Sehr geehrte Frau Momo,….mit freundlichen Grüßen, Ihre Zeitsparkasse

Ich weiß nicht, wie es euch, den Bloglesern geht, oder wie alt ihr seid, aber erinnert ihr euch an Michael Endes Buch „Momo“? Oder an den Film? Der wurde auch einmal in der Kinderserie „Lemmi und die Schmöker„vorgestellt….leider im Link ohne Ton, aber für alle, die einmal Nostalgie schnuppern wollen.

Wenn man als Kind oder Jugendlicher also  Momo  gelesen oder gesehen hat, erschien einem die Vorstellung einer Zeitsparkasse und deren  Graue Herren  so absurd wie jemandem im 19. Jahrhundert die Ankündigung, daß einmal  Fluggeräte aus Metall existieren würden, die viele hundert Menschen routinemäßig um die Welt transportieren. Wer könne so dumm sein, eine Zeitsparkasse zu eröffnen? Wer wäre so dumm, darin was einzuzahlen? Völlig verrückt. Damals war man sehr naiv.

In immer mehr Firmen gibt es schon seit mehreren Jahren „Lebensarbeitszeitkonten“, die aus der wirtschaftlichen „Not“ der unabbaubar angehäuften Überstunden entstanden sind. Also anstatt das strukturelle Problem anzugehen, war es letztlich einfacher, das Problem weiterzuschieben, nämlich erstens an diejenige Abteilung, die zu gegebener Zeit mit dem Ausfall des Mitarbeiters dann zu kämpfen hat UND zweitens in der Zeit, also durch Verschiebung in die Zukunft. Vielleicht auch in der Hoffnung, wenn der Boomerang des Zeitkontos einmal zurückschlägt, bin ich als Verantwortlicher hoffentlich nicht mehr da. Hauptsache meine Bilanz ist JETZT hübsch für meine CEO’s und meine shareholder.

Und nun wird dieses Firmenmodell ausgeweitet, politisch abgesegnet und zur Norm erhoben. Man lese: https://www.freenet.de/nachrichten/topnews/bericht-union-plant-arbeitszeitkonten-fuer-familien_6188124_4702792.html

Die Union will Familien einem Bericht im Focus zufolge mit der Einführung von Arbeitszeitkonten eine flexiblere Zeitgestaltung ermöglichen.

Auf den neuen Familienzeitkonten solle – ähnlich wie bei einem Girokonto – Arbeitszeit angespart und bei Bedarf abgebucht werden können, berichtete das Magazin „Focus“ am Freitag.

Mit der angesparten Zeit sollten Familien die Chance für Elternzeit, Weiterbildung oder Sabbaticals erhalten.

Ein neues digitales Bürgerportal solle Daten aus gesetzlichen Zeitguthaben wie Elternzeit, Familienpflegezeit mit Tarif-Leistungen wie Urlaub zusammenführen, hieß es in dem Bericht weiter.

Ob Familienzeitkonten am Ende beim Finanzamt, bei der Rentenversicherung oder anderswo verwaltet würden, sei noch offen.

Die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz (CDU), zeigte sich optimistisch, dass Familienzeitkonten nach der Bundestagswahl zügig eingeführt werden könnten. Familien bräuchten „mehr zeitliche Spielräume und wirtschaftliche Stabilität“, sagte Widmann-Mauz dem „Focus„.

Mit „starren Arbeitszeitkorridoren“ würden Eltern bevormundet, sagte die Abgeordnete. „Wir wollen ihnen mehr individuelle Flexibilität ermöglichen – von der Geburt der Kinder bis zur Pflege ihrer Eltern.“

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßte die Pläne. Diese seien angesichts des aktuellen Fachkräftemangels eine gute Möglichkeit zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung, hieß es laut „Focus“ beim ZDH. Allerdings dürfe es keine starren Regeln geben, um gerade kleine und mittelgroße Betriebe nicht zu benachteiligen.

So, da bleibt einem ersteinmal die Spucke weg. Verbrämt als familienfreundliche Maßnahme feiert big brother seinen neuesten Coup!! Wo will man unsere Zeit VERWALTEN? Bei dem Finanzamt und damit auch dem Zoll (ja, gehören zusammen!) als dem Inbegriff der wirtschaftlichen Freiheit (Spässle g’macht) ? Oder bei der Rentenversicherung, die unsere unproduktiven Lebensanteile verwaltet? Man weiß also nicht, ob man diese Zeit der Verwaltung unserer Produktivität oder unserer  Unproduktivität zuordnen soll. Sinn für Humor hat man ja in den Polit-kellern und grauen Verwaltungshirnen sonst nicht so, aber vielleicht handelt es sich auch nur um ungewollte Situationskomik.

Oder vielleicht lagert man die Verwaltung gleich aus an private Firmen, wie unsere Gesundheitsdaten. Das ging ja nun ohne nennenswerte Gegenwehr.

Das wäre überhaupt das Gescheiteste und Ökonomischte. Man stelle sich vor, jemand hat 150 Überstunden angesammelt oder besser 800, was ja nicht so selten ist in manchen Sparten, dann kann die verwaltende Firma sehen, wo und was jemand für wieviel arbeitet. Wieviele Kinder in welchem Alter da sind usw. Und dann schickt einem die Firma zu passender Gelegenheit je nach Wert, maßgeschneiderte Urlaubsangebote an das Streichelphone, oder die Öffnungszeiten des Funparks um die Ecke mit einem kleinen Gutschein, oder das Angebot für eine Tauchausrüstung, oder die Werbung für ein Facelifting, denn man hat ja jetzt Zeit sich ein paar Tage Kosmetik zu gönnen. Die Verwaltungsfirma könnte aufgrund ihrer extrem begehrten Datenbank inert kürzester Zeit zum Börsenstar avancieren. Wenn die Firma dann noch die Staatshand mit in ihren Aufsichtsrat nimmt, wie bei unseren unabhängigen Rundfunk- und Fernsehanstalten, dann dürfte der Erfolgsstory nichts mehr im Wege stehen.

Und warum jammert eigentlich dieser Handwerksverband von Fachkräftemangel? Haben wir nicht in den letzten Jahren hunderttausende ausländische hoch motivierte Fachkräfte in Deutschland „geschenkt bekommen“? Die ersten dieser Hochbegabten, die bereits 2012  hier ankamen, sollten doch nun längst ihre Ausbildungszeit von 3 Jahren in den Handwerksberufen hinter sich gebracht haben und hervorragende Prüfungsabschlüsse in großer Zahl vorweisen können?! Oder vielleicht bin ich nur naiv, zu glauben, daß die vielen ausländischen Hochbegabten ihre Hochschulkarriere aufgeben, um in deutsches Handwerk zu gehen.

Wie dem auch sei. Ich frage mich auch, was die genannte wirtschaftliche Stabilität für/bei Familien mit der Arbeitszeitverwaltung zu tun haben könnte. Ich grüble…  Ich sehe nur, daß Humankapital firmenoptimierter in der Zeit verschoben werden kann, daß Sozialkassen sich entlasten können und Behörden /Lizenz-Agenturen noch mehr Daten barrierefrei zusammenführen können.

Und ja sicher, wir wissen, wer wieder Schlandkanzlerette werden wird und daß es so richtig rund gehen wird, wenn erst dieser lästige und unnötige Wahlkampf vorbei ist. Daher investiert in Zigarren für den Besuch der Grauen Herren bei euch. Die Rendite wird unschlagbar.

 

 

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