonne im Juli und beträgt ca 152 Millionen km.

Die Vertreter der Theorie der  Hohlen Erde  dürfen diesem Blog diesbezüglich im Kommentarbereich gerne ergänzende Fakten zukommen lassen. Und auch wer der Überzeugung ist, daß die derzeitige Lehrmeinung hinsichtlich astronomischer Entfernungs- und Temperaturmessung auf dem Holzweg ist, ist eingeladen, seine Kenntnisse hier zu teilen.

Der Sonnwendtag ist der längste Tag im Jahreslauf, das weiß jedes Kind, nicht zuletzt, weil vielerorts dieser Tag noch feierlich begangen  Sonnwendt an der Kampenwand  und Brauchtum gepflegt wird  Schweden , und nicht nur von Brauchtumsvereinen: Maypole TanzNaturglaube, Fernwirkung aller Zugspitz-Feuer

Wenigen hingegen ist bewußt, dass es aber nicht der Tag mit dem frühesten Sonnenaufgang ist und auch nicht der mit dem spätesten Sonnenuntergang. Diese sind wenige Tage vor respektive wenige Tage nach Sonnwendt zu verzeichnen, wobei der Zeitunterschied ca. 1 Minute beträgt. Und wenn wir schon von der Tageslänge sprechen, dann kann ich an dieser Stelle noch erwähnen, daß am Sonnwendt Tag Hamburg eine Stunde länger als Zürich das Sonnenlicht geniessen kann (überhaupt hat die Stadt an der Nordsee über das Jahr hinweg 19 Stunden mehr Tageslicht als die Schweiz).

Weiter südlich des Polarkreises, dort wo die Mitternachtssonne nicht mehr scheint, wird man bis in deutsche Landen hinunter mit den sogenannten weißen Nächten und andere Formen der Mitternachtsdämmerung entschädigt, d.h. es wird je nach Breitengrad nie gänzlich finster, denn die Sonne befindet sich in der Dämmerungsphase zwar unterhalb des Horizonts (maximal 18 Grad), ihre Strahlen werden jedoch von der Erdatmosphäre reflektiert und erhellen so den Abend- oder Morgenhimmel. Astronomen unterteilen die Dämmerung in drei Phasen:

  • Bürgerliche, auch zivile Morgen/Abend-Dämmerung genannt, ist die hellste Phase und der Mittelpunkt der Sonnenscheibe befindet sich maximal 6° unter dem Horizont (Tiefenwinkel).
  • Nautische
  • Astronomische Dämmerung

    Schematische Darstellung der Höhenwinkel der 3 Dämmerungsphasen.

    Quelle: https://www.timeanddate.de/astronomie/buergerliche-daemmerung

    Die Dauer jeder Dämmerungsphase hängt ab vom Breitengrad und von der Jahreszeit. Wo die Sonne mittags im Zenit – also direkt über dem Beobachter – steht, überquert sie den Horizont mit einem Winkel von 90°. Daraus resultieren sehr schnelle Übergänge zwischen Tag und Nacht und folglich relativ kurze Dämmerungsphasen am Äquator. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto flacher ist der Winkel des Sonnenlaufs im Verhältnis zum Horizont – und desto länger dauern die Dämmerungsphasen.

    In Ecuador, beginnt zu den Tagundnachtgleichen die bürgerliche Dämmerung morgens nur 21 Minuten vor Sonnenaufgang und verlängert sich bei 60° Breite  (Oslo / nördlichster Ausläufer der Antarktis) auf 43 Minuten.

    Auf der website time and date findet Ihr in deutscher Sprache äußerst viele weitere interessante astronomische Informationen, die für Laien sehr gut aufbereitet sind. Kalender, Sonnenrechner, Mondrechner, countdowns …

    Viel Spass!

     

     

     

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