SHTF: Erste Hilfe bei Verbrennungen Teil 2

Im ersten Teil hatte ich darauf hingewiesen, daß in einem SHTF Szenario, das Risiko für Verbrennungen relativ hoch ist, meines Erachtens sogar höher als für irgendeine andere Verletzungsart, u.a., da viele Menschen im Umgang mit offenem Feuer nicht mehr geübt sind.

Und ich bin auf die mit einer Verbrennung einhergehenden Schäden eingegangen, die nicht nur lebenslange Beeinträchtigungen hervorrufen können, sondern auch dazu führen, daß 30% der Schwerbrandverletzten selbst unter den heutigen medizinischen high-tech. Bedingungen  (siehe auch  hier),  versterben (Zuschwellende Atemwege, Multiorganversagen, Infektionen, Ödeme behindern die Durchblutung innerer Organe … ) und der Rest eine jahrelange Nachsorge, oft mit vielen Folgeoperationen brauchen.

Daher ist die erste und wichtigste Empfehlung: Feuerlöscher, am Besten mit verschiedenen Inhaltsstoffen und Größen, Löschdecken, Brandmelder, ggf. Brandwachen am nächtlichen Feuer, Schutzhandschuhe, ggf. Atemschutzmasken (wobei eigentlich nur Masken mit Sauerstoffflaschen sinnvoll sind) , Übung und Vorsicht im Umgang mit Feuer, Beachtung des Brennverhaltens von Woll- und Kunststoffbekleidung, Kenntnis über den Umgang mit Säuren/Laugen und Kenntnisse über die Gefährdung durch stromführende Leitungen sind das aller aller Wichtigste. Vermeidung, Vermeidung, Vermeidung von Brandverletzungen !!!

Disclaimer und Haftungsauschluß entnehmt bitte den vorhergenden Artikeln der SHTF Reihe. Ich schließe jegliche Haftung und Verantwortung für die hier eingestellten Informationen und Handlungsfolgen aus und gebe keinen medizinischen Rat, sondern stelle nur freiverfügbare Infomationen zusammen. Meine Beiträge ersetzen weder Arzt noch fachliches Training. Bitte wendet Euch hierzu an die entsprechenden med. Fachleute.

Wenn es nun aber doch einmal passiert ist, welche Handlungsanweisungen geben die gegenwärtig in Prüfung befindlichen Leitlinien?

1. Rettung des Betroffenen aus der Gefahrenzone unter bzw. nur bei gegebenem  ausreichendem Selbstschutz,
2. die Überprüfung und Sicherung der Vitalfunktionen: an erster Stelle die Atmung, da der Puls evtl nicht spürbar, aber trotzdem vorhanden sein kann und durch das lange Suchen ggf. wertvolle Beatmungszeit verloren geht.
Bei Bewußtlosigkeit und Atmung: den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen.
Fehlt die Atmung oder ist sie abnormal ist eine Reanimation mittels Herzdruckmassage und Beatmung erforderlich.
Ist der Verletzte bei Bewußtsein, was die meisten Brandverletzten sind, empfiehlt sich ggf. ein leichtes Hochlagern der Beine zur Kreislaufstabilisierung oder andere geeignete Lagerung . Wichtig ist, nichts gegen den Widerstand des Betroffenen durchsetzen zu wollen, denn man weiß nicht, was der Verletzte sonst noch hat. Es gilt; der Verletzte hat „immer“ recht.
Anschaulich ein realer mir bekannter Vorfall aus einem Provinzkrankenhaus, der wie ein Witz klingt: ein Patient, der wegen einer kleineren Operation dort weilte, wurde von einer engagierten Schwester begrüßt: Guten Morgen, Sie dürfen jetzt einmal aufstehen und mit mir ins Bad gehen! Der Patient: Ich kann nicht aufstehen. Die Schwester: natürlich können Sie das, ich helfe Ihnen… und so ging das eine Weile hin und her, die Schwester wurde langsam ungehalten. Bis zuletzt der Patient sagte: Gute Frau, ich kann nicht aufstehen, ich bin querschnittsgelähmt.
3. Parallel sollte die Ersteinschätzung der thermischen Verletzung hinsichtlich Ausmaß und Tiefe, sowie möglicher vorhandener Begleitverletzungen erfolgen. Beachte: meist wird selbst von Medizinern anfänglich die Verletzungstiefe der Brandwunde unterschätzt.
Für die Einschätzung des flächenhaften Ausmaßes der Brandverletzung = VKOF = verbrannte Körperoberfläche  gibt es z.B. die 9 er Regel:
die doppelten Zahlen zB 18 + 18 gelten für vorne = 18% und hinten = 18%, dh der gesamte Rumpf macht eine Oberfläche von 36% an der gesamten Körperoberfläche aus.
Die Handfläche des Betroffenen entspricht ca 1% seiner Körperoberfläche.
Auch das kann hilfreich für die Abschätzung sein.
Bei Kindern ist der Kopf im Verhältnis zum Körper größer und wird meist mit 18% gerechnet. Bei einem Erwachsenen mit 9%.
Quelle (Übrigens findet man dort auch eine sehr gute Zusammenstellung sämtlicher typischen Notfälle und Ersthelfer Maßnahmen) hier:  Pharmazeutische Zeitung
4. Neben der Einleitung einer adäquaten Volumentherapie (intravenöse 0,9% NaCl-Flüssigkeitsgabe von nicht mehr als 1000 ml bis zum Eintreffen in der Spezialklinik) und
5. Schmerzmittelgabe ist besonders
6. bei Kühlung betroffener Areale (manche Ersthelfer sind evtl. nicht auf aktuellem Wissenstand und haben unnötig bereits stark und großflächige Kühlung unternommen, oder die Außentemperatur ist niedrig z.B. Regen im Winter und brennendes KFZ oder der Verletzte kam in Kontakt mit kaltem Löschwasser der Feuerwehr…)
7. auf den Erhalt der Körperkerntemperatur des Patienten zu achten. D.h. Schutz vor Auskühlung ist eine sehr wichtige Maßnahme. Meist wird empfohlen, nur bei kleinflächigen Verbrennungen in den ersten 15 Minuten mit klarem Wasser um die 20°C zu kühlen.
8. Frühzeitig ist der Transport in eine spezialisierte Klinik  zu organisieren.
Einen sehenswerten medizinischen Fachvortrag von Dr. Metnitz mit sehr anschaulichen Bildern für Notärzte findet man hier.
Das Fazit daraus ist: unter derzeitigen guten Umständen nur das Allernotwendigste tun, die Kleidung am Verletzten belassen, Wunden nur steril abdecken, keine komplizierten Verbände anlegen, keine Salben oder Hausmittel auftragen … und den Betroffenen schnellstmöglich (unter 30 Minuten bis maximal 6 Stunden in Fällen von Abgeschiedenheit laut WHO) in eine spezialisierte Klinik verbringen.
Nach diesem Vortrag weiß man, daß die Aussichten relevante Brandverletzungen (10% VKOF bei Kindern und 15% VKOF = verbrannte Körperoberfläche bei Erwachsenen mit Verbrennungen Grad2 ) in einem SHTF Szenario ohne Hospitalisierung zu überleben nicht gerade rosig sind siehe: Wohnungsbrand und Rauchgasvergiftung .
Das Gleiche gilt für Brandverletzungen, die ohne Unterbrechung einmal im Kreis herum um ein Körperteil verlaufen.

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