Was wiegt schwerer in der österreichischen Politik: Kindesmißbrauch oder eine eingestürzte Brücke?

Der Österreichkorrespondent:

Der Kinderpsychiater Ernst Berger, der mit früheren Missbrauchs-Opfern Gespräche führt, sagt, dass es in den Wiener Kinderheimen bis in die neunziger Jahre hinein Gewalt gegeben hat. Betroffene hätten zudem von „fast systematischen Sadismus“ berichtet, sagte Berger im Ö1-Morgenjournal. Damit widerspricht er der These, dass es Kindesmissbrauch in den Wiener Heimen „nur“ in den 1960er und 1970er Jahren gegeben hätte. Und damit kann sich Bürgermeister Michael Häupl nicht mehr der Verantwortung entziehen. Er ist seit 1994 im Amt.

SPÖ-Bürgermeister Häupl hatte im Wiener Gemeinderat sogar mutmaßliche Kinderschänder sitzen.

Der Wiener Bürgermeister und SPÖ-Vorsitzende hat sich bei den Opfern bis dato noch nicht entschuldigt. Briefe, die er von sexuell missbrauchten Menschen bekommt, beantwortet er nicht einmal. So also geht ein Mann, der immer wieder „soziale Gerechtigkeit“ an seine Fahnen heftet,  mit Leuten um, die in Wien Schreckliches erleben mussten. Nun kann er sich als oberster Stadtchef auch der Verantwortung nicht mehr entziehen: Denn der Kinderpsychologe Ernst Berger stellte klar: „In den Wiener Heimen war Gewalt gegen Kinder bis in die 1990er Jahre üblich.“ Als Michael Häupl 1994 zum Bürgermeister gewählt wurde, war die Quälerei der Kinder noch lange nicht vorbei, sondern voll im Gange. Häupl war der Chef dieses Systems, das solche Zustände zuließ. Dennoch fordert keiner seinen Rücktritt. Was freilich die Frage aufwirft, ob der Einsturz einer Brücke das ärgere Verbrechen ist, als massenweise Kindesmissbrauch. So musste der damalige SP-Stadtrat Fritz Hofmann seinen Hut nehmen, als im August 1976 die Reichsbrücke in Wien einstürzte. Häupl dagegen sitzt weiter fest im Sattel.  Weder Hofmann noch Häupl haben mit den Ereignissen direkt zu tun, aber sie sind die Verantwortlichen dafür. Schwer verständlich, warum bei Hofmann, bei dem es um eine Brücke ging, und bei Häupl, bei dem es um menschliche Schicksale geht, mit zweierlei  Maß gemessen wird.

Psychiater Berger hat bisher jedenfalls 100 Gespräche mit Betroffenen ausgewertet. Sie erzählten von entwürdigenden Situationen, von sexueller Gewalt waren 40 der 100 Gesprächspartner betroffen. Zum Teil durch Erzieher, aber auch durch Nonnen, die Wiener Heime führten. Die Langzeitfolgen sind schlimm: Nur ein Drittel der Gesprächspartner von Berger habe es später zu einer stabilen Partnerschaft gebracht. Zwölf Prozent hätten später keine Partnerschaften, 55 Prozent instabile Partnerschaften gehabt. 27 Prozent sind laut dem Kinderpsychiater kriminell geworden.

https://www.unzensuriert.at/content/007351-Kindesmissbrauch-H-upl-kann-sich-nicht-abputzen

Es reicht! Wie unappetitlich muss die Sache eigentlich noch werden? Kaum ein Tag vergeht, wo nicht über neue, völlig irrwitzige und degoutante Missbrauchsfälle im Wirkungsbereich der Stadt Wien berichtet wird. Und immer häufiger werden Namen von SPÖ-Politikern bekannt, die in die schmutzigen Sexspiele mit Minderjährigen verwickelt sein sollen. Der Wiener FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus nannte in einer Pressekonferenz die Namen der  mutmaßlichen Täter und verlangte vom „Obervertuscher“ Michael Häupl lückenlose Aufklärung.

Die schmutzigen Fälle im Einzelnen:

FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und Landesgeschäftsführer Hans-Jörg
Jenewein informierten über die Missbrauchsfälle im roten Umfeld.
Foto: Presse-Fotograf Helmut D. (onlineredaktion-ew@hotmail.com)

• Hunderte wehrlose Kinder wurden von Bediensteten des Heims Wilhelminenberg erniedrigt, gefoltert, vergewaltigt, für Sexspiele an Perverse vermietet. Die ehemalige SPÖ-Abgeordnete Irmtraut Karlsson hat in ihrem damaligen Bericht 14 von 34 Wiener Kinderheimen als „Kindergefängnisse“ bezeichnet. Damit dieses System über Jahre hinweg reibungslos und unbehelligt funktionieren konnte, mussten Leute darin verwickelt sein, die über Macht und das Wissen verfügten, diese Dinge zuzudecken.

• Warum dieses „System“ so gut funktioniert hat, ist vor allem auch deswegen zu erklären, weil augenscheinlich bis in die höchsten SPÖ-Bereiche die Nutznießer und Lobbyisten dieser Kinderschänder zu finden sind. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass Otto Pramel, Zentralbetriebsrat, hoher Funktionär der Wiener Arbeiterkammer und in den 1980er- und 90er-Jahren als SP-Gemeinderat der Stadt Wien, über Jahre hinweg zumindest einen Zögling mehrmals sexuell missbraucht haben soll. Der Stadt Wien und Bürgermeister Michael Häupl sind die Vorwürfe – laut Kurier – seit dem Jahr 2010 bekannt. Der Ex-Zögling aus dem Lehrlingsheim, hat mehrere Schreiben an Häupl versendet. Darin gab er auch den sexuellen Missbrauch durch den ehemaligen Gemeinderat bekannt. Häupl antwortete dem Schreiber nicht einmal.

• Unmittelbar danach wurde ein neuer Fall von schwerem sexuellen Missbrauch bekannt. Wiederum betrifft es einen ehemaligen Gewerkschaftsfunktionär, wiederum war er im Faulbett der Wiener SPÖ zu Hause und wiederum war er Wiener Landtagsabgeordneter und Gemeinderat. Dieser steht im dringenden Verdacht, in einem Wiener Gesellenheim als Jugendbetreuer der Gewerkschaft einen damals 18- Jährigen sexuell missbraucht zu haben.

• Wie ORF.at berichtet, steht ein Erzieher der Volkshilfe Wien im Verdacht, Buben im Kinderwohnheim in Pitten (Bezirk Neunkirchen, NÖ) missbraucht zu haben. Zu den sexuellen Misshandlungen soll es in den Jahren 1987 und 1999 gekommen sein. Unfassbar, dass der Erzieher daraufhin eine Stelle in einem anderen Heim erhalten haben soll, wie in der Zeit im Bild behauptet wurde. Aufgeflogen sei das Ganze Mitte 2010, als zwei kleine Buben bei eindeutigen sexuellen Handlungen erwischt wurden. Daraufhin, und das ist der nächste Skandal in dieser unappetitlichen Geschichte, trennte sich die Volkshilfe Wien zwar von diesem Erzieher, aber einvernehmlich und inklusive Abfertigung für 19 Dienstjahre.

Gudenus: Kommission ist ein Kuriositätenkabinett

Für FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus stellen sich viele Fragen:  „Hier hat die SPÖ massiven Aufklärungsbedarf! Welche Leichen liegen noch im Keller? Welche Fälle sind Bürgermeister Häupl noch bekannt? Und mit welchen Überraschungen ist hier noch zu rechnen?“

Jetzt, nachdem die Gräueltaten publik geworden sind, gründet Rot-Grün schnell eine neue Kommission, welche die Vorwürfe untersuchen soll und setzt als Vorsitzende ausgerechnet Dr. Barbara Helige ein – die ehemalige Präsidentin der Richtervereinigung, die sogar als rote Justizministerin im Gespräch war, wundert sich Gudenus.

Sie wolle nicht das System untersuchen, sondern allein die bekannt gewordenen Gräueltaten im ehemaligen Heim am Schloss Wilhelminenberg. Helige habe der FPÖ einen Brief geschrieben und darum ersucht, jene Opfer, die sich an die FPÖ gewandt haben, der Kommission bekannt zu geben.

Wir haben jedoch kein Vertrauen in diese Kommission! Diese Kommission ist ein Kuriositätenkabinett der rot-roten Wiener Stadtregierung, eine Kommission von Genossen und Freunderln, die von Haus aus kein Interesse an der Aufklärung von politischen Verantwortlichkeiten hat“, befürchtet Gudenus.

Was weiter verwundert?

Die Presse hält sich mit der Berichterstattung über die Missbrauchsfälle im roten Umfeld auffällig zurück. Man stelle sich nur vor, was los wäre, wenn es sich bei den Verdachtsfällen um FPÖ-Politiker handeln würde.

https://www.unzensuriert.at/content/006742-Kindesmissbrauch-Wie-viele-Leichen-hat-die-SP-noch-im-Keller

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