Waffengesetz Änderung update Armbrust

psychologisch effektvoll lancieren zur Zeit die Massenmedien weitere Negativberichte über die Armbrust. Diesmal unter dem Thema Kinder und Sicherheit. Wieder wird betont, daß man Spielzeug – und in diesem Bericht handelt es sich tatsächlich um Spielzeug – von gesetzeswegen verbieten müsse, da es sich um eine gefährliche Waffe handle die „einen Ballon ZERTRÜMMERT“ und „Pappe DURCHSTÖßT“ und „sich zum Mordwerkzeug eignet, wenn anstelle der Zahnstocher Nägel verschossen werden“… aber Gottseidank alles erst in der VR China und in den USA.

https://www.welt.de/icon/article165892029/Dieser-neue-Spielzeug-Hype-ist-hochgradig-gefaehrlich.html

Bildergebnis für gefährliche Spielzeug Armbrust
Quelle: TAG24

Ich will hier nicht über Gefährlichkeit und Ungefährlichkeit eines solchen Spielzeuges philosophieren, wobei ich denke, daß es in der BRiD auch keine Zulassung bekäme, sondern einzig bemerken, daß gewünschte Gesetzesänderungen, die vielleicht etwas unpopulär sind, gerne in Wellen medial thematisiert werden, um das Unterbewußtein zu manipulieren. Immer wieder im negativen  Kontext und mit bestimmten Schlagworten assoziiert, wird sich die unbewußte Ablehnung gegenüber der Armbrust etablieren. Die meisten Menschen werden einem Verbot der freien Ver/Käuflichkeit dann zustimmen, die Politiker werden sich genötigt fühlen, wieder etwas (eher Sinnloses) für die Sicherheit der Bevölkerung zu tun…. Da es aber noch viel zu wenig Unfälle und Attentate mit Armbrüsten gegeben hat, um die reale Gefahr zu untermauern, dürfen wir gespannt, wann es zu einem verwertbaren Ereignis kommen wird.

 

 

 

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Johanni Brauchtum

Johannis-Feuer sei unverwehrt,
Die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt
und Jungens immer geboren
(Johann Wolfgang von Goethe)

Eng verbunden mit den Feierlichkeiten zur Sonnwendt am 21. Juni und womöglich sogar älter oder zumindest intensiver begangen als der Sonnwendt Tag, ist das Johannisfest mit seinen Johannisfeuern am Vorabend zum 24. Juni, nach dem Grimmschen Wörterbuch jedoch erst am Abend nach dem Johannistag.

Von der großen magischen Bedeutung dieser Nacht zeugen viele überlieferte Bräuche und der Tag galt als ein  Lostag :

Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen.
Glüh`n Johanniswürmchen helle, schöner Juni ist zur Stelle. *
Johannis tut dem Winter wieder die Türe auf.
Bis Johannes wird gepflanzt, ein Datum, das` dir merken mußt
Der Kuckuck kündet teure Zeit, wenn er nach Johanni schreit
Regnet’s am Johannistag, regnet es noch vierzehn Tag.
Johanni trocken und warm, macht den Bauern nicht arm.
Vor dem Johannistag man keine Gerste loben mag. oder: Regen am Johannistag, nasse Ernt man erwarten mag
Wenn Johanniskäfer hell leuchten im Garten, dann ist gut Wetter zu erwarten. oder: wie ´s Wetter an Johanni war, so bleibts wohl 40 Tage gar
Wenn sich die Glühwürmchen verstecken, wird Regen in der Früh dich wecken – wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst du richten deine Sensen.
Zeigt das Wetter um Johanni sich schön, kannst Glühwürmchen du Hochzeit feiern seh´n; doch fällt viel Regen auf dein Haus, halten sie wie du im Stillen aus.
Tritt auf Johannes Regen ein, so wird der Nußwuchs nicht gedeih’n.
Sankt Johannis Regengüsse verderben die besten Nüsse – An Sankt Johanni Abend, leg die Zwiebeln in ihr kühles Bett
Wenn die Johanniswürmchen schön leuchten und glänzen, kommt’s Wetter zu Lust und im Freien zu Tänzen;
verbirgt sich das Tierchen bis Johanni und weiter, wird’s Wetter einstweilen nicht warm und nicht heiter.

Johanni trennt bestimmte landwirtschaftliche Tätigkeiten. So wird ab diesem Tag kein Spargel mehr geerntet (Spargelsylvester) und wegen des steigenden Oxalgehalts (wie man heute weiß) auch kein Rhabarber mehr geschnitten. Andererseits beginnt die Wiesenmahd und die Ernte der meisten Feld- und Baumfrüchte. Auch gewisse Weiden, die sogenannten Johannisweiden, wurden erst nach diesem Tag für das Vieh freigegeben.

Bei Laubbäumen, wie zum Beispiel Eiche oder Rotbuche und immergrünen Hecken kommt es um den Johannistag zu einem zweiten Austrieb, der auch „Johannistrieb“ genannt wird. In der Regel werden Hecken und Bäume nun zum zweiten Mal im Jahr beschnitten („Johannisschnitt“). Bis zum Frühjahrsaustrieb geraten sie nun nicht mehr aus der Form. Bei Obstbäumen wird der Johannistrieb herausgerissen, da dieser unnötig Nährstoffe kostet. Zur Kompensation von Fraßschäden an Bäumen, beispielsweise durch Maikäfer, kann der Johannistrieb aber auch sehr wichtig bzw. von Nutzen sein.

Als „Johannistrieb“ wird in der bäuerlichen Überlieferung auch ironisch genannt, wenn ein älterer Mann eine junge Frau nimmt.

Die Benennung von Pflanzen und Tiere nach diesem Tag zeugt davon, daß für unsere Ahnen die Johanniszeit wirklich etwas Besonderes war:

Das im Juni blühende Johanniskraut, die zu dieser Zeit reifende Johannisbeere, die Johannisblume = Arnika, Johannishändchen ist der Name eines Farns, Johannislaub = Weisspappel, Johannispappel = wilde Malve, Johannishaupt der deutsche Ingwer, Johannisblüh = Gänseblümchen, Johannisblut = einjähriger Knäul (eine Nelkenart bekannt als Scleranthus in der Reihe der Bachblüten findet Verwendung bei seelischer Unentschiedenheit und Sprunghaftigkeit), die Sonnwendblume = Königskerze und die Johanniskäfer = Glühwürmchen, die jetzt zur Dämmerungszeit und nur bei gutem Wetter auf Partnersuche gehen. Die Spanische Fliege wird Johannisfliege genannt und der Albatros Johannisgans.

Das Grimmsche Wörterbuch überliefert uns weiterhin Interessantes zum Johannisbrot, bei dem es sich um die Frucht des Johannisbrotbaums handelt, aber möglicherweise auch um die Schoten der Röhrenkassie oder die Blüte des roten Klees oder um Naschwerk:

Leipzig must auch gehorsam sein diesem zwang, sahe an die noth,
schafft pfefferkuchen, Johansbrot,
datteln, zimmet, anis, candirts, zuckerbrot und mehr praeparirts.
aus: Weller lieder des 30 jähr. kriegs 195.

Johanniskrapfen und Holunderküchel zählten übrigens zu den Leckereien, die an diesem Festtag gerne gereicht werden.

Am Johannistag wurden auch (meist bis zur Mittagszeit) von den Johannisweiberln die sogenannten Johanniskräuter gesammelt, die Mensch und Vieh über das nächste Jahr hinweg gesund erhalten mußten. Dazu gehörten das Johanniskraut, Ringelblume, Arnika, Beifuß, Eisenkraut, Kamille, Margerite, Bärlapp, Klette, der Quendel und die Königskerze. Andernorts verwendete man auch Eichenlaub, Farnkraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen.

Zum Fest gab es für die Kinder zur Belustigung einen Johannistopf, geschmückt mit Blumen und Lichtern. Getanzt wurde unter einem großen Blumengebinde, der Johanniskrone. Und das nicht nur am Johannistag, sondern an jedem folgendem Abend, bis die Krone verwelkt war.

Das zentrale Ereignis der Johannifeierlichkeit war natürlich das Entzünden des reinigenden Johannisfeuers oder Kanzfeuers, manchmal auch Hagelfeuer genannt, da es vor Hagel schützen sollte. Auch Feuerräder gehören zu diesem Feuerbrauch.

In Österreich zog die Dorfjugend für dieses Feuer von Hof zu Hof und sammelte von den Bauern und Dorfbewohnern das nötige Holz. Ein überlieferter Bittspruch lautete:

 
Der heilige St. Veit Tat bittn um a Scheit;
Wan’s ens koan Scheid nöd göbt’s,

So mocha ma koan Sunwendfeur nöd!

(Zitiert nach Baumgarten, Amand P.: Das Jahr und seine Tage in Meinung und Brauch der Heimat. Hg. von Adalbert Depiny. Linz 1927, S. 37)

 

Entgegengesetzt zu diesem Feuerkult gab es auch den Brauch, schweigend ein gesundheitsförderliches Johannisbad in einem Fluß oder See zu nehmen, oder auch im Johannistau, der nicht nur gegen Sommersprossen helfen, sondern auch das Brot besser gären und Blumen gedeihen lassen sollte. Am Johannistag wurden oft auch Brunnen gesegnet und anschließend die Menschen mit diesem Wasser besprengt, sowie der Brunnenmeister für das folgende Jahr gewählt. In Zürich wechselten übrigens an diesem Tag auch die Bürgermeister und Landvögte.

Die jungen Mädchen pflückten an Johanni 7 oder 9 verschiedene Kräuter und flochten daraus den magisch schützenden Johanniskranz, um ihn an die Fensterkreuze oder an die Tür zu hängen. Wurde diese Arbeit zur Unzeit verrichtet, sollte das zur Folge haben, daß die Maid im kommenden Jahr ohne Gatten blieb. Die glücklichen Paare hingegen tanzten und sprangen des Nächtens mutig Hand in Hand und von Beifuß umgürtet (Sonnwendgürtel) und mit Blumenschmuck um das Haupt über die lodernden Johannifeuer. Den Beifuß und mancherorts auch Beinwell (Comfrey) übergab man anschließend den Flammen. Ebenso Opfer der Flammen wurden alte Besen, der Maibaum, der verdorrte Fronleichnamschmuck oder der Sonnwendhansel und die Sonnwendgretel. Zwei Strohpuppen. Die Asche des Sonnwendfeuers wurde später über die Felder gestreut.

Im Baltikum zieht man außerdem in der Nacht aus, die Farnkrautblüte zu suchen, die, wenn man sie denn findet, reich und hellsichtig macht. Im polnischen Märchen vom Hans , der ein unglückseeliges Ende nimmt,  erfahren wir mehr über diese zauberhafte Blüte.

Weitere Erwähnung findet die Farnkrautblüte in dem Lied vom Spielmamm von Lys :

…… Kein Lüftchen geht, man hört von fern Den Specht in Waldesmitten,

Da kommt der Spielmann durch den Busch, Der braune Geselle, geschritten.

Er trägt ein Wams von Flicken bunt, Trägt Farnkrautblüt‘ am Hute,

Sein schwarzes Auge lacht und blitzt, Er singt mit lachendem Mute:

»Ich bin des grünen Waldes Kind, Die Tierlein kennen mich alle;

Woher ich komme, das weiß der Wind, Der Wind, wohin ich walle….

Aber nicht nur Liebespaare sprangen über das Johannisfeuer.

Auch die Mitglieder der  Münchner Liedertafel https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Das_festliche_Jahr_img221_Johannissprung_der_M%C3%BCnchener_Liedertafel.jpg

frönten diesem Brauch, wie Otto von Reinsberg-Düringsfeld im „Das festliche Jahr in Sitten, Gebräuchen und Festen der germanischen Völker.“ beschrieb. Ob dieser immer noch bestehende Männerchor dieses Brauchtum bis heute fortführt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ist die freie Käuflichkeit einer Armbrust bald Geschichte?

In einem Artikel vom März 2017 lies hier  warnt die German Rifle Association davor, daß nun auch die Armbrust in den Fokus der Regulierer und Verbieter zu geraten scheint. Zunächst werfen wir deshalb einen Blick in die derzeitige Gesetzeslage in der BRiD.

Disclaimer/Haftungsausschluß: ich übernehme keine Verantwortung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Information, obwohl ich diese nach bestem Wissen und Gewissen hier zusammengetragen habe. Ich erteile auch keinen rechtlichen Rat und weise darauf hin, daß sich die Gesetze / Verordnungen jederzeit ändern können. Es muß sich daher jeder selbst anhand der Originalgesetze und Verordnungen kundig machen, das hier Geschriebene prüfen oder sich von zugelassenen Rechtsanwälten beraten lassen.

Unter das Waffengesetz fallen neben Schusswaffen und Feuerwaffen auch Luftdruck-, Federdruck- und CO2-Waffen sowie die Armbrust als den Schußwaffen gleichgestellter Gegenstand; nicht vom Waffengesetz geregelt ist der Bogen.

Der Umgang (dh erwerben, besitzen, überlassen, führen, mitnehmen, schießen, bearbeiten) mit Waffen ist nach dem Waffengesetz – soweit nicht ausdrücklich Ausnahmen geregelt sind – nur Personen über 18 Jahre erlaubt. Beim Kauf ist der Händler dazu verpflichtet, dies beim Käufer nachzuprüfen. Eine Unterlassung ist strafbar. Auch bei privaten Verkäufen sollte man sicher gehen, dass der Käufer das entsprechende Alter hat, um bei später auftretenden Problemen auf der sicheren Seite zu sein (Stichwort: Vertrag UND Ausweiskopie aufbewahren).

Ausnahmen gibt es für Spielzeugarmbrüste, sofern die Bolzen/Pfeile eine Bewegungsenergie von maximal 0,16 Joule/cm² beim Abschießen nicht überschreiten können. Dazu zählen in vielen Fällen auch Modellwaffen für Live Action Role Playing (kurz LARP).

Für das „Schießen“ mit der Armbrust gelten die gleichen Altersgrenzen wie für Druckluftwaffen (12 Jahre mit Ausnahmemöglichkeit) – Ziffer 27.4.2.3. WaffVwV.

Genauer:  Außerhalb von Schießstätten bedarf das Schießen mit Schusswaffen, in diesem Fall der Armbrust, IMMER und GRUNDSÄTZLICH einer behördlichen Erlaubnis (Ausnahmen bitte im Originalgesetzestext nachlesen).

Das Führen, also Beisichtragen einer Armbrust, ist jedoch FREI  und benötigt (im Gegensatz zu z.B. Schreckschußwaffen) keinen Kleinen Waffenschein. Doch VORSICHT!

  1. Das Führen oder Transportieren der Armbrust mit eingelegtem Bolzen bzw. in gespanntem Zustand bedeuted, daß die Armbrust schußbereit geführt/transportiert wird. Das ist nicht erlaubt!
  2. Das Führen auf öffentlichen Veranstaltungen jeglicher Art ist VERBOTEN!!!  Explizit heißt es:  Wer an öffentlichen Vergnügungen, Volksfesten, Sportveranstaltungen, Messen, Ausstellungen, Märkten oder ähnlichen öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt, darf keine Waffen im Sinne des § 1 Abs. 2 führen.
  3. Das Führen auf fremdem Grund und Boden bedarf IMMER der ERLAUBNIS des HAUSRECHTS-INHABERS. Also, will man einmal mit seiner Armbrust zum Nachbar, muß dieser seine Erlaubnis geben. Kommt man gerade durstig aus dem zweistündigen Parcour getrottet und will sich im nahen Einkaufsladen oder Cafe mit einer Limo erfrischen, bedarf das Mitführen der Armbrust der Erlaubnis des Ladeninhabers…

Auf zugelassenen Schießstätten darf ohne behördliche Einzel-Erlaubnis geschossen werden, wenn bzw. da diese Schießstätten eine generelle Schießerlaubnis haben.

Voraussetzung für das Schießen von unter 18 Jährigen mit der Armbrust (auf zugelassenen Schießstätten, versteht sich!) ist, dass eine schriftliche Einverständniserklärung des/der Sorgeberechtigten vorliegt oder diese anwesend sind.

Das Schießen darf für Luftdruckwaffen (Armbrüste sind diesen gleichgestellt) bis zum 14. Lebensjahr und für sonstige Waffen bis zum 16. Lebensjahr nur unter Obhut einer zur Kinder- und Jugendarbeit geeigneten Person (Jugendbasislizenz) oder des zur Aufsichtführung berechtigten Sorgeberechtigten – neben der Schießstandaufsicht – durchgeführt werden.

Von den Altersgrenzen soll eine Ausnahme bewilligt werden, wenn durch eine (z.B. haus)ärztliche Bescheinigung die geistige und körperliche Eignung und durch eine Bescheinigung des Vereins die schießsportliche Begabung glaubhaft gemacht sind.

Mit freien Luftdruckwaffen, sogenannten SRS Waffen und auch der freien Armbrust darf auf dem eigenen befriedeten Besitztum geschossen werden, wenn sichergestellt ist, daß das Geschoß, also Pfeile, Bolzen oder Stahlkugeln, das Besitztum keinesfalls verlassen können. Auch ein Schießen in den eigenen Kellerräumen ist erlaubt. Die Jagd auf Wild mit der Armbrust in Deutschland ist verboten. Spezielle Aufbewahrungsvorschriften gibt es nicht, ausser daß man zu jeder Zeit sicherstellen muß, daß die Armbrust nicht in die Gewalt von Unberechtigten  (also Kindern) gelangen darf. Daher am besten immer in einem abgeschlossenen Behältnis aufbewahren und transportieren. Auch die Unauffälligkeit beim Transport ist für mich persönlich ein wichtiger Faktor.

Soweit, so gut…

Bereits 2007 forderte der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt eine Erlaubnispflicht sowohl für Soft Air Waffen, als auch für die Armbrust und bedauerte zu tiefst, daß eine diesbezügliche Verschärfung des Waffenrechts gerade gescheitert war, wie die WELT   berichtete.

Im März 2017 berichtete die wize.life und Heute.at  sowie die BILD Zeitung, daß ein bekannter Islamist, übrigens ein angeblicher Deutsch-Russe – was immer das auch sein mag und wie gut die Geographiekenntnisse des Journalisten sind, kann ich auch nicht beurteilen, nachdem schon die Bundeskanzlerin Berlin in Rußland verortete (war da der Wunsch die Mutter des Gedanken?) – eine Armbrust kaufte und die Polizei dem tatenlos zusehen mußte.

Handfeste Beweise, daß dieser „Islamist“ plante, mit der Armbrust akut einen Anschlag auszuführen, gab es nicht, und so habe man ihn nach eintägigem Arrest und Befragung wieder ziehen lassen müssen. Zumindest hier funktioniert also der Rechtsstaat augenscheinlich noch.

Doch soetwas will das BKA natürlich nicht auf sich sitzen lassen und legte den Fall der „Frau Doktor für alles“ aka Merkel vor mit dem Ziel, Zitat aus Heute.at: „um eine Gesetzesänderung zu erwirken, damit auch eine Armbrust als Waffe und nicht als Sportgerät gilt.“  Ja, sehr fachlich recherchiert, meine lieben Pressefuzzis von Heute.at. Zu faul oder zu dumm, einmal in die vorhandenen Gesetzestexte zu schauen und das darin geschriebene Wort zu verstehen! Daß ihr als Österreicher keine Ahnung von deutschen Gesetzen habt (so ihr nicht einfach nur von deutschen Glaubensbrüdern abgeschrieben habt), entschuldigt euch nicht.

Die Leser meines Blogs haben mehr Wissen. Eine Armbrust ist bereits nicht nur eine Waffe, sondern sogar einer Schußwaffe gleichgestellt! Und wie kann es sein – so fragt man sich nach der Lektüre von wize.life – daß,  Zitat: „… Außerdem hatte Iwan K. anscheinend Vorbereitungen getroffen, um den hochexplosiven Sprengstoff TATP herzustellen...“  bei tatsächlichen Vorbereitungen eines Anschlages der Polizei die Hände gebunden gewesen sein sollen?

Ja, es ist richtig, wer Anleitungen zum Bxxxx-bau auf seinem Rechner liegen hat, ist noch lange kein Terrorist. Wer Nagellackentferner und Wasserstoffperoxid zum Haarebleichen oder zur Reinigung, vermutlich sogar nur als 3% ige Lösung oder Kaliumchlorid (Tomaten- u. Aquariumdünger) oder mehrere Kilogramm Waschmittel zuhause hat, ist ebenfalls noch lange kein Terrorist.

Wir wissen natürlich nicht, ob die guten Männer vom BKA der „Frau Doktor im Bundesbunker“ bei ihrem Besuch nicht auch gleich vorgeschlagen haben, den kleinen Waffenschein für Nagellackentferner und Marilyn Monroe Blondinen

Mazda 6, sexy Blondine

zu verordnen, was ich irgendwie verstehen könnte….

Was jemanden allerdings wirklich verdächtig machen würde, das wäre die unübliche Menge dieser Substanzen und deren Konzentration. Mit einem Flascherl Nagellackentferner und 3% Peroxid (30% ist für Normalverbraucher in der BRiD schon lange nicht mehr erhältlich und bei Tomatendüngerkauf wird man behandelt wie ein Geldwäscher, während in Polen das Zeug in 10 kg Säcken online vertickt wird) kommt man nicht weit beim Bxxxx-bau, da ist eine Flasche Wodka effektiver…oh Pardon Herr Putin. Bei Ihnen ist alles etwas potenter als im Westen wie mir scheint.

Im Übrigen muß es einem völlig weltfremd erscheinen, wenn jemand glaubt, eine Armbrust sei für ein Massenattentat geeignet. Umständlich in der Handhabung, selbst in der martialisch wirkenden tactical Versionlink / Pistolenarmbrüste  langsam, auffällig und ohne Training wenig effektiv… jede Machete, jedes Haushaltsmesser und jedes Kraftfahrzeug (wie man bereits gesehen hat) ist effektiver und das wissen auch die Experten des BKA. Ob allerdings diese Version einer Pistolenarmbrust link  bei uns erlaubt ist, weiß ich nicht.

Wahrscheinlicher erscheint mir da schon ein befürchtetes gezieltes Scharfschützen Attentat auf eine Einzelperson und das dürfte auch dem BKA Besuch  bei „Frau Doktor wir schaffen das“ zugrunde gelegen haben. Denn was interessiert die Eliten das gemeine Volk und Attentate gegen dieses?

Außer natürlich, dass sie gute Gelegenheiten für Foto-Ops in abgeriegelten Seitenstrassen darstellen, bei denen die größte Herausforderung darin besteht, einmal nicht iovial zu grinsen, wobei selbst das nicht gelingt. Der Automatismus der Selbstherrlichkeit ist zu tief eingebrannt.

Ich werde jedenfalls die Entwicklung der gesetzlichen Bestimmungen bzgl. der freien Käuflichkeit von Armbrüsten weiter beobachten und bei Bedarf berichten.

aus:

  • Verlag: Heye in Kalenderverlag KVH (19. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3840144248
  • ISBN-13: 978-3840144240

 

 

 

 

 

 

Sonnwendt

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Hagar Qim      Bildquelle: http://www.visitmamalta.com

Goethes Feuerspruch:
Brenne Fackel! Leuchte Flamme!
Geh von Hand zu Hand.
Trag den Glauben, trag die Treue weiter durch das Land.
Vater, gib dem Sohn sie weiter, Mutter deiner Maid!
Dass der Glauben und die Treue leuchten durch die Zeit!
So standen in grauer Vorzeit die Ahnen,
so stand einst die Jugend auf nächtlicher Fahrt.
So stehen wir heute ‐ ein einziges Mahnen ‐
fest und geschlossen ums Feuer geschart.
Wir öffnen die Herzen, wir heben die Hände,
wir grüßen des Jahres fruchtbringende Wende,
wir grüßen des Lichtes gesegneten Lauf:
Sonnwendfeuer flamm auf nun, flamm auf!
Die Flamme lodre durch den Rauch,
Begeht den alten heiligen Brauch,
So wird das Herz erhoben.
Die Flamme reinigt sich von Rauch,
So reinig‘ unsern Glauben;
Dein Licht, wer kann es rauben!

 

Der heutige Beitrag ist dem astronomischen Ereignis der Sonnenwende gewidmet, die dieses Jahr in Deutschland am 21.Juni 2017 um 06:24 Uhr MESZ stattfand und den Beginn des astronomischen Sommers  markierte (auf der Südhalbkugel den Winterbeginn).

Dieser astronomisch exakt fixierbare Zeitpunkt war unseren Vorfahren schon vor tausenden von Jahren wichtig. So wichtig, daß sie in gewaltigen Bauwerken bis hin zu großräumigen Landschaftskompositionen, Instrumente schufen, diesen Zeitpunkt zu erkennen und ja nicht zu verpassen. Wir Menschen sind somit von Anbeginn keineswegs nur erdbezogene Wesen gewesen, die mit gesenktem Kopf und mühsam der Erde unsere Nahrung abtrotzen mußten (und uns so ganz nebenbei mit Keulen Frauen raubten). Wir waren und sind kosmische Wesen, die ihren Blick zum Himmel, zu den Gestirnen und in das Weltall richteten. Sehr interessante Entdeckungen zur Archäoastronomie  wurden in ScienceXX veröffentlicht, wobei es der Wissenschaft trotzallem noch schwer zu fallen scheint, von bisherigen nicht mehr stimmigen Kategorisierungen wie „Steinzeit“ abzulassen und adäquatere Begrifflichkeiten auch in der Populärwissenschaft zu etablieren.

Es ist also festzuhalten, wir sind Wesen, die Ästhetik mit der Forschung verbinden können und schon immer konnten.  APOD hat übrigens zur Sonnwendt ein passendes Tagesbild zu dieser Verbindung von Kunst und Astronomie veröffentlicht hier.

Das Mystische, das alchemistische Geheimnis, das diese Zeit zwischen dem 20. und 24. Juni umgibt, fand ihren künstlerischen Niederschlag dann in der wundervollen Ausgestaltung von Shakespears „Ein Sommernachtstraum“ oder im Originaltitel: a midsummernights dream

Zurück zur astronomischen Sonnwendt…

Die Meteorologie verortet den Beginn der Jahreszeiten anders als die Astronomie bereits am ersten Tag der Monate, in die die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen fallen, d.h. der metereologische Sommer beginnt per definitionem am 1. Juni, der Winter am 1. Dezember.

Die sogenannten Ortszeiten für die Sonnenwende sind von Zeitzone zu Zeitzone unterschiedlich z.B. in L.A. USA geschah dieses Ereignis bereits am 20. Juni 21:24 Uhr PDT. Das letzte Mal, daß in Europa die Sonnenwende auf einen 20. Juni datiert wurde, war übrigens im Jahr 1896. Doch keine Panik! 2020 ist das schon wieder der Fall, wenn auch sehr knapp, denn das Ereignis wird 16 Minuten vor Mitternacht stattfinden. Auf den 22. Juni fiel die Sommersonnwendt zuletzt  im Jahr 1986 und es wird für das ganze restliche 21. Jahrhundert auch keine Wiederholung geben.

Trotz der Orts-Zeitverschiebung findet die Sonnenwende überall gleichzeitig statt, denn das Ereignis wird definiert als der Zeitpunkt, zu dem der Zenit der Sonne den nördlichen Wendekreis erreicht. Der Moment ist also unabhängig von Zeitzonen und Koordinaten.

Im Juni soll der herrschenden Lehrmeinung entsprechend die Entfernung zwischen Erde und Sonne ca. 5 Millionen km größer sein als zur Sonnenwende im Dezember, so daß die Erdentfernung wohl keine Rolle für die höhere Erdtemperatur im Sommer zu spielen scheint. Die im Jahreslauf schwankende Entfernung zur Sonne ist zudem mit ca. 147 Millionen km im Januar am geringsten und wird als Perihel bezeichnet. Aphel ist die weiteste Distanz zwischen Erde und Sonne im Juli und beträgt ca 152 Millionen km.

Die Vertreter der Theorie der  Hohlen Erde  dürfen diesem Blog diesbezüglich im Kommentarbereich gerne ergänzende Fakten zukommen lassen. Und auch wer der Überzeugung ist, daß die derzeitige Lehrmeinung hinsichtlich astronomischer Entfernungs- und Temperaturmessung auf dem Holzweg ist, ist eingeladen, seine Kenntnisse hier zu teilen.

Der Sonnwendtag ist der längste Tag im Jahreslauf, das weiß jedes Kind, nicht zuletzt, weil vielerorts dieser Tag noch feierlich begangen  Sonnwendt an der Kampenwand  und Brauchtum gepflegt wird  Schweden , und nicht nur von Brauchtumsvereinen: Maypole TanzNaturglaube, Fernwirkung aller Zugspitz-Feuer

Wenigen hingegen ist bewußt, dass es aber nicht der Tag mit dem frühesten Sonnenaufgang ist und auch nicht der mit dem spätesten Sonnenuntergang. Diese sind wenige Tage vor respektive wenige Tage nach Sonnwendt zu verzeichnen, wobei der Zeitunterschied ca. 1 Minute beträgt. Und wenn wir schon von der Tageslänge sprechen, dann kann ich an dieser Stelle noch erwähnen, daß am Sonnwendt Tag Hamburg eine Stunde länger als Zürich das Sonnenlicht geniessen kann (überhaupt hat die Stadt an der Nordsee über das Jahr hinweg 19 Stunden mehr Tageslicht als die Schweiz).

Weiter südlich des Polarkreises, dort wo die Mitternachtssonne nicht mehr scheint, wird man bis in deutsche Landen hinunter mit den sogenannten weißen Nächten und andere Formen der Mitternachtsdämmerung entschädigt, d.h. es wird je nach Breitengrad nie gänzlich finster, denn die Sonne befindet sich in der Dämmerungsphase zwar unterhalb des Horizonts (maximal 18 Grad), ihre Strahlen werden jedoch von der Erdatmosphäre reflektiert und erhellen so den Abend- oder Morgenhimmel. Astronomen unterteilen die Dämmerung in drei Phasen:

  • Bürgerliche, auch zivile Morgen/Abend-Dämmerung genannt, ist die hellste Phase und der Mittelpunkt der Sonnenscheibe befindet sich maximal 6° unter dem Horizont (Tiefenwinkel).
  • Nautische
  • Astronomische Dämmerung

    Schematische Darstellung der Höhenwinkel der 3 Dämmerungsphasen.

    Quelle: https://www.timeanddate.de/astronomie/buergerliche-daemmerung

    Die Dauer jeder Dämmerungsphase hängt ab vom Breitengrad und von der Jahreszeit. Wo die Sonne mittags im Zenit – also direkt über dem Beobachter – steht, überquert sie den Horizont mit einem Winkel von 90°. Daraus resultieren sehr schnelle Übergänge zwischen Tag und Nacht und folglich relativ kurze Dämmerungsphasen am Äquator. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto flacher ist der Winkel des Sonnenlaufs im Verhältnis zum Horizont – und desto länger dauern die Dämmerungsphasen.

    In Ecuador, beginnt zu den Tagundnachtgleichen die bürgerliche Dämmerung morgens nur 21 Minuten vor Sonnenaufgang und verlängert sich bei 60° Breite  (Oslo / nördlichster Ausläufer der Antarktis) auf 43 Minuten.

    Auf der website time and date findet Ihr in deutscher Sprache äußerst viele weitere interessante astronomische Informationen, die für Laien sehr gut aufbereitet sind. Kalender, Sonnenrechner, Mondrechner, countdowns …

    Viel Spass!

     

     

     

SHTF Teil 4: XStat, Klemmen und Naturheilkunde zur Blutstillung im Notfall

in diesem vorerst letzten Teil der Serie zur notfallmäßigen Blutstillung möchte ich noch ein paar weitere Alternativen ansprechen, die in ausgewählten Fällen zum Einsatz kommen könnten. Einen Überblick findet man auch in einem Fachartikel der deutschen Bundeswehr aus dem Jahr 2011  hier

Ich verweise (leidigerweise) wieder auf meine Disclaimer in den zuvor veröffentlichten Beiträgen dieser Reihe. In Kürze: Ich übernehme keinerlei Verantwortung bzgl. der Nutzung der hier nur zusammengestellten und im Netz frei verfügbaren Informationen…

Eine von der FDA zugelassene blutungsstillende Anwendung ist XStat. Dabei handelt es sich um kleine pillenartige Schwämme, die sehr viel Flüssigkeit aufsaugen können und mittels eines Zylinders tief in die Wundhöhle (beworben wird die Anwendung bei einer Schussverletzung) eingebracht werden. Dort expandieren sie und üben dadurch vom Inneren der Wunde heraus Druck auf das blutende Gefäß aus, was in Folge zur Stillung der Blutung (lt. Hersteller in 15 Sekunden) beiträgt. Die Schwämmchen müssen bei der chirurgischen Wundversorgung von einem Arzt dann wieder entfernt werden (da wünsche ich dem Operateur noch genügend Geduld und ein funktionsfähiges Röntgengerät). Ich verlinke hier: XStat zu einem spanisch sprachigen promotion Video, da dort ein paar anschaulichere Wund- und Anwendungsbilder gezeigt werden als in dem US Video, damit man sich eine Vorstellung davon machen kann, was in einem Anwendungsfall auf einen zukommt. Sowohl als Verletzter als auch als Ersthelfer.

VetiGel ist ein vielversprechendes hämostyptisches Alginat in der Veterinärmedizin und (noch) nicht zugelassen für die Anwendung bei Menschen. Es kann in eine Spritze aufgezogen und in tiefe Wunden eingebracht werden. Es kann in der Wunde verbleiben und ist biologisch gut verträglich.

Und zu guter letzt gibt es noch sehr wirksame und leicht handzuhabende Klemmen, die vermehrt ihren Weg in den Prepper Rucksack oder den Erste Hilfekasten im Auto finden, wie die iTClamp

So. Und nun ein kurzer, dafür umso härterer Schwenk in die Naturmedizin. Obwohl, wenn man es sich näher betrachtet, es gar kein so harter Schwenk ist. Die bisher angesprochenen blutstillenden Substanzen sind ziemlich „reine“ Naturprodukte. Das Chitosan aus den Krebsschalen, die Alginate, das Kaolin … alles sehr potente und nebenwirkungsarme Substanzen aus der Natur, die in hoch konzentrierter Form zum Einsatz kommen (frei nach Paracelsus: die Dosis macht`s) .

Daher erscheint es mir nur legitim auch weitere, bisher in der Naturheilkunde verwendete Substanzen zur Blutstillung zumindest zu erwähnen, ohne jedoch näher auf diese einzugehen oder ihre Effektivität zu beurteilen, denn ich kenne dazu keine wissenschaftlich belastbaren Studien. Ich kann mir aber vorstellen, dass es Situationen geben kann (ich denke da speziell an den Jugoslawienkrieg), in denen es an schulmedizinischen Mitteln mangelt, aber Naturheilmittel noch greifbar sind. Ich erinnere an dieser Stelle nocheinmal besonders an meinen Disclaimer und Haftungs- respektive Verantwortungsausschluss, denn Naturheilmittel sind nicht immer harmlos und andererseits nicht immer gleich wirksam, was sich schon aus den z.B. sich im Jahreslauf verändernden Wirkstoffkonzentrationen in den Pflanzen oder auch deren unterschiedliche Standorte ergibt. Bitte konsultiert diesbezüglich Fachleute wie naturheilkundlich arbeitende Ärzte, Apotheker …. sofern Ihr nicht selbst vom Fach seid.

In jedem Fall ist man auch in der Naturheilkunde aufgerufen, nach Wissenschaftlichkeit und hohen Standards zu streben und eine rege Diskussionskultur pflegen:  gegen blinden Glauben und sich immer die Frage nach den geeignetsten Mitteln und Methoden zu stellen.

So komme ich für mich an die Grenze meiner Vorstellungskraft, wenn ich nach einem naturheilkundlichen Mittel suchen sollte, mit dem ich mich einer schmerzfreien mehrstündigen Operation unterziehen könnte. Oder ein homöopathisches Mittel, das die spritzende Arteria femoralis Blutung schnell genug stoppt, bevor der Verletzte (oder ich selbst)  verblutet. Für mich liegt daher der Anwendungsbereich naturheilkundlicher Mittel eher auf Seiten der Vorbeugung und komplementären Behandlung chronischer weniger starker Blutungen, die auf Dauer schädliche Auswirkungen haben können. Wie hämorrhoidal Blutungen, Nasenbluten und starke Regelblutungen und in einem SHTF Szenario so fatal enden können wie eine Combat Verletzung.

Und da ich soeben auf einer sogenannten naturheilkundlichen Seite sinngemäß folgendes gelesen habe: „falls eine Wunde nicht blutet, sollten Sie diese zum Bluten bringen, damit sie sich reinigt“, möchte ich dazu kommentieren, dass man nicht auf die Idee kommen sollte, an so einer Verletzung herumzudrücken, nur damit sie zu bluten beginnt. Das Drücken schädigt das Gewebe und verteilt eingedrungenes Fremdmaterial nur umso mehr, so dass auch die nachfolgend einsetzende Blutung das nicht mehr an die Oberfläche spülen können wird. Die Wahrscheinlichkeit einer eitrigen Entzündung steigt. Mit Seife und/oder purem, möglichst fliessendem, Wasser gründlich auswaschen, ein geeignetes Desinfektionsmittel (kolloidales Silber, alkoholische Lösungen, Micropurwasser in einem SHTF Szenario) auftragen -unbedingt beachten, dass nur wenige Desinfektionsmittel für tiefe Wundreinigung zugelassen sind, dass Wasserstoffperoxid von Blut inaktiviert wird und Jod eine sogenannte Eiweisslücke besitzt, dh in seiner Wirksamkeit nicht nur erhebliche Mängel aufweist, sondern auch Gewebe schädigen und eine allergieähnliche Reaktion auslösen kann. Zusätzliche Risiken bestehen bei gewissen Schilddrüsenerkrankungen!-   und gut belüftet abdecken, dürfte die geeignetere Strategie darstellen.

Alkoholhaltige Desinfektionsmittel können ggf. die Blutung anregen, ohne dass das umliegende Gewebe durch Druck geschädigt wird. Im Verlauf die Wunde beobachten, seinen Tetanus-Impfschutz prüfen (ist nie verkehrt) und rechtzeitig professionelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, sofern diese erhältlich ist.

Kräuter mit blutungsstillender Wirkung kann man bei Interesse z.B.  hier    nachschlagen oder man bemüht die einschlägigen Suchmaschinen.

Auch homöopathische Mittel wie Arnica montana, Hamamelis, China, Melilotus oder Alchemilla unter vielen anderen, sollen blutungsstillende Wirkung haben, doch die homöopathische Lehrmeinung ist generell so vielschichtig, wenn nicht gar zersplittert, dass es unmöglich ist, hier auch nur annähernd fundiert und unparteiisch etwas darüber zu schreiben. Aus dem Mineralreich werden von naturheilkundlich arbeitenden Ärzten zur Blutstillung angewendet, z.b. homöopathisches Stibium met. (Antimon) wie eine Ärzteumfrage ergab: Merkurstab

 

 

 

SHTF Notfallmäßige Blutstillung Teil 3: Vergleich der Substanzen für lokale Anwendungen

in einem Artikel eines Journals für US amerikanische paramedics, also Rettungskräfte, zum Link: EMS wurde im April 2015 Folgendes zum Thema chemische (bzw. biochemische) Blutstillung veröffentlicht, was ich hier zusammenfassend und verkürzt einmal übersetzt habe. Referenzen zu den Studien findet Ihr im Originalartikel.

Die ideale chemische Blutstillung sollte die Fähigkeit haben

  • Blutungen aus grossen Arterien und Venen innerhalb von 2 Minuten ab Applikation zu stoppen.
  • Das Mittel sollte effektiv appliziert werden können, auch bei Vorhandensein von einer grossen Ansammlung von Blut um die Blutungsquelle herum, darf also nicht schon durch die blutige Umgebung in seiner Wirkung verbraucht werden, noch bevor es überhaupt mit der Blutungsquelle in Kontakt gekommen ist.
  • Das Mittel sollte anwendungsfertig in Portionen vorliegen (keine Anmischung oder Aktivierung) und  muss leicht anzuwenden sein, auch für nicht medizinisch geschulte Menschen.
  • Es muss von geringem Gewicht und haltbar sein, auch unter extremen Temperaturschwankungen,
  • es sollte kostengünstig sein und
  • kein bakterielles oder virales Risiko beherbergen.

Nicht erwähnt werden in diesem Artikel, dass es gesundheitlich verträglich sein muss und am Besten vom Körper selbst abbaubar sein sollte. Nicht abbaubare Substanzen bzw auf Verbänden oder Schwämmen aufgebrachte Blutstiller, sollten einen röntgendichten Marker besitzen, damit sie vom Chirurgen in der Klinik überhaupt wieder auffindbar sind und entfernt werden können. Auch sollte der Verschluss der Gefässwunde so stabil sein, dass er nicht bei kleinen oder besser auch überhaupt bei Bewegung nicht wieder aufreisst, denn der Verletzte muss ja zur endgültigen medizinischen Versorgungsstelle transportiert werden oder sich sogar selbst dorthin begeben.

Auch sollte der Substanzträger möglichst nicht mit dem Gewebe verkleben, da man ansonsten bei einem gegebenenfalls nötigen Verbandswechsel die Wunde noch vergrössern würde, die Blutung reaktiviert und das Infektionsrisiko steigen würde.

Bislang gibt es kein Mittel, das all diesen Anforderungen gerecht wird, nichtsdestotrotz haben sich einige davon in der Praxis und in Studien gut bewährt.

HemCon® and Celox™ bestehen aus sehr körperverträglichen Chitosan-Salzen (aus der Schale von Meereskrebsen), einem positiv geladenen adhäsiv wirkenden Blutstiller, der bei Kontakt mit Blut (negativ geladenen roten Blutkörperchen) einen Pfropf bildet, der die Wunde versiegelt und die Blutung stoppt.

Im Falle von HemCon® zeigten Studien eine bessere Blutstillung gegenüber einem normalen Druckverband, sofern es sich um eine venöse, also drucklose, Massenblutung handelte. Auch bei einer unkontrollierbaren arteriellen Blutung war HemCon zwar effektiv, allerdings nicht dauerhaft, denn die Blutung setzte nach einer Weile wieder ein. Trotzdem ergab eine andere Studie, dass in 27 von 34 Fällen Feuerwehrleute in den Einsätzen die Blutungen erfolgreich zum Stillstand bringen konnten. In einem weiteren Tierversuch (Schwein) zeigte von den getesten Substanzen jedoch nur Celox™ eine bessere Kurzzeitüberlebensrate.

Betrachten wir nun QuikClot®, einem Zeolit (Mineral vulkanischen Ursprungs). Diese Substanz zieht extrem schnell und viel Wasser an sich. Durch den Wasserentzug aus dem Blut, reichern sich die für die Gerinnung zuständigen Blutplättchen und weitere Gerinnungsfaktoren an, was zu einem sehr schnellen Wundverschluss führt. Der Nachteil hierbei ist, dass das Mineral nicht vom Körper vollständig abgebaut werden kann und bei der Wasserbindung Hitze entsteht, die durchaus Temperaturen von bis zu 50 Grad erreicht und damit Eiweiss zur Gerinnung bringt, also Gewebe durch Verbrennung absterben lässt. Daher wurde das Granulat, das man direkt in die Wunde streuen konnte vom Markt genommen.

Dass ich dieses Produkt u.a. trotzdem erwähne liegt darin begründet, dass man in alten Prepperbeständen oder aus Privatverkäufen noch auf diese Produkte trifft und man sollte dann für sich solch ein Produkt und seine Verwendung realistisch einschätzen können bzw. sich überlegen, ob man ein derartiges Produkt in seine eigenen Vorsorgebestände aufnehmen möchte oder eher nicht.

Die zweite Generation von QuikClot wurde bzgl. der Hitzeentwicklung verbessert und als relativ grosse Perlen in Säckchen gepackt, die in der abschliessenden chirurgischen Wundversorgung leicht entfernt werden können (QuikClot® ACS+™).

Ein anderes Produkt ohne Wärmeentwicklung ist WoundStat™, ein vom Körper abbaubarer Puder aus quellfähigem Tonmineral und Poliacrylsäure, den man direkt in die Wunde streuen kann. Dieses Produkt erwies sich sowohl effektiv in der Blutstillung als auch positiv in der Erhöhung der Überlebensrate. Allerdings ergab eine nachfolgende Tier-Studie Komplikationen bzgl. Blutgefässschädigungen und in die Lunge abgeschwemmte Thromben. Nicht sehr wünschenswert….

Eine weitere Produktentwicklung bezieht sich auf die Verwendung von Prokoagulantien. Das sind zusätzliche Gerinnungsfaktoren menschlichen oder bovinen (Rinderblut) Ursprungs und das einzige in den USA von der FDA zugelassene Produkt ist die  Combat Gauze™ (Littlejohn, Bennett, & Drew, 2015). In dieser dritten Generation von QuikClot® Produkten, wurde zudem das Zeolit durch Kaolin ersetzt (Aluminiumsilikat haltiges Tonmineral). Die mit Kaolin imprägnierte Gaze ist effektiv in der Blutstillung und entwickelt keine Wärme. In Tierversuchen schnitten die Chitosanprodukte schlechter ab als CombatGauze, das zusätzlich einen stabileren Wundverschluss erreichte, der selbst Bewegung und Transportsimulationen besser stand hielt.

Die Tactical Combat Casualty Care Leitlinien des United States Special Operations Command  empfehlen Combat Gauze™  als das Mittel der Wahl (Bennett et al., 2014), erlauben aber auch Celox™ gauze and ChitoGauze®, falls Combat Gauze™ nicht zur Verfügung stehen sollte.

Um eine Aktualisierung und Vertiefung dieser Informationen möge sich der geneigte Leser bitte eigenständig bemühen, denn bzgl. dieser Thematik wird derzeit viel Forschung betrieben und Erfahrungen gesammelt und ausgewertet. Ein update dieser Thematik ist von mir jedoch nicht geplant und würde definitiv meine Kapazität wie auch den Rahmen sprengen.

 

SHTF: Notfallmässige Blutstillung Teil 2 Chemische Substanzen

neben der in Teil 1 genannten mechanischen Blutstillung durch Druck (verbände) oder Tourniquets, die an den Extremitäten meist ausreichend wirksam sind, gibt es noch die Möglichkeit, den Blutverlust mittels chemischer Substanzen zu stoppen. Diese Möglichkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung und Beliebtheit und ist ein wachsendes pharmazeutisches Marktsegment nicht zuletzt wegen der Kriege, die als begrenzte Krisenherde beständig am Lodern gehalten werden. Wer hier das Bild einer chronisch eitrigen Entzündung vor seinem geistigen Auge sieht, der ist sicher nicht weit von der Realität entfernt.

Einsatzgebiete für topisch (d.h. lokal) wirkende blutstillende Substanzen sind z.B. Körperstellen, auf die man nur schwierig Druck ausüben und damit die Gefässverletzung abdichten kann so  z.B. Hals und Bauchraum , aber natürlich auch überall sonst, wenn man aus welchen Gründen auch immer keinen ausreichenden Druck auf das blutende Gefäss zustande bringt, vielleicht auch, weil zuviele Blutgefässe auf zu grossem Areal betroffen sind oder die Blutungsquelle zu tief in der Körperhöhlung liegt. Siehe hierzu weiterführende Literatur

Anzumerken ist, dass man auch bei Einsatz der chemischen Blutstillung nicht auf Druckanwendung verzichten sollte, notfalls auch, indem man im Falle einer grossen Arterie beherzt das blutende Gefäss mit den Fingern packt.

Für folgenden Artikel verweise ich auf die Gültigkeit meines Disclaimers im Teil 1 dieser Serie und die ausschliessliche Eigenverantwortlichkeit eines jeden Lesers im Umgang mit den hier dargestellten Informationen sowie meine uneingeschränkte Empfehlung, sich mit Fachliteratur zu versorgen und sich an die bekannten Rettungsdienste u. Organisationen zu wenden, die professionelle Schulungen und Übungsmöglichkeiten anbieten. Die nachfolgend genannten Produkte bzw. Hersteller sind ausschliesslich als willkürliche Beispiele und keinesfalls als Werbung aufzufassen. Sie wurden gewählt z.B. weil auf den entsprechenden sites die Anwendungen oder Wirkweisen anschaulich dargestellt werden oder weil sich ein Produkt auf dem Markt bereits etabliert hat (vergleichbar mit dem Markennamen Aspirin für eine Vielzahl von Herstellern von Acetylsalicyl haltigen Tabletten und Pulvern).

Die natürliche Blutstillung oder Hämostase, ist ein komplexer Vorgang, den man an verschiedenen Schlüsselpunkten unterstützen kann. Daher haben die einzelnen zur Verwendung kommenden Substanzen auch sehr unterschiedliche Einsatzgebiete und sind nicht alle für den Ersthelfer relevant.

Eine gut verständliche Einführung über die Bedeutung der chemischen Blutstillung findet man in dem sehr interessanten Artikel Versorgung von Blutungen auf dem Gefechtsfeld  im TRUPPENMAGAZIN des österreichischen Bundesheeres.

Welche chemischen Grundsubstanzen (labortechnisch aufbereitet!) zur lokalen Blutstillung kommen nun in Betracht?

Neben der Auswahl einer Substanz und ihrer Eigenarten spielt auch die Applikationsform eine Rolle. Es gibt Gele aus Injektoren, Streu-Granulate, Schäume oder beschichtete Schwämme, Auflagen und Gazeverbände.

In einem weiteren Folgeartikel werde ich versuchen, einen kleinen Überblick über die Anwendungsbereiche der zur Zeit gebräuchlichsten Substanzen und Applikationsformen zu geben.