SHTF: Erste Hilfe bei Brandverletzungen Teil 3 – Wundpflege

Aber was tun, wenn man in einem SHTF  keinen Zugang zu schneller high-tech Hilfe hat? Darum soll es ja in diesem Blogbeitrag gehen.
Wie Ihr in den vorangegangenen Artikeln gelesen habt, gibt es nicht allzuviel Handlungsspielraum für den Ersthelfer. Alles konzentriert sich darauf, so schnell als möglich in eine Spezialklinik zu kommen.
Ist man in einem SHTF Szenario, dann kommt es in aller erster Linie auf die sorgfältige Wundpflege an, auf die ich daher versuche, so gut es in einem Blog eben möglich ist, einzugehen.
Bitte lest den Disclaimer und den Haftungsauschluß der SHTF Reihe in den vorangegangenen Artikeln. Jeder muß sich selbst anhand von Quellenstudium kundig machen, ich übernehme keine Verantwortung für Vollständigkeit und Richtigkeit der folgenden Informationen.
Also, es gibt zumindest etwas Hoffnung:
In dieser Studie hat sich eine außerordentlich gute Wirksamkeit gegen Infektionserreger ohne Nebenwirkungen von Nano-kristallinem-Silbergel für Brandwunden 2. Grades gezeigt.
Es erwies sich wirksamer und nebenwirkungsfreier als alle anderen bisher in der Medizin genutzen Silberprodukte, die zwar keimreduzierend, aber auch zellschädigend wirken.
Die Heilungsdauer bei eher lokalen Schädigungen und sorgfältiger / professioneller Wundpflege belief sich auf 6 – 8 Wochen, bei stark verringertem Infektionsrisiko, wobei 50%  der Wunden bereits nach 4 Wochen zugeheilt waren. Man muß aber beachten, daß Gele eine stark auskühlende Wirkung haben und Brandverletzte nur noch über eine eingeschränkte eigene  Temperaturregulationsfähigkeit verfügen.
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt bei schweren Verbrennungen das abgestorbene Gewebe in den ersten Tagen bei jedem Verbandswechsel regelmäßig zu entfernen und keine alkoholischen Lösungen zur Desinfektion zu verwenden.
Verfärbungen und Blutungen sowie eine Entzündung des umliegenden Gewebes weisen auf eine Infektion hin, die dringend einer spezifischen Antibiotika Therapie bedarf. Auftretendes Fieber hingegen muß kein Infektionszeichen sein, sondern tritt relativ häufig auf, bis die Wunde sich verschlossen hat.
Bei Handverbrennungen wird geraten, die Hände kontinuierlich für 48h  mindestens leicht über Herzhöhe zu halten (minimiert die Schwellung) und anschließend mit leichten Bewegungsübungen zu beginnen.
Die Finger (ebenso Zehen) sollten immer einzeln verbunden werden, um ein Verkleben miteinander zu vermeiden!

Hier gibt es eine Studienauswertung zu den verschiedenen Verbänden, die man sich bei Interesse einmal durchlesen kann.

Über das stadiengerechte Wundmanagement kann man hier nachlesen,
Vielleicht will sich der ein oder andere Leser etwas von den erwähnten Produkten  besorgen.
Über Neuentwicklungen im Bereich Wundversorgung bietet z.B. die Initiative chronische Wunden (ICW) eine zertifizierte Zusatzqualifikation zum „Wundexperten ICW“.
Für leichte Verbrennungen leisten übrigens die in der Apotheke erhältlichen Brandwundengele, die auch juckreizstillend wirken, gute Dienste. In der Prepperszene bekannte antibakterielle Gelverbände sind Burnshield oder Water Jel.
Wie eine kleine (weniger als handtellergroße) Verbrennung 2. Grades ambulant von einem Arzt versorgt werden kann, ist hier zu sehen.
Die Wunde war ca 1 Tag alt und nicht infiziert. Der Patient hatte sie zuhause anfangs mit Leitungswasser gekühlt und mit einem Hautdesinfektionsmittel besprüht. Der Arzt behandelt die Wunde mit einem desinfizierenden Brandgel und legt einen Silikon-Schaumverband auf, der – solange weder Rötung, Schmerz oder Schwellung … auftreten – für 2-3 Tage verbleiben kann und der Wunde Ruhe zur Heilung läßt. Eine prophylaktische Antibiotikagabe erfolgt nicht!
Grundsätzlich gilt bei jeder Wundversorgung:
– Eigenschutz durch Handschuhe und
– möglichst gute Selbsthygiene, um die Wunde so gut es geht vor Verunreinigung und Infizierung zu schützen.
Entsprechende keimreduzierende Flüssigseifen gibt es in der Apotheke und sind für jeden Prepper empfehlenswert. Man kann mit ihnen auch sehr gut Wunden reinigen zB Tierbisse, Dornenstiche…
UND es gibt sogar Shampoo-Hauben für die Haare (desinfizierende Einmalwaschauben), die ohne Wasser auskommen. Nur so nebenbei ewähnt.
– auch in einem SHTF Szenario ist das sterile Arbeiten an der Wunde ein Überlebensfaktor für den Betroffenen. Tips hierzu:
– aseptische (= nicht infizierte) Wunden werden vor (infizierten) septischen Wunden versorgt
– der bestehende Verband wird mit unsterilen Handschuhen entfernt, und auf Durchfeuchtung, Blut, Eiterablagerung und die Wunde selbst auch hinsichtlich der fünf Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerzen, Überwärmung und Funktionseinschränkung) sowie Wundheilungsstörungen inspiziert, dann werden die Handschuhe möglichst übergestülpt und das Material im Abwurf entsorgt.
Für die weitere Wundpflege möglichst steril und mit sterilen Handschuhen arbeiten und sich die nötigen Dinge steril von einem Helfer reichen lassen. Der Helfer kann zB auch das betroffene Körperteil hochhalten und einem das Arbeiten erleichtern.
– die Pflegeperson darf sich nicht nah über die Wunde beugen oder direkt über ihr sprechen. Ein Mundschutz ist angebracht.
– die Wundreinigung erfolgt bei aseptischen Wunden von innen nach außen und
bei septischen Wunden von außen nach innen.
Wischt man zB mit einem sterilen Tuch in einem kreisförmigen Zug von innen nach aussen, darf dieses Tuch kein zweitesmal an die Wunde angesetzt werden. Auch nicht in einem SHTF Szenario. Würde man das tun, dann kann man die ganze Versorgung auch gleich bleiben lassen. Besser zuerst die Wunde ausgiebig berührungslos spülen und dann bei Materialknappheit einmal zum Schluß steril über die Wunde wischen.
Als Spül- und Desinfektionslösungen (mit denen man auch verklebte Verbände lösen kann) werden genannt:
1. Wahl: Ringer-Lösung (Apotheke) mit allen im Körper vorkommenden Elektrolyten inklusive Kalium und Calcium, die bei der physiologischen Kochsalzlösung fehlen
2. Lavasept® hat ein breites Wirkungsspektrum gegen Bakterien und Pilze, ist hypoallergen und stört das Zellwachstum nicht
3. Octenisept® ist ein farbloses wässriges Desinfektionsmittel für oberflächliche Wunden und Schleimhäute, es stört die Wundbeobachtung nicht und kann 1:1verdünnt werden. Ist aber leicht giftig für die Zellen. Vorsicht, es gibt auch eine alkoholhaltige Variante mit roter Verschlußkappe, die ist hier nicht gemeint.
Die links im Folgenden sind zwar auf englisch, aber führen zu einer Vielzahl von profesionellen Lehrvideos  meist in englischer Sprache, die man sich zumindest ansehen kann und die oft sehr anschaulich gestaltet sind.
Videos auf deutsch sind selten, was ich sehr schade finde, aber medizinisches Wissen wird hier bei weitem mehr als z.B.  in den USA  als „Geheimwissen“ behandelt, wahrscheinlich aus Angst, falsche / ungenügende Informationen zu verbreiten und die Menschen in der Selbstbehandlung zu ermuntern, was immer die Gefahr birgt, nicht rechtzeitig professionelle Hilfe aufzusuchen und die Situation zu verschlimmern!
Mein dringender Rat ist an dieser Stelle: solange wir den Luxus einer high tech Medizin und Zugang zu gut ausgebildeten Ärzten zur Verfügung haben, sollten wir das nutzen und weder uns noch andere unnötig durch laienhaftes Handeln in Gefahr bringen. Doch alles Wissen und alle medizinischen Kenntnisse,  die man sich jetzt aneignet, können im SHTF Fall nützlich werden. Insbesondere auch in der Assistenz von medizinischem Fachpersonal.
Interaktive Wundtherapeutika: bitte immer vor Anwendung die zugehörige und den Produkten beiliegende Fachinformation studieren! Hier kann ich nur einen Überblick/Ausschnitt über die  gegenwärtig häufig benutzten Produkte geben, mehr nicht! Als Ausgangspunkt für eigene Recherchen  zu diesem Thema.
Hydrokolloide binden Wundsekret  gut an Quellsubstanzen
Calcium-Alginate binden Wundsekret an Alginate, gelieren und bleiben damit gut in der Wundregion.
Silberimprägnierte Aktivkohle bei infizierten Wunden bindet Gerüche (die Nebenwirkung von Silber beachten)
Hydropolymere Schaumstoffverbände: erlauben Verdunstung von Wundsekret, ohne dass das Wundbett austrocknet (Heilung braucht eine gewisse Feuchte!) und polstern die Wunde.
Hydrofaser = Carboxymethylzellulose (Aquacel® , ConvaTec) sehr saugfähig bei viel Sekretbildung, aber nicht einsetzen bei trockenen Wunden. Die brauchen Hydrogele zur Befeuchtung.
Gaze – und Silikonauflagen: ermöglichen aufgrund ihrer geringen Haftung einen atraumatischen Verbandwechsel.
Polyacrylatkissen Tender Wet®: besitzt einen Polyacrylat-Kern mit Spül-Saugwirkung, dieser kann z.B. förderliche Ringer-Spüllösung speichern und nach und nach an die Wunde abgeben. Das Kissen nimmt andererseits aber auch leicht das eiweißhaltige Wundsekret auf.
Semipermeable (halbdurchlässige) Wundfolien: ermöglichen durch ihre Transparenz gute Wundbeobachtung ohne Verbandwechsel, schützen die Wunde vor eindringenden Keimen und sind wasserdicht, können jedoch kein Wundsekret aufnehmen.
Sorbact® ist einseitig mit Fettsäureester beschichtet, die wasserabweisende Oberfläche zieht die ebenfalls wasserabweisende Oberfläche von Bakterien und Pilzen an und sorgt somit für eine guteWundreinigung. Eine weitere Schicht kann Wundsekret aufsaugen.
Promogran® bindet Enzyme, die bei Wundsekretansammlung infolge von Wundheilungsstörungen wichtige Wachstumsfaktoren inaktivieren würden und sorgt für eine feuchtes Wundmilieu
Suprasorb C®  der hydroaktive Kollagenschwamm bindet Wundsekret, reinigt die Wunde und fördert die Granulation und Epithelisierung
Integra®  zeitweiliges Hautersatzprodukt mit einer die Zellneubildung fördernden quervernetzten Rinderkollagenschicht und einer Hautersatzschicht aus Silikon. Sie dient der Hautregeneration; nach der Bildung neuer Haut kann die Silikonschicht entfernt werden

Dexpanthenol:  fördert Zellwachstum und Epithelisierung  (insbesondere das Abheilen von Narben), lindert Juckreiz und Spannungsgefühle der frischen Narbe.

Prontosan W® (Johnson & Johnson):  enthält Polihexanid zur Wundreinigung, wird unverdünnt angewandt, sorgt für eine feuchte Wundbehandlung, ist gut gewebeverträglich.
Hyaluronsäure: ein natürlicher körpereigener Stoff, sorgt als steriles Granulat für eine feuchte Wundbehandlung und fördert das  Zellwachstum
Für eine effektive Wundheilung ist es notwendig, den Wundbelag (eine Mischung aus
Zelltrümmern, verdickten Fibrinbelägem, Keimem, nekrotischem Gewebe und Wundsekretresten)  durch lokale Wundspülung sorgfältig zu entfernen.
Erst danach kann ein phasengerechter Wundverband seine Funktion erfüllen und die Wunde schnell heilen.
Wird eine Wunde feucht gehalten, können Zellen besser wandern und werden vor dem Austrocknen bewahrt, was ansonsten zum Absterben führen würde. Feucht gehalten nehmen die Schmerzen rascher ab und die Heilung, besonders die Epithelwanderung, ist deutlich beschleunigt.
Nicht mehr zu verwendende Wundtherapeutika:
Bitte nie Mehl, Puder, Vaseline, Zahnpasta, Kohlblätter und derartige Hausmittel auf eine Wunde geben.
Salben und Pasten schaffen kein feuchtes Wundmilieu und können nur schwer wieder entfernt werden (erschwerte Wundreinigung, wobei die starke Wundmanipulation die Zellneubildung stört)
enzymhaltige Salben (z.B. Iruxol) greifen die Wundränder an und können zu Allergien führen
farbstoffhaltige Lösungen wie Povidon, Iod, Rivanol, Kristallviolett, Brilliantgrün verfärben die Wunde, verhindern die Wundanalyse aufgrund der Verfärbung und stören zum Teil die Wundheilung, infolge von Austrocknung und Allergisierung.
Honig wurde früher zur Wundbehandlung eingesetzt, weil der Zucker die Flüssigkeit aus den Bakterien zieht. Rechtlich betrachtet ist Honig aber kein zugelassenes Wundtherapeutikum. Allerdings gibt es auf Honig basierende zugelassene Gele.
Mehr zur alternativen Wundbehandlungen, wenn sonst nichts anderes verfügbar sein sollte, folgt.

 

 

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