Reisezeit und Umweltzonen in Europa

Die meisten inzwischen politisch korrekt und finanziell förderungswürdig als Umweltzonen deklarierten Orte und Innenstädte existieren seit langem als herkömmliche „Fußgängerzonen“. Also „no big deal“. Außer in der BRiD, wo man plötzlich mitten auf einer Autobahn mit dem Thunfisch-Gesetz konfrontiert wird. Betrachtet man europaweit, wie mit dem Thema Umweltschutz, Emissionsverringerung im Strassenverkehr umgegangen wird, zeigt sich ein Bild, das vermuten läßt, daß unter dem Deckmantel Emmissionsminderung für das Klima, eigentlich völlig andere, sonst wenig durchsetzbare oder unpopuläre verkehrspolitische Maßnahmen umgesetzt werden können, die weniger mit dem Klima als vielmehr mit der Steuerung des Individualverkehrs und finanzieller Bereicherung zu tun haben.

Man kann sich vollständig und aktuell hierüber informieren unter: https://www.green-zones.eu/de/info-apps/die-informationsangebote/die-green-zones-app.html

Wirft man einen Blick auf unsere Nachbarländer, tut sich insbesondere das völlig mit Tunnel unterhöhlte Brüssel hervor. Will man hier in die Innenstadt einfahren muß man sein deutsches Auto vorab registrieren lassen und darf keinen Diesel Euro 0, 1 oder 2 fahren, aber auch keinen Benziner bis Euro 1. Wobei man sich fragt, ob solch ältere Modelle überhaupt noch irgendwo fahren. Ob der Innenstadtverkehr für die Luftverschmutzung auch nur annähernd so eine große Rolle spielt wie die Schadstoffkonzentration in den Tunnel und deren Abluftrohren hat auch noch keiner gefragt. Wurden dort Filteranlagen eingebaut? Oder funktioniert das nach dem Prinzip: „Küstenstadt-Abwasser – 200 m Rohr – Mittelmeer düngen“?

Und die Holländer mit ihrer sexy Antje bräuchten eigentlich keine Thunfisch Greta, aber auch sie verfallen geradezu ekstatisch dem Klimagretchen und verbieten den Diesel bis Euro 2 in Utrecht. In Rotterdam  gilt das Verbot aber nur für Euro 0. Selbstverständlich immer nur für PKW, denn es gäbe in Hafenstädten, noch dazu mit Weltbedeutung, wohl eine Rebellion und unbeschreibliches Chaos, wenn man diese minimale Beschränkung auch auf LKW´s anwenden würde. Böser für Autofahrer agiert da schon Arnhem (über 156.000 Einwohner), das seit 2014 alle Diesel mit Erstzulassung vor 2005 die Einfahrt verbietet und das ohne Prüfung des tatsächlichen Abgasausstoßes. Ob dies der EUGH akzeptieren würde?  Zumindest brauchten die keine Greta für ihr Verbot.

Amsterdam hingegen hält nicht viel von Umweltzonen, aber nutzt diese gerne als Deckmäntelchen, um dem Problem mit den Wohnmobilen und kleinen Motorrädern, also Mopeds(!) auf den Strassen Herr zu werden. Wohnmobile Klasse N1 mit Geburtsdatum vor 2000 und Mopeds vor 2011 sind verboten. Umweltzonen in den niederländischen Städten Breda, Delft, Den Haag, Eindhoven, Leiden, Maastricht, Rijswijk, `s-Hertogenbosch und Tilburg betreffen nur Lkw.

Und nun zu den Dänen. Die haben wieder ein gänzlich anderes Verständnis über das, was schädlich ist. Dort sind die Bösewichte dieselbetriebene Busse und Lkw über 3,5 Tonnen. Entsprechende gleichgestrickte Wohnmobile sind aber ausgenommen. Auch hier wieder die Tonnage und nicht der tatsächliche Schadstoffaustoß als Verbotsgrundlage, so daß man davon ausgehen kann, daß nicht die Umwelt, sondern die allgemeine Verkehrssituation eine Rolle für die Beschränkungen eine Rolle spielen.

Die Unterscheidung nach Tonnage und die Ausnahme von Wohnmobilen gilt auch in der Innenstadt von Prag, und auch in Schweden, wo es in Göteborg und Stockholm tagsüber bis 18:30 Uhr auch eine generelle Citymaut gibt, die dem Stadtsäckel gut tut. Da man in diesem Vorzeigeland die Luftgifte durch brennende Gebäude, Mülltonnen und Autoreifen, ähnlich wie in den französischen Vororten nicht in den Griff bekommt, bieten sich bürgerliche Autofahrer geradezu an, daß man sie zur Kompensation dieser Umweltvergehen kräftig zur Kasse bittet.

Weiter im fröhlichen Spiel „wer findet seinen schwarzen Peter“ nach Frankreich: dort hat man sich typisch französisch-chaotisch besondere Schikanen ausgedacht und je nach Bedürfnis und Bedarf Verbote aller Art erlassen Umweltzonen mit unterschiedlichen Zufahrtsbeschränkungen (Zone à Circulation Restreinte – ZCR und Zone de Protection de l’Air – ZPA)
Ganz im Sinne der Egalité und Brüderlichkeit gelten diese sogleich für ALLE Fahrzeuge. Man darf sich dafür Umweltplaketten kaufen (Ablaßhandel: certificat qualité de l’air) und der Staat freut sich über diese Zusatzeinnahmen. Daß sich damit weder etwas am Schadstoffaustoss noch sonstetwas ändert… c´est la vie! Während der Hauptverkehrszeit in Parismitte von 8 bis 20 Uhr mindert man zumindest das Verkehrschaos durch Verbot von Benzinern Euro 0 und 1, sowie Dieselfahrzeuge Euro 0, 1 und 2. Das dürfte aber nichts mit den Schadstoffen zu tun haben, als mit der Tatsache des täglichen Kollapses des Verkehrsflusses in großen Metropolen. Ab Juli 2019 trifft es dann auch Euro 3 Fahrzeuge und die Umweltzone wird ausgedehnt auf den gesamten Großraum. In elitären Ländern und Städten soll nur die Strassen befahren, wer genügend Geld hat, sich ein neueres KfZ leisten zu können. Der Rest? Ab in den Untergrund und in die Öffis! Ihr verunstaltet sowieso nur das Strassen- und Stadtbild. Im Restfrankreich gelten nur Temporäre Umweltzonen ZPA, wenn Luftverschmutzungsalarm ausgelöst wurde. Sehr vernünftig, wenn es belastbare Grenzwerte gibt.

In England gibt es schon lange eine City-Maut für London, seit wann Besitzer von KfZ mit Euro schlechter als 3 eine erhöhte Maut zahlen müssen, weiß ich nicht, aber auch hier beschert Klimagreta der Stadt ganz offensichtlich einen netten Zuverdienst, ohne den Aufwand unerfreulicher Steuererhebungsdiskussionen. Dieses Konzept ist verlockend und so schuf man auch gleich sogenannte Ultra Low Emission Zone (ULEZ)  also extrem Niedrig-Emissions Zonen, in denen man Autofahrer seit 8. April 2019 mit erhöhten respektive zusätzlichen Gebühren für Tages-Genehmigungen abzockt, die Benziner mit Euro 0–3, Dieselfahrzeuge Euro 0–5 oder Motorräder Euro 0–2 fahren. Auch hier die Frage: wie schützt Ablasshandel die Umwelt?

Auch nichts Neues findet sich in Griechenland. Vor vielen vielen Jahren schlug in Athen der Selbsterhaltungstrieb zu, weil man nicht ersticken wollte in den Autoabgasen. Für in Griechenland zugelassene KfZ gilt: Innerhalb des Rings „Daktylios“ dürfen an Tagen mit geradem Datum nur Fahrzeuge mit gerader Kennzeichennummer einfahren, an Tagen mit ungeradem Datum nur Fahrzeuge mit ungeradem Kennzeichen. In den Sommerferien, wenn der Großteil der Athener mit Mann und Maus zu Omi und Opi auf das viel schönere und gesündere Land fahren, um sich vom Athener Moloch und seiner unerträglichen Hitze zu erholen und sich für die nachfolgenden Monate mit kostenfreien und gesünderen Essensvorräten einzudecken, gilt diese Regelung nicht.

Italien hat nun gänzlich andere Probleme. Während zum Beispiel die Fahrverbote in Athen auf den alltäglichen Verkehrskollaps durch die Einheimischen abzielt und Mietautos und ausländische Autos (noch) ausgenommen sind, ist es in Italien umgekehrt. Dort gelten innerstädtische Fahrverbote für Besucher und Touristen. Ausgenommen sind Autobahnen, die in Italien nicht vor Städten halt machen. Keine Einfahrt ganzjährig für Dieselfahrzeuge mit Emissionsklassen Euro 0, 1 und  2 sowie Benzinfahrzeuge Euro 0. Manchmal gilt auch nur ein Einfahrverbot im Winterhalbjahr (1. Oktober bis 31. März) bis Diesel Euro 3 in Regionen wie Emilia Romagna, Piemont und Veneto in Gemeinden über 30.000 Einwohnern. Speziell in Mailand gilt im gesamten Stadtgebiet (Area B) ab 25. Februar 2019 ganzjährig keine Diesel Euro 0, 1, 2 und 3, Benziner Euro 0 (Montag bis Freitag 7.30-19.30 Uhr). Gebührenpflichtige ZTL gibt es in Bologna, Mailand, Palermo. Money, money, money… im maroden Italia.

Valletta, die Hauptstadt von Malta ist ein einzige Fußgängerzone, wie es sie überall gibt und in der sowieso niemand mit seinem Auto fahren will, der an seinem Wagen hängt und es gibt auch keinen Grund dort hinein zu fahren. Ein historischer Touristenort. Zufahrten zu Hotels sind mit Genehmigung möglich.

Und die Norweger…geschäftstüchtig wie die Briten, aber immer auf Klarheit bedacht, erheben eine tageszeitabhängige city Maut an Mautstationen für Bærum, Bergen, Bodø, Førde, Grenland, Harstad, Haugesund, Kristiansand, Namsos, Nord-Jæren, Oslo und Trondheim. In Bergen und Oslo hat man sich an Athen orientiert und erlaubt bei
Luftverschmutzungsalarm an Tagen mit geradem Datum keine Fahrzeuge mit ungerader Kennzeichennummer und umgekehrt). In Oslo wurden Dieselfahrzeuge anscheinend komplett verboten.

Die Ösis huldigen dem heiligen Thunfisch vorallem in Wien und der Steiermark, die LKW der Klasse N mit Beschränkungen belegen,  PKW von Euro 0 bis 2 das Fahren verbieten und ab Euro 3 eine Plakette verpaßt bekommen, von denen ich jetzt nicht weiß, ob sie wie bei uns etwas kostet, wenn man nicht einen freundlichen Werkstattleiter kennt, der sie einem sschenkt, wenn wieder einmal die Windschutzscheibe kaputt gegangen ist. Im Burgenland, in Oberösterreich, der Steiermark und in Tirol gibt es auch Fahrverbote für Lkw über 3,5 t bzw. 7,5t zGM.

In Portugal gibt es nur in Lissabon eine gegliederte Umweltzone Zona de Emissões Reduzidas. Die Beschränkungen gelten nur am Tag: In Zone 1 dürfen nur Fahrzeuge mit Erstzulassungsdatum ab dem 1.1.2000  (entspricht i.d.R. der Euro-3-Norm) und in Zone 2 nur Fahrzeuge mit Erstzulassungsdatum ab dem 1.1.1996  (entspricht i.d.R. der Euro-2-Norm).

In das Zentrum von Madrid, das man schon vorsorglich Umweltzone genannt hat, dürfen mit verpflichtender, käuflich erwerbbarer Plakette, nur Benziner besser als Euro 2 und Diesel besser als Euro 3, sofern sie in Spanien zugelassen sind. Für ausländische Autos kan man keine Plakette erwerben. Für den Großraum Madrid wie auch für Barcelona gibt es zusätzlich eine temporäre Umweltzone im Falle eines Luftverschmutzungsalarms.

 

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