Update Georgensgmünd – ein „Reichsbürger“ – zwei „Reichsbürger“ – drei „Reichsbürger“

Nun wurden laut faz.net zwei  hochrangige Polizisten vom Dienst suspendiert, die mit dem Todesschützen im Vorfeld des Ereignisses über die Sozialen Medien aktiv in Kontakt standen. Ich bin jedoch skeptisch, ob die Schlußfolgerung der faz die einzige mögliche ist. Ich setze jetzt meinen Aluhut auf und spekuliere, um der Suppe etwas Salz hinzuzufügen:

Wie sicher fühlten sich die Polizisten, daß sie verbotene Gegenstände zuhause aufbewahrten?  Dummheit kann es ja nicht sein, oder doch? Und für die Schreckschußwaffe wird wohl ein kleiner Waffenschein vorhanden sein und nicht jedes angebliche Wurfmesser ist verboten. Daß der Wurfstern ein verbotener Gegenstand ist, ist relativ eindeutig.

Die faz resumiert, die Polizei sei von Reichsbürgern unterwandert und habe daher den Waffenbesitzer über interne Vorgänge, die ihn betrafen, informiert.

Was wäre aber, wenn die Polizisten diesem Mann eine absichtliche Falle gestellt haben? Eben damit er sich vorbereiten und Schaden anrichten konnte? Hat man dafür auch ältere Polizisten gewählt, die womöglich gerne in den Vorruhestand gehen? Um diese Möglichkeit weiter in Betracht zu ziehen, muß unbedingt der Verfahrensverlauf, das Urteil und die Umsetzung des Urteils weiter kritisch beobachtet werden.

Hier der faz.net Artikel:

Am Tatort in Georgensgmünd: Der Todesschütze war auf den Zugriff des Spezialeinsatzkommandos vorbereitet.

Im Fall des selbsternannten „Reichsbürgers“, der im Oktober in Georgensgmünd einen Polizisten erschoss, ist für die Ermittler ein Albtraum bittere Wahrheit geworden: Der Todesschütze Wolfgang P. stand vor der Tat in Kontakt mit zwei Polizeibeamten. Zwar gab es am Mittwoch keine Hinweise darauf, dass P. unmittelbar vor dem Zugriff gewarnt wurde. Doch was am Nachmittag auf einer Pressekonferenz von Polizeiführung und Staatsanwaltschaft vorgetragen wurde, reichte, um in einen Abgrund an Polizeiverrat zu blicken. Die beiden Polizisten tauschten sich nicht nur über eine Gruppe in „WhatsApp“ mit P. aus; einer von ihnen forschte in Polizeicomputern im August auch nach Informationen über P. und teilte ihm das Ergebnis mit.

Albert Schäffer Autor: Albert Schäffer, Politischer Korrespondent in München. Folgen:

„Entsetzt“ sei er über die Verstrickung der beiden Beamten, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch – es dürfte noch eine milde Formulierung sein. Es war seit Beginn der Ermittlungen auffällig gewesen, in welcher Weise P. auf den Zugriff des Spezialeinsatzkommandos vorbereitet war, das Waffen bei ihm sicherstellen sollte. Er trug eine Schutzweste und eröffnete sofort durch eine geschlossene Tür das Feuer auf die Beamten, als diese sein Haus betraten. Einer der Beamten erlag im Krankenhaus seinen schwersten Schussverletzungen.
Quälende Fragen

In den weiteren Ermittlungen werden sich noch quälende Fragen für die Polizei stellen. Denn die Auswertungen der Protokolle des Chats in „WhatsApp“ zwischen den beiden Polizisten und P. hat am Mittwoch erst begonnen.

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Beide Beamte, ein 49 Jahre alter Oberkommissar und ein 50 Jahre alter Hauptkommissar, sind vorläufig vom Dienst suspendiert worden. Ihre Wohn- und Diensträume wurden am Mittwoch durchsucht, in einem Fall mit einem niederschmetternden Ergebnis: es wurden Wurfsterne, ein Wurfmesser und eine Schreckschusswaffe sichergestellt – allesamt verbotene Gegenstände. Der Oberkommissar, der in den Polizeicomputern für P. nachgeforscht hat, wird inzwischen wegen des Verdacht der Verletzung des Dienstgeheimnisses als Beschuldigter geführt; der Hauptkommissar gilt noch als Zeuge. Nähere Angaben zu ihnen machte die Polizei am Mittwoch nicht, insbesondere nicht darüber, wo sie eingesetzt waren.

P., mit dem sie den Kontakt pflegten, war in der „Reichsbürgerbewegung“, die die Existenz der Bundesrepublik leugnet, alles andere als ein bloßer Mitläufer. Er trat wiederholt gegen Gerichtsvollzieher und Polizisten militant auf. Seine Chatpartner mussten wissen, mit wem sie sich einließen. Ob es über den Chat hinaus Begegnungen mit ihm gab, wird noch ermittelt.

Die beiden suspendierten Polizisten sind nicht die einzigen, die im Verdacht der Nähe zur „Reichsbürgerbewegung“ stehen; in mehreren Bundesländern wird gegen Beamte disziplinarisch ermittelt. In Bayern gehört zu ihnen sogar ein leitender Beamter, der bis zu diesem Frühjahr am Fortbildungsinstitut der bayerischen Polizei in Ainring tätig war. Er war seinen Vorgesetzten schon länger wegen Äußerungen aufgefallen, in denen er die Gültigkeit der deutschen Gesetze bezweifelte….

http://www.faz.net/aktuell/politik/reichsbuerger-in-bayern-ein-abgrund-an-polizeiverrat-14541463.html

Ein Spiegelbericht von 2012 thematisiert ebenfalls das Durchsickern von Informationen zu kriminellen Banden aus der Polizei:
 Manchmal aber ist es gar nicht das Geld, das Polizisten plaudern lässt. Ahmet K., 24, arbeitete bei der 13. Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei, doch zu seinen Freunden aus dem Wedding zählte eben auch der Hells Angel Muzaffer A., 24. Sie kannten sich schon lange, sie kannten sich gut, weshalb Ahmet sich seinem „Bruder“ verpflichtet fühlte: „Vielleicht komme ich heute Abend mit meinen Freunden vorbei“, schrieb der Polizeimeister seinem Kumpel per SMS vor einer Razzia. 
oder:

Vor allem bei Kraft- und Kampfsport kämen sich Gang-Mitglieder und manche Beamte zuweilen näher. Viele teilten zudem eine ähnliche Lebenseinstellung, die geprägt sei von einem draufgängerischen Abenteurertum, von Männerbünden und Korpsgeist. „Da kommt es schon einmal zu falschen Freundschaften“, so der Kriminalrat.

Und manchmal werden aus Ordnungshütern sogar Outlaws – wie in dem Fall des Berliners Thorsten S. oder des Streifenbeamten Timm K. aus Detmold. Letzterer träumte nach einer Banklehre und einer Ausbildung bei der Polizei jahrelang davon, einem Spezialeinsatzkommando anzugehören, er trainierte hart, doch letztlich reichte es nicht. Am Ende brach er mit der Rechtsstaat – und landete bei den Rockern.

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