Doomsday Samenbank und Bibliothek in Norwegen und der Barbarastollen in Deutschland

Hinweis: wer sich eher für den deutschen Bergungsort interessiert, wird weiter unten im Artikel fündig.

https://i1.wp.com/mysteriousuniverse.org/wp-content/uploads/2017/04/vault1.jpg

Bildquelle

Intensiv-Prepper kennen diese 2008 gebaute halbstaatliche Einrichtung jenseits des Polarkreises bei Spitzbergen sicher:  https://de.wikipedia.org/wiki/Svalbard_Global_Seed_Vault

Es ist die globale Bunkeranlage für den Fall der Fälle einer großen Katastrophe, vom Anstieg des Meeresspiegels (der Bunker liegt in 130 m Höhe) bis Atomkrieg und Flugzeugabsturz, die das Wissen der Menschheit und die Überlebensgrundlage, eine vielfältige (Nutz-)Pflanzenwelt, sichern soll. Die 21 wichtigsten Nutzpflanzen-Arten und ihre Sorten werden dort treuhänderisch eingelagert, als quasi back-up für andere nationale Saatgut-Banken, die das Saatgut regelmäßig durch Weitervermehrung erneuern. Wer Interesse an einer Einlagerung oder ein generelles Informationsbedürfnis (was von wem wann eingelagert wurde) hat, kann sich hier: https://www.nordgen.org/sgsv/   informieren.

Der 120m lange Bunker mit drei 6m hohen Hallen wurde auf Grundlage eines alten Kohlebergwerks gebaut und brachte aufgrund der extremen Bedingungen so einige Tücken mit sich. Verliefen die ersten Jahre der ausschließlich fernüberwachten Anlage ohne Vorkommnisse, tauten 2015 Teile des Permafrostbodens und Wasser drang ein. Der Bunker mußte mit Pumpen und Drainagen nachgerüstet werden, denn daran hatte man nicht gedacht, obwohl bereits 2008 ein Tauereignis  die Statik gefährdet und den Stahlmantel verzogen hatte.

Die Bau- und Betriebskosten belaufen sich laut der Wochenzeitung DIE ZEIT (und Wikipedia) auf rund 45 Millionen US-Dollar, die zum Großteil von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung mit 37,5 Millionen US-Dollar getragen werden. Die Rockefeller Foundation beteiligte sich ebenfalls mit einem beträchtlichen Anteil an dem Projekt. Weitere 7,5 Millionen US-Dollar gab Norwegen für den Bau der Anlage dazu. Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf rund 250.000 Euro und werden von der norwegischenn Regierung getragen (https://www.regjeringen.no/en/aktuelt/ny-film-om-svalbard-globale-frohvelv/id2473113/). Eine tägliche Zusammenarbeit erfolgt mit dem Nordic Gene Resource Centre und dem Global Crop Diversity Trust.

Gekühlt auf -18° C (bei Stromausfall hält der Permafrostboden die Temperatur bei min. -3,5°C) behalten die Samen ihre Keimfähigkeit zwischen 50 (Sonnenblume) und 10.000 Jahren (Erbse).

Am 21. 09. 2015 wurde erstmals die Rückführung von Samenproben aus dem Svalbard Global Seed Vault vom Internationalen Zentrum für landwirtschaftliche Forschung in Trockengebieten (ICARDA) in Aleppo, Syrien, (Marokko und Libanon) angefragt.

Einen kleinen Informationsfilm über den Bunker und den kleinen Ort 1000 km vom Nordpol entfernt, findet man hier (auf CC klicken und man erhält englische Untertitel): https://www.regjeringen.no/en/aktuelt/ny-film-om-svalbard-globale-frohvelv/id2473113/

Zu der Saatgut-Bank ist nun eine Wissensdatenbank hinzugekommen. http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-04/arctic-world-archive-spitzbergen-datenspeicherung-piql/komplettansicht

Initiiert vom norwegische Unternehmen Piql. Der Projektleiter Rune Bjerkestrand von Piql sieht die Sache pragmatisch: „Festplatten, CDs, Flashspeicher – all diese Speichermedien haben eine vergleichsweise kurze Lebensdauer.“ (harddrives z.B. nur 3 Jahre) Zudem werde Hardware immer schneller obsolet, weshalb Daten immer wieder neu kopiert werden müssen. Das koste Zeit, Geld und sei anfällig für Fehler. Die mutmaßliche Lösung: Einmal im Permafrost eingelagert und bis zu 1.000 Jahren Ruhe. Allerdings nur, wenn man die Daten, insbesondere digitale Daten auf analoge Filmrollen transferiert.

The future of storage? Quelle

Wie das genau geht, steht im verlinkten Zeit-Artikel, der so ganz nebenbei auch darauf hinweist, daß gemessen am aktuellen Weltgeschehen die norwegische Regierung als relativ stabil gilt (ja, ein Schelm, wer sich dabei jetzt etwas denkt).

In Deutschland macht man das mit den analogen Filmrollen bereits seit Jahrzehnten, nämlich im Barbarastollen im Schwarzwald !

Unauffällig und unscheinbar - das Stollen-MundlochQuelle

Kulturell wertvolle Dokumente und Fotografien in Form von Filmrollen, deren Archivierung NICHT für die Öffentlichkeit bestimmt sind (!) werden dort eingelagert. In 1.400 Behältern sollen 880 Millionen Archivseiten dort schlummern, so daß es das größte Langzeitarchiv in Europa ist.

http://www.bbk.bund.de/DE/AufgabenundAusstattung/Kulturgutschutz/ZentralerBergungsort/zentralerbergungsort_node.html

Dieser Stollen steht als einziges Objekt in der Bundesrepublik Deutschland unter Sonderschutz nach den Regeln der Haager Konvention.

Dies wird durch das dreifach angeordnete blauweiße Kulturgutschutzzeichen am Stolleneingang kenntlich gemacht (vergleiche Artikel 8 und 17 der Haager Konvention).

Blau weißes Kulturgutkennzeichen dreifach in Dreieckanordnung wiederholt, wobei sich ein Schild unten in der Mitte befindet.

Mit Wirkung vom 22. April 1978 ist der Barbara-Stollen in das Internationale Register der Objekte unter Sonderschutz bei der UNESCO in Paris eingetragen worden. Diesen Rang im Kulturgutschutz genießt in Europa  nur noch die Zentralbibliothek von Sarajewo.

Zur Zeit sind 1.500 Edelstahlbehälter eingelagert, die mit den seit 1961 gefertigten Sicherungsfilmen befüllt sind. In diesen luftdichten Behältnissen wird durch vorherige Klimatisierung ein staub- und schadstofffreies Mikroklima von 35 % relativer Luftfeuchte und 10° C erzeugt. Unter diesen Bedingungen ist das Filmmaterial für mindestens 500 Jahre ohne Informationsverlust lagerfähig. Bisher wurden ca. 31,2 Millionen Meter Mikrofilm (über 998 Millionen Aufnahmen) hergestellt und eingelagert. Darin enthalten sind 8,2 Millionen Meter (rund 244 Millionen Aufnahmen) aus dem Archiv der ehemaligen DDR. Über die Einlagerungsbedingungen liest man:

„Einige Beispiele für bereits verfilmte und eingelagerte kulturell relevante Archivalien sind etwa die Krönungsurkunde Ottos des Großen von 936, die „Goldene Bulle“ von 1356, die Bannandrohungsbulle von Papst Leo X gegen Martin Luther vom 15. Juni 1520, die Baupläne des Kölner Doms oder der Vertragstext des Westfälischen Friedens vom 24. Oktober 1648. Die Auswahl der zu verfilmenden Dokumente und deren Zuordnung zu einer der Dringlichkeitsstufen erfolgt durch die Archivverwaltungen von Bund und Ländern. Hierbei darf es sich ausnahmslos um Archivgut mit Unikatswert und besonderer Aussagekraft zur deutschen Geschichte und Kultur handeln. Die Auswahlkriterien dafür sind von Bund und Ländern gemeinsam festgelegt worden. In der Fachwelt ist das beschriebene Auswahlverfahren keineswegs unumstritten. Private, kirchliche und andere nicht-staatliche Archive und Bestände – und seien sie kulturell noch so wertvoll – bleiben aussen vor.“

Einen Flyer zum Barbarastollen hier: http://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/BBK/DE/Publikationen/Broschueren_Flyer/Flyer_Barbarastollen.html;jsessionid=9B5F9B22B5B497481B91EA595071D3EC.2_cid345

und sehr interessant zu lesen über den „ZENTRALEN BERGUNGSORT“ in Deutschland und den KULTURGUTSCHUTZ hier: https://www.geschichtsspuren.de/artikel/58-ausweichsitze-regierungsbunker/83-barbarastollen-kulturgutschutz.html

Preppern ist daher anzuraten, einen vorhandenen analogen Filmprojektor nicht zu entsorgen. Die alte Technik ist Goldes wert. Oder man muß sich mittels Lichtquelle und Linse eben etwas derartiges basteln. Zumindest im norwegischen Archiv enthält auch jedes archivierte Material eine Anleitung, wie man den Inhalt wiederherstellen kann.

 

 

8 Kommentare zu „Doomsday Samenbank und Bibliothek in Norwegen und der Barbarastollen in Deutschland“

    1. Dürfte ebenso wenig haltbar sein. Nicht das Glas, sondern die Art der Informationsspeicherung darauf technisch gesehen. Digitale und magnetische Information „zerfällt“ mit der Zeit, egal auf welchem Medium (bisher)

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