Wenn ein Fußballclub dein Telefon ferngesteuert kapert und das Micro aktiviert

so geschehen in Spanien. La Liga, zu der auch Stars wie L. Messi zählen, hat ohne Kenntnis von Telefonnutzern über eine App die Mikrophone von Handys aktiviert, um festzustellen, ob im Raum gerade eine Übertragung eines ihrer Fußballspiele läuft und diese Übertragung legal, also lizensiert, erfolgt.

https://www.smh.com.au/sport/soccer/spanish-football-league-fined-for-turning-fans-phones-into-pub-spies-20190613-p51xgc.html

In spanischen Bars und Gaststätten ist es vielmals üblich, für die Gäste Sportveranstaltungen zu zeigen. Die Krux: die Anbieter dieser TV-Bars müssen Lizenzen dafür kaufen, was aus Sparsamkeitsgründen nicht alle tun. Viele klinken sich stattdessen in einen Piratensender, weil dieser weniger kostet.

Leider wird mit der Spielübertragung dann aber auch ein Fremdsignal mitgesendet, das dedektierbar ist und in Kombination mit der Geolokalisation der Mobiltelefone nun diesen „Schwarzsehern“, den illegalen streamern, zum Verhängnis geworden ist. Fast, zumindest, denn die spanische Datenschutzbehörde wertete dieses Vorgehen als „sehr schwere Datenschutzverletzung“ , weil die Handynutzer nichts über das geheime Leben ihrer Handys wußten.

250.000 Euro Geldbuße waren fällig, nachdem festgestellt wurde, dass bis zu 50.000 Telefone von La Liga-Nutzern (von 4 Mio App Nutzern)  für diesen Zweck verwendet worden waren. Um das Vorgehen legal gestalten zu können, hätte die Lega den Nutzern das Einschalten der Mikrofone mitteilen müssen, was dazu geführt hätte, daß den Nutzern einmal pro Minute eine diesbezügliche In-App-Benachrichtigung zugesandt worden wäre, während sie das Spiel verfolgten.

Trotz Geldbuße für das Vorgehen der Liga, hat sich die ganze Aktion in großem Stil gelohnt. Die Liga hat 600 Strafverfahren gegen spanische Bars und Restaurants eingeleitet. Laut Liga entgehen ihr durch die illegalen streams jährlich 400 Millionen Euro an Fernsehgebühren , weil ungefähr die Hälfte der 120.000 Einrichtungen, die La Liga Spiele zeigen, also 60.000, das Hospitality-Paket nicht kaufen. 2/3 von diesen hätten das Pirateriesignal gesendet, während der Rest einfach das Signal eines heimischen Fernsehpakets nutzt, das einen Bruchteil des Preises kostet. Daher werde Die Liga gegen das Urteil vorgehen.

Laut einer Untersuchung der La Liga im vergangenen Jahr ist es üblich, dass mehrere Bars in einem Viertel ein Signal von einem einzigen Piraten-Decoder teilen.

Die Liga sagte, dass mehr als 4 Millionen Nutzer ihrer App in Spanien „proaktiv und zweimal“ ihre Zustimmung zur Nutzung ihrer Mobiltelefone zur Aufdeckung betrügerischen Verhaltens von nicht autorisierten Einrichtungen zum Ausdruck bringen.

Aber in einer Entscheidung, die die Art und Weise in Frage stellt, wie Nutzer digitaler Dienste die Erlaubnis zur Nutzung personenbezogener Daten erteilen, hat die spanische Datenschutzbehörde AEPD das einmalige Einwilligungssystem der App in Frage gestellt und vorgeschlagen, dass La Liga die Nutzer bei jeder Aktivierung der Spionagefunktion hätte warnen sollen.

Die Liga hatte versucht, Datenschutzbeschwerden zu unterdrücken, indem sie sagte,

  • dass die Technologie „ausschließlich dazu bestimmt sei, einen akustischen Fingerabdruck zu erzeugen, der nur 0,75 Prozent der gesammelten Informationen enthält, so daß es technisch unmöglich sei, Stimmen oder menschliche Gespräche zu interpretieren“.
  • dass es sich nicht um eine Spionage gegen die Nutzer handelte
  • dass die Abhörtechnologie aus einem Algorithmus bestand, der der musikerkennenden App Shazam ähnlich sei, die populäre Songs identifiziert.

Die App der La Liga unterteilt Umgebungsgeräusche in einen Binärcode, der automatisch den Klang der Sendung vergleicht, ohne dass Daten aufgezeichnet oder gespeichert werden.

„Wir könnten keine Gespräche aufzeichnen, auch wenn wir wollten oder ein Richter es uns befohlen hätte, auch nicht, wenn sie mit der Piraterie zusammenhängen, die wir zu verfolgen versuchen“, sagte ein IT-Spezialist der Liga.

Die Liga sagte, sie werde die Nutzung der Technologie ab Ende des Monats einstellen, obwohl sie sagte, dies sei lediglich das Ende eines Vertrages mit dem Lieferanten und nicht aufgrund der Entscheidung von AEPD.

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