Rabe – Greifvogel und Wiedergeburt bei den Kelten

alle Bilder und Originalartikel hier

ein wunderbarer Fund von Die Goldene Landschaft https://projekt2a.wordpress.com/2018/10/14/catubodua-metempsychosis-and-the-queen-of-death-balkan-celts/

In dama huair ann ba rigan roisclethan ro alainn; Ocus in uair aill… na baidb biraigh banghalis‘.
In einem Moment war sie eine großäugige, wunderschöne Dame, und ein anderes Mal ein weiß-graues vogelartiges Wesen mit Schnabel. (Harlekinisches Manuskript 4.22)
Der zentrale Grundsatz der keltischen Religion war die Metempsychose – die Wanderung der Seele und ihre Reinkarnation nach dem Tod (Caesar J. De Bello Gallica, Buch VI, XIV). Diesen Glauben beschreibt der römische Dichter Lucanus (1. Jh. n. Chr.):

While you, ye Druids, when the war was done,
To mysteries strange and hateful rites returned:
To you alone ’tis given the heavenly gods
To know or not to know; secluded groves
Your dwelling-place, and forests far remote.
If  what ye sing be true, the shades of men
Seek not the dismal homes of Erebus
Or death’s pale kingdoms; but the breath of life
Still rules these bodies in another age-
Life on this hand and that, and death between.
Happy the peoples ‘neath the Northern Star
In this their false belief; for them no fear
Of that which frights all others: they with hands
And hearts undaunted rush upon the foe
And scorn to spare the life that shall return.

(Pharsalia Book 1:453-456)

Während ihr Druiden, als der Krieg vorbei war,
Zu den seltsamen Geheimnissen und abscheulichen Riten zurückkehrtet:
Nur euch allein ist es von den himmlischen Göttern gegeben
Zu wissen oder nicht zu wissen; abgelegene Haine und einsame Wälder
sind euere Wohnstätten.
Wenn das, was ihr singt, wahr ist, dann suchen die Schatten der Menschen nicht die trostlosen Häuser von Erebus.
Oder die blassen Königreiche des Todes, sondern der Atem des Lebens regiert die Leiber in einer anderen Zeit.
Das Leben auf der einen und der anderen Seite und der Tod dazwischen
Glücklich die Menschen unter dem Nordstern.
in ihrem falschen Glauben hegen sie keine Angst vor dem, was alle anderen schreckt.
mit Händen und unerschrockene Herzen stürmen sie auf den Feind zu.
Und zeigen Verachtung gegen ihr Leben, das ihnen nach dem Tod wiedergegeben wird.

(Pharsalia Buch 1:453-456)

Eine ähnliche Darstellung des keltischen Glaubenssystems liefert der griechische Historiker Diodorus Siculus (V.28:5-6; 1. Jahrhundert v. Chr.):

„…denn unter ihnen herrscht der Glaube des Pythagoras, dass die Seelen der Menschen unsterblich sind und dass sie nach einer vorgeschriebenen Anzahl von Jahren mit einem neuen Leben beginnen, wobei die Seele in einen anderen Körper eintritt“.

Bei der Wanderung der Seele von einer Welt zur nächsten spielten Raubvögel eine zentrale Rolle:

Für diese Männer ist der Tod im Kampf herrlich;
Und sie halten es für ein Verbrechen, die Leiche eines solchen Kriegers zu begraben;
Denn sie glauben, dass die Seele zu den Göttern im Himmel hinaufgeht,
Wenn der Körper auf dem Feld von den Greifvögeln verschlungen wird“.

(Silius Italicus (2. Jh. n. Chr.) Punica 3 340-343)

Diejenigen, die im Krieg ihr Leben gelassen haben, halten sie für edel, heroisch und voller Tapferkeit, Und sie verehrten die Geier, weil sie glaubten, dass dieser Vogel heilig sei‘.

(Claudius Aelianus. De Natur. Anim. X. 22)

Abb. 1 Boii siehe https://balkancelts.wordpress.com/2013/12/10/catubodua-queen-of-death/

Die in der keltischen Welt gut dokumentierte Praxis der Entfernung des Fleisches von Toten hatte eine Bedeutung für den Totenkult, die sich stark von den griechisch-römischen Praktiken unterschied (Soprena Genzor 1995: 198 ff.).

Die letzten 25 Jahre der Forschung haben gezeigt, daß Bestattungen der Höhepunkt früherer sehr komplexer Rituale waren. Die rituelle Entfernung von Fleisch vor der Beisetzung ist in keltischen Heiligtümern wie Ribemont eindeutig belegt (Brunaux 2004: 103-24), aber es gibt nur wenige Bestattungsfunde diesbezüglich,  besonders in der späten La-Têne-Periode,was sich teilweise durch die Praxis der Exposition von Leichen gegenüber Raubvögeln und Naturelementen mit der daraus resultierenden Zerstörung des größten Teils des Skeletts erklären läßt. Dieses Aussetzungsritual war eine echte Selbstaufopferung, denn der Feind, der dem Krieger das Leben genommen hatte, war ebenso wie der Raubvogel, der ihn verschlang, nur die Hand des Gottes (Soprena 1995; Brunaux 2004: 118-24).

Jüngste Ausgrabungen, wie die in Ham Hill in Somerset (England), haben einen weiteren Beweis für die keltische Praxis der Entfleischung – der rituelle Exposition von Leichen gegenüber den Elementen und Aasfressern – geliefert.

Ham Hill = der Schinkenhügel? Fleischhügel?

Zu den Funden am Ham Hill gehören rituelle Bestattungen – Arrangements von menschlichen Schädeln sowie Körper, die in eine Grube geworfen, und freiliegend von Tieren und Greifvögeln angenagt wurden. An der Stelle wurden „Hunderte, wenn nicht Tausende von Leichen“ aus dem 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. gefunden, die auf diese Weise „bestattet“ wurden. (Siehe: https://balkancelts.wordpress.com/2013/09/05/excarnation/)

Der Ribemont-Sur-Ancre’Turm der Stille‘.

Dieser Schrein/Sanktuarium wurde auf dem Gelände der Schlacht bei Ribemont (Nordfrankreich) errichtet, wo rund 1.000 keltische Krieger gestorben sind. Der siegreiche Belgae errichtete diesen Schrein, um die große Schlacht zu feiern, enthauptete die Körper der besiegten Krieger und nahm die Köpfe als Trophäen mit nach Hause. Die kopflosen Leichen und Tausende von Waffen, die vom Schlachtfeld gesammelt wurden, hingen an einer großen Holzplattform („Turm der Stille“).

Der Nachweis der Verwitterung und Zerstückelung der Toten an diesem und anderen Orten, wie z.B. Ham Hill, steht im Einklang mit der gut dokumentierten keltischen religiösen Praxis, Leichen nach dem Tod  von Greifvögeln und Fleischfressern entfleischen zu lassen (Soprena Genzor 1995: 198 ff.).

Eine faszinierende Szene auf einem goldenen Diadem aus Ribadeo, in Galizien, Spanien (auf dem Gebiet der keltischen Castro-Kultur) erzählt von Wiedergeburt und die Verwandlung des Menschen in Vögel – ein allen gemeinsames Motiv in der keltischen Kunst. (4/3 c. BC)
Bild: Vogelgöttin auf der Vorderseite eines Stammes der Eburovices. (Normandie/2/1/1 c. BC); Detail der Gottheit mit Greifvogel „Krone“ auf einem goldenen Torc aus dem Grab einer keltischen Prinzessin in Reinheim (Saarland), Deutschland (ca. 400 v. Chr.)

Auf dem Balkan wird das gleiche Ritual von Pausanias (X, 21, 3) im Zusammenhang mit der keltischen Migration in den Balkan zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. beschrieben. Keltische Krieger, die während der Invasion Griechenlands im Kampf gefallen sind, wurden ebenfalls von Greifvögeln verschlungen, im Einklang mit der oben beschriebenen religiösen Praxis (Churchin 1995; Mac Congail 2010: 57).

Angesichts der Bedeutung, die den Greifvögeln in der keltischen Kultur beigemessen wird, ist es interessant, den „Namen“ des Führers der keltischen Offensive gegen Griechenland zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. zu erwähnen, ebenso wie den des Häuptlings, der die keltischen Stämme führte, die Rom ein Jahrhundert zuvor geplündert haben – Brennos.

Es ist unwahrscheinlich, dass dies Zufall ist, und es scheint, dass Brennos kein persönlicher Name war, sondern ein militärischer Titel, der dem Gesamtkommandanten einer keltischen Armee aus verschiedenen Stämmen verliehen wurde. Der Begriff kommt aus dem Proto-Keltischen *brano– (Matasović R. 2009; Mac Congail 2010: 54-59) und bedeutet wörtlich Der Rabe.

Bild: Porträt der Vogelgöttin/Catubodua auf der Vorderseite eines keltisch-scythischen Goldstaters (1. Jh. v. Chr.) https://balkancelts.wordpress.com/2014/01/01/metamorphosis-in-gold/
Die Bedeutung des Raben und der Greifvögel im Allgemeinen für die keltische Kultur und Religion wird archäologisch durch ihr häufiges Auftreten auf keltischen Artefakten und Münzen bestätigt.

So zeigen beispielsweise von den heute bekannten mehr als 500 keltischen Broschen mit gegenständlicher Dekoration, von Bulgarien im Osten bis Spanien im Westen, mehr als die Hälfte Vögel (Megaw 2001: 87).

Auf dem Balkan tauchen Greifvögel auch auf Artefakten wie dem keltischen Helm aus Ciumesti (Rumänien) auf, von denen ähnliche Exemplare auf dem Gundestrup-Kessel abgebildet sind, der von den Scordisci im Nordwesten Bulgariens produziert wird. Darstellungen von Greifvögeln finden sich auch auf den keltischen Wagenarmaturen aus Mezek im Süden Bulgariens und den balkanischen keltischen Opferdolchen.

Bild: Bronzene keltische Wadenbein aus Ingelfingen-Criesbach in Süddeutschland mit einem menschlichen Kopf, der von einem Greifvogel gekrönt wird. (5-4 c. BC)

bild: Detail aus dem Gundestrup-Kessel

Keltischer Häuptlingshelm von Ciumeşti (Rumänien) mit Greifvogelbefestigung (siehe: https://balkancelts.wordpress.com/2013/05/01/prince-of-transylvania/)

BADHBH CHATHA

Die keltische Muttergöttin – die Morrígan / Morrígu, war eine dreifache Göttin, die als Dreieinigkeit aus Macha, Anann und der Badb erschien.

Die Kelten glaubten, dass die Badb-/Kriegsgöttin, genauer gesagt die Muttergöttin in ihrer Kriegsmiene, den im Kampf getöteten Kriegern in Form eines Raubvogels, meist einer Krähe oder eines Raben, erschien (O h’Ogain 2002: 22; Mackillop 2004:30; Mac Congail 2010: 72-76). Ihre Anwesenheit war nicht nur ein Symbol für den bevorstehenden Tod, sondern auch, um den Ausgang des Kampfes zu beeinflussen. Meistens tat sie dies, indem sie als Krähe/Rabenvogel auftrat und entweder Angst oder Mut in den Herzen der Krieger weckte oder in seltenen Fällen selbst in den Kampf eingriff.

Dieser Aspekt der Göttin war als Catubodua (Kampfrausch) bekannt, der in späterer keltischer Tradition als Cathbhadhbh oder Badhbh Chatha (loc cit) überlebte.

Aus Bulgarien, Serbien und Ungarn stammen keltische Münzen (sowohl des Philip II. (Abb. 4/5) als auch des Paeonia-Modells (Abb. 6/7), auf denen ein Greifvogel hinter der linken Schulter des Reiters dargestellt ist, der ihn in die Schlacht begleitet.

Insbesondere das Vorhandensein des Triskells auf den Paeonia-Münzen bestätigt den religiösen Charakter der Bilder. Auf dem Vogelreitertyp (Abb. 7), vom 3. bis 2. Jh. v. Chr., wird der Reiter selbst als Skelett dargestellt, der „Deathrider“ wiederum in Begleitung eines Greifvogels.

Scoremünze 1

Scoremünze 2

Keltisch vergoldete Silberphalera aus Surcea (Kreis Covasna), Rumänien. Beachten Sie den Greifvogel hinter der linken Schulter des Kriegers (Ende 2. / Anfang 1. Jh. v. Chr.).

Darstellung der Muttergöttin mit Torchen und Greifvögeln auf einer keltisch-thrakischen Geschirr-Applikation aus Galiche (Vratza reg.) im Nordosten Bulgariens. (2-1 c. BC)

Dieses Thema ist auch auf anderen keltischen Münzen aus dem Balkan vertreten, mit Darstellungen der Muttergöttin – der Morrígan (Großen Königin) in ihrer Personifizierung als Badhbh Chatha / Kampfrabe. Dies ist beispielsweise bei ihrer Darstellung keltischer „Thasos-Modell“-Münzen aus Bulgarien (Abb. 8) sowie einiger der paeonischen „Nachahmungen“ (Abb. 9) der Fall.

Abb. 8 – Darstellung der Göttin auf der Rückseite eines keltischen Thasos-Typs aus Bulgarien (nach Mac Congail/Krusseva 2010)
In Abb. 9 stellt die Vorderseite das zentrale Thema der Transformation der Göttin dar, während die Rückseite voller religiöser Symbolik ist, einschließlich des Triskele-Symbols und einer keltischen Inschrift. Das zentrale Bild zeigt die Muttergöttin in ihrer Personifizierung als Kriegsrabe – Badhbh Chatha. (Gobl 436; BMC 131)

THE THREE REALMS – Umkehrung einer keltischen Tetradrachme aus Südungarn (2. Jh. v. Chr.), die einen Reiter, ein Kind und einen Greifvogel darstellt; sie repräsentiert die 3 Lebensphasen im keltischen Glauben – Kindheit, Erwachsensein und Tod/Übergang.

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