Afghanisches Schicksal in Schottland

Ein Artikel über einen Afghanen, der in Afghanistan als Übersetzer für die britische Armee arbeitete und medial als Held konstituiert wird.

https://www.express.co.uk/news/uk/898384/british-national-afghanistan-interpreter-Rahmatullah-Mohammad-Juma

Also ersteinmal ist der gute Mann ein Kollaborateur.  Nun, werte Leser wissen natürlich, es kommt immer darauf an, von welcher Seite man das Spiel betrachtet, ob man nun ein guter Kollaborateur und ein böser Kollaborateur ist. Ein Volksverräter, ein Widerständler, ein Freiheitskämpfer oder ein Terrorist ist. Es ist dann aber doch so, daß am Ende der Fremdmachteinflüsse, ein Kollaborateur nicht allzu gut angesehen ist in der Bevölkerung. Nicht zuletzt auch dadurch, daß seine Arbeit für die meist reichen Ausländer ihm einige Vorteile verschafft haben und den Neid der Mitbürger angezogen haben dürfte. Das Arbeitsrisiko dürfte im Falle Afghanistans aber nicht sehr viel größer gewesen sein als für alle anderen Menschen in Afghanistan auch, die Kontakt hatten oder haben mußten mit ausländischen Besatzern. Da England sich aber dankbar erweisen wollte gegenüber seinen Handlangern vorort und auch ein Exempel statuieren muß zur weiteren Rekrutierung von Kollaborateuren (es muß sich für die irgendwie lohnen), wurde ihnen angeboten entweder in Afgahanistan ein Uni-Studium (das sie dann in Deutschand gelten machen können? und wie es im Artikel steht, wird jedem diese Studienmöglichkeit geboten, ohne vorher die Studienreife durch Matura oder Abitur nachgewiesen zu haben)  finanziert zu bekommen oder nach England umsiedeln zu dürfen, sofern sie in ihrer Heimat nach Abzug der Schutzmacht bedroht wären.

400 von den 3000 Kollaborateuren wählten bisher die zweite Option. In dem geschilderten Fall hatte der Mann keine Ahnung von Land und Leuten oder überhaupt eine Vorstellung von England. So erzählt er glaubhaft. Er konnte auch nicht mitbestimmen, wohin man ihn und seine kleine Familie übersiedelte. In diesem Fall nach Schottland…nun ja. Er fühlt sich jedenfalls wohl, ist überaus dankbar und da er den Schotten auch erzählt, daß er für sie und die glorreiche britische Armee in Afghanistan unter gefährlichen Bedingungen gearbeitet hat, wird er überall freundlich aufgenommen. Auch hat er eine Mindestlohnarbeitsstelle (Türhersteller) bekommen mit Training on the job und ist zum Gruppenleiter befördert worden mit einer kleinen Gehaltserhöhung. Sein Ziel ist es, sich nächstes Jahr ein eigenes Haus zu kaufen. Ehrgeizig, der junge Mann.

Natürlich vermißt er den Rest seiner großen Familie in Afghanistan (Vielleicht wird das der Familiennachzug noch richten – VOR dem Brexit, versteht sich), die weiterhin unter gefährlichen Bedingungen leben muß.

Was mir an dieser Geschichte aufstößt, ist der Zeitpunkt der Berichterstattung (Tränendrüsen Weihnachten) und der Titel: „Afghane, der die Britische Armee vor Terror rettete: Wir lieben Englands Freiheit“ Wie schräg ist das denn? Ein Superheld? Nein nur ein Übersetzer, der von den Briten benutzt wurde. Und die gesamte britische Armee gerettet? Helfen, unterstützen…das wären die passenderen Begriffe gewesen. Aber der Express als Boulevardblatt braucht eben reisserische Aufmacher insbesondere, wenn es um die Immigrationsagenda geht: nicht alle Ausländer sind kriminelle salafistische Bösewichte….

Wer hätte das auch gedacht.

 

Ein Gedanke zu „Afghanisches Schicksal in Schottland“

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