Johanni Brauchtum

Johannis-Feuer sei unverwehrt,
Die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt
und Jungens immer geboren
(Johann Wolfgang von Goethe)

Eng verbunden mit den Feierlichkeiten zur Sonnwendt am 21. Juni und womöglich sogar älter oder zumindest intensiver begangen als der Sonnwendt Tag, ist das Johannisfest mit seinen Johannisfeuern am Vorabend zum 24. Juni, nach dem Grimmschen Wörterbuch jedoch erst am Abend nach dem Johannistag.

Von der großen magischen Bedeutung dieser Nacht zeugen viele überlieferte Bräuche und der Tag galt als ein  Lostag :

Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen.
Glüh`n Johanniswürmchen helle, schöner Juni ist zur Stelle. *
Johannis tut dem Winter wieder die Türe auf.
Bis Johannes wird gepflanzt, ein Datum, das` dir merken mußt
Der Kuckuck kündet teure Zeit, wenn er nach Johanni schreit
Regnet’s am Johannistag, regnet es noch vierzehn Tag.
Johanni trocken und warm, macht den Bauern nicht arm.
Vor dem Johannistag man keine Gerste loben mag. oder: Regen am Johannistag, nasse Ernt man erwarten mag
Wenn Johanniskäfer hell leuchten im Garten, dann ist gut Wetter zu erwarten. oder: wie ´s Wetter an Johanni war, so bleibts wohl 40 Tage gar
Wenn sich die Glühwürmchen verstecken, wird Regen in der Früh dich wecken – wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst du richten deine Sensen.
Zeigt das Wetter um Johanni sich schön, kannst Glühwürmchen du Hochzeit feiern seh´n; doch fällt viel Regen auf dein Haus, halten sie wie du im Stillen aus.
Tritt auf Johannes Regen ein, so wird der Nußwuchs nicht gedeih’n.
Sankt Johannis Regengüsse verderben die besten Nüsse – An Sankt Johanni Abend, leg die Zwiebeln in ihr kühles Bett
Wenn die Johanniswürmchen schön leuchten und glänzen, kommt’s Wetter zu Lust und im Freien zu Tänzen;
verbirgt sich das Tierchen bis Johanni und weiter, wird’s Wetter einstweilen nicht warm und nicht heiter.

Johanni trennt bestimmte landwirtschaftliche Tätigkeiten. So wird ab diesem Tag kein Spargel mehr geerntet (Spargelsylvester) und wegen des steigenden Oxalgehalts (wie man heute weiß) auch kein Rhabarber mehr geschnitten. Andererseits beginnt die Wiesenmahd und die Ernte der meisten Feld- und Baumfrüchte. Auch gewisse Weiden, die sogenannten Johannisweiden, wurden erst nach diesem Tag für das Vieh freigegeben.

Bei Laubbäumen, wie zum Beispiel Eiche oder Rotbuche und immergrünen Hecken kommt es um den Johannistag zu einem zweiten Austrieb, der auch „Johannistrieb“ genannt wird. In der Regel werden Hecken und Bäume nun zum zweiten Mal im Jahr beschnitten („Johannisschnitt“). Bis zum Frühjahrsaustrieb geraten sie nun nicht mehr aus der Form. Bei Obstbäumen wird der Johannistrieb herausgerissen, da dieser unnötig Nährstoffe kostet. Zur Kompensation von Fraßschäden an Bäumen, beispielsweise durch Maikäfer, kann der Johannistrieb aber auch sehr wichtig bzw. von Nutzen sein.

Als „Johannistrieb“ wird in der bäuerlichen Überlieferung auch ironisch genannt, wenn ein älterer Mann eine junge Frau nimmt.

Die Benennung von Pflanzen und Tiere nach diesem Tag zeugt davon, daß für unsere Ahnen die Johanniszeit wirklich etwas Besonderes war:

Das im Juni blühende Johanniskraut, die zu dieser Zeit reifende Johannisbeere, die Johannisblume = Arnika, Johannishändchen ist der Name eines Farns, Johannislaub = Weisspappel, Johannispappel = wilde Malve, Johannishaupt der deutsche Ingwer, Johannisblüh = Gänseblümchen, Johannisblut = einjähriger Knäul (eine Nelkenart bekannt als Scleranthus in der Reihe der Bachblüten findet Verwendung bei seelischer Unentschiedenheit und Sprunghaftigkeit), die Sonnwendblume = Königskerze und die Johanniskäfer = Glühwürmchen, die jetzt zur Dämmerungszeit und nur bei gutem Wetter auf Partnersuche gehen. Die Spanische Fliege wird Johannisfliege genannt und der Albatros Johannisgans.

Das Grimmsche Wörterbuch überliefert uns weiterhin Interessantes zum Johannisbrot, bei dem es sich um die Frucht des Johannisbrotbaums handelt, aber möglicherweise auch um die Schoten der Röhrenkassie oder die Blüte des roten Klees oder um Naschwerk:

Leipzig must auch gehorsam sein diesem zwang, sahe an die noth,
schafft pfefferkuchen, Johansbrot,
datteln, zimmet, anis, candirts, zuckerbrot und mehr praeparirts.
aus: Weller lieder des 30 jähr. kriegs 195.

Johanniskrapfen und Holunderküchel zählten übrigens zu den Leckereien, die an diesem Festtag gerne gereicht werden.

Am Johannistag wurden auch (meist bis zur Mittagszeit) von den Johannisweiberln die sogenannten Johanniskräuter gesammelt, die Mensch und Vieh über das nächste Jahr hinweg gesund erhalten mußten. Dazu gehörten das Johanniskraut, Ringelblume, Arnika, Beifuß, Eisenkraut, Kamille, Margerite, Bärlapp, Klette, der Quendel und die Königskerze. Andernorts verwendete man auch Eichenlaub, Farnkraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen.

Zum Fest gab es für die Kinder zur Belustigung einen Johannistopf, geschmückt mit Blumen und Lichtern. Getanzt wurde unter einem großen Blumengebinde, der Johanniskrone. Und das nicht nur am Johannistag, sondern an jedem folgendem Abend, bis die Krone verwelkt war.

Das zentrale Ereignis der Johannifeierlichkeit war natürlich das Entzünden des reinigenden Johannisfeuers oder Kanzfeuers, manchmal auch Hagelfeuer genannt, da es vor Hagel schützen sollte. Auch Feuerräder gehören zu diesem Feuerbrauch.

In Österreich zog die Dorfjugend für dieses Feuer von Hof zu Hof und sammelte von den Bauern und Dorfbewohnern das nötige Holz. Ein überlieferter Bittspruch lautete:

 
Der heilige St. Veit Tat bittn um a Scheit;
Wan’s ens koan Scheid nöd göbt’s,

So mocha ma koan Sunwendfeur nöd!

(Zitiert nach Baumgarten, Amand P.: Das Jahr und seine Tage in Meinung und Brauch der Heimat. Hg. von Adalbert Depiny. Linz 1927, S. 37)

 

Entgegengesetzt zu diesem Feuerkult gab es auch den Brauch, schweigend ein gesundheitsförderliches Johannisbad in einem Fluß oder See zu nehmen, oder auch im Johannistau, der nicht nur gegen Sommersprossen helfen, sondern auch das Brot besser gären und Blumen gedeihen lassen sollte. Am Johannistag wurden oft auch Brunnen gesegnet und anschließend die Menschen mit diesem Wasser besprengt, sowie der Brunnenmeister für das folgende Jahr gewählt. In Zürich wechselten übrigens an diesem Tag auch die Bürgermeister und Landvögte.

Die jungen Mädchen pflückten an Johanni 7 oder 9 verschiedene Kräuter und flochten daraus den magisch schützenden Johanniskranz, um ihn an die Fensterkreuze oder an die Tür zu hängen. Wurde diese Arbeit zur Unzeit verrichtet, sollte das zur Folge haben, daß die Maid im kommenden Jahr ohne Gatten blieb. Die glücklichen Paare hingegen tanzten und sprangen des Nächtens mutig Hand in Hand und von Beifuß umgürtet (Sonnwendgürtel) und mit Blumenschmuck um das Haupt über die lodernden Johannifeuer. Den Beifuß und mancherorts auch Beinwell (Comfrey) übergab man anschließend den Flammen. Ebenso Opfer der Flammen wurden alte Besen, der Maibaum, der verdorrte Fronleichnamschmuck oder der Sonnwendhansel und die Sonnwendgretel. Zwei Strohpuppen. Die Asche des Sonnwendfeuers wurde später über die Felder gestreut.

Im Baltikum zieht man außerdem in der Nacht aus, die Farnkrautblüte zu suchen, die, wenn man sie denn findet, reich und hellsichtig macht. Im polnischen Märchen vom Hans , der ein unglückseeliges Ende nimmt,  erfahren wir mehr über diese zauberhafte Blüte.

Weitere Erwähnung findet die Farnkrautblüte in dem Lied vom Spielmamm von Lys :

…… Kein Lüftchen geht, man hört von fern Den Specht in Waldesmitten,

Da kommt der Spielmann durch den Busch, Der braune Geselle, geschritten.

Er trägt ein Wams von Flicken bunt, Trägt Farnkrautblüt‘ am Hute,

Sein schwarzes Auge lacht und blitzt, Er singt mit lachendem Mute:

»Ich bin des grünen Waldes Kind, Die Tierlein kennen mich alle;

Woher ich komme, das weiß der Wind, Der Wind, wohin ich walle….

Aber nicht nur Liebespaare sprangen über das Johannisfeuer.

Auch die Mitglieder der  Münchner Liedertafel https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Das_festliche_Jahr_img221_Johannissprung_der_M%C3%BCnchener_Liedertafel.jpg

frönten diesem Brauch, wie Otto von Reinsberg-Düringsfeld im „Das festliche Jahr in Sitten, Gebräuchen und Festen der germanischen Völker.“ beschrieb. Ob dieser immer noch bestehende Männerchor dieses Brauchtum bis heute fortführt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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