SHTF: Erste Hilfe bei Verbrennungen Teil 1

ich beginne das Thema Verbrennung mit einem Link auf die Seite  der Gesellschaft für Verbrennungsmedizin , auf der man die relevanten Grundlagen in den Leitlinien nachlesen kann.  Diese Leitlinien sollen bis 31.12.2017 neu überarbeitet werden. Ob die Kommission das schafft, ist allerdings fraglich, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Und hier geht es zu den medizinischen Leitlinien für Brandverletzungen bei Kindern.   Und es ist auch wieder Zeit für meinen Disclaimer und Haftungsausschluß. Ich stelle nur im Netz frei verfügbare Informationen hier ein und übernehme keine Verantwortung für das, was Leser daraus machen. Ich gebe keinen ärztlichen Rat und verweise auf unser effizientes Rettungswesen, dessen Institutionen und Organisationen entsprechende Trainings anbieten, die ich jedem ans Herz legen möchte. Mehr zu dem Disclaimer unter: SHTF Blutstillung, die bitte jeder einmal dort nachlesen sollte, weil er auch hier gelten soll.

Zur Definition:  Unter Verbrennung versteht man im Allgemeinen thermische Verletzungen durch Temperaturen, welche die Regulationsfähigkeit der Haut/ Schleimhaut überfordern und zu Gewebeschädigungen bis hin zum Absterben (Nekrose) führen. Dies kann durch heiße Flüssigkeiten (Verbrühung), Dämpfe oder Gase, heiße Stoffe oder Kontaktflächen, Flammeneinwirkung und Explosionen (Schußwaffen, Feuerwerkskörper), starke Sonneneinstrahlung, elektrischen Strom (Lichtbogen bei U-Bahn Surfen) oder Reibung (Abseilen) entstehen. Auch Erfrierungen, das Lyellsyndrom (Epidermolysis acuta toxica) und chemische Noxen (Säuren oder Laugen) können ähnliche Schädigungen verursachen.

Man darf aber keinesfalls glauben, Brandverletzungen seien ein geringes Problem und weniger wahrscheinlich in einem SHTF Szenario als mechanische Verletzungen durch Waffen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man sich vor Augen hält, daß womöglich offenes Feuer, Petroleumlampen, Spirituskocher, Kerzen, Autobatterien, Stromgeneratoren usw. die meistbenutzten Licht- und Wärmequellen sein könnten und gewiß nur ein Bruchteil der Menschen im Umgang damit geübt und vertraut sind. Selbst in Drittweltländern, in Afrika, Tibet, Nepal… , wo die Menschen den Umgang zB mit offenem Feuer durchaus gewohnt sind, kommt es nicht selten zu Brandverletzungen und Verbrühungen insbesondere bei Kindern.

In Abhängigkeit vom Ausmaß der Schädigung kann es sekundär zu Kreislaufschock und entzündlichen Allgemeinreaktionen des Körpers im Rahmen eines SIRS oder einer Sepsis kommen, die im schlimmsten Fall mit Multiorgandysfunktion oder Multiorganversagen (MOV) verbunden sind. Die Gesamtheit dieser systemischen Störungen bezeichnet man als Verbrennungskrankheit. In diesem pdf gibt es am Schluß auch hilreiche links zu Anlaufstellen für Brandverletzte.

Die Folgen dieser Schädigung können gravierend sein. S. D Grops (Handbuch der Heilkunde) hat folgenden Lehrsatz geprägt: „Es gibt wenige Verletzungen, die so sehr den ganzen Menschen erfassen, zu größerem Leiden und schweren Missbildungen führen als Brandwunden.“

Schwer-Brandverletzte können eine über Jahre sich steigernde posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, die Vernarbungen, anfangs meist rot, manchmal erhaben, können über das normale Maß hinaus wachsen (Kelloid Bildung) selten entstehen aus Narben auch Narbencarcinome. Großflächige Narben führen ohne Behandlung oft zu Bewegungseinschränkungen, insbesondere, wenn sie über Gelenke verlaufen und sie verursachen natürlich Schmerzen. Oft bleibt auch bei kaum noch sichtbaren Narben ein Spannungsgefühl und eine mechanische Empfindlichkeit zurück. Nach Brandverletzung besteht immer ein sog. Volumenmangel, dh ein Flüssigkeitsmangel, der zu einer instabilen Kreislaufsituation und zu einer Nierenschädigung führen kann. Nicht selten kann sich eine antibiotikapflichtige Leberschädigung, genauer eine Gallengangentzündung entwickeln mit extrem erhöhten Leberwerten und Gelbsucht. Dies kann eine nacholgende Dauermedikation bedingen. Bei heißen Gasen wird die Lunge geschädigt und im Verlauf kann sich eine Lungenentzündung ausbilden. Sehr belastet werden, wie bereits erwähnt, durch eine Brandverletzung auch die Nieren und der im Hospital gelegte und nötige Blasenkatheter erhöht das Infektionsrisiko. Nicht selten bleiben Folgen dieser mechanischen Reizung der Harnwege noch lange Zeit nach Katheterentfernung bestehen.

Da im Hautgewebe die Lymphbahnen mit zerstört werden, kommt es zu Lymphabflußstörungen. Die daraus resultierenden Schwellungen verursachen Bewegungseinschränkungen, Hautrisse, Schmerzen und erhöhen das Infektionsrisiko. Entsprechend können auch Durchblutungsstörungen auftreten, die Schmerzen und Kribbeln verursachen und zu schlechter Heilung führen. Auch die Temperaturregulation an den ehemals verbrannten Stellen und darüber hinaus ist oft nicht mehr ausreichend, was sich z.B. in schneller Auskühlung bei winterlichen Temperaturen bemerkbar macht oder auch in nicht mehr möglicher Schweiß- und Talgbildung.  Beides nicht ungefährlich. Die Regeneration der Hautnerven und der Haut an sich führt oft zu Schmerzen und einem quälenden Juckreiz. Beides kann chronisch werden, wenn man nicht (möglichst durchgängig in dieser Regenerationsphase) schmerz- u. juckreizlindernde Medikamente gibt. Was alles aus einer Verbrennung im Kopfbereich resultieren kann, mag sich jeder selbst ausmalen.

Die bisher geschilderten Dinge beziehen sich auf schwere Brandverletzungen, die natürlich bei leichteren Verletzungen so nicht oder geringer auftreten. Die Schwere einer Brandverletzung wird anhand verschiedener Kriterien (ich verweise auf Teil 2 der Artikelserie) beurteilt und ich habe diese schweren Verletzungsfolgen geschildert, weil es jährlich ohne SHTF  ca. 2000 schwere Brandverletzungen gibt, darunter ca 500 Kinder. 1/3 davon sterben trotz Spezialklinikeinweisung.

Im Teil 2 gibt es Informationen zur Beurteilung des Verletzungsgrades, Behandlungsmöglichkeiten, sowie nogo’s im Rahmen der Ersten Hilfe und was die moderne Medizin so an Therapiemöglichkeiten kennt.

 

 

 

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