Vetusta Morla: ¡Alto! („Halt!“)

überall das selbe Muster in kulturellen Variationen, damit der Krieg in allen Varianten und jeder gegen jeden auch wirklich gelingt und das Ergebnis so wird, wie sich gewisse Mächte dies vorstellen.

„Das Bekenntnis zum Friedenswillen wird zum Hochverrat“ steht auf der einen Seite und „die Verweigerung der Anerkenntnis der Realität, ja des Naturgesetzes, daß es kein Leben ohne Kampf gibt und nur der Starke (worin immer auch diese Stärke bestehen mag) zum Frieden befähigt ist“ steht auf der anderen Seite.

Wir müssen beides vereinen und leben, sonst vernichten wir uns selbst im Rausch der Verblödung, des Sklaventums und durch Degeneration.

Siebtes Kalendertürchen: Vetusta Morla: ¡Alto! („Halt!“)

Siebtes Türchen des musikalischen Adventskalenders julianischer Art

Auch heute steht in unserem Adventskalender noch einmal die Spannung zwischen dem tiefsten Abgrund des menschlichen Lebens – dem Krieg – und der Hoffnung auf seine Überwindung im Mittelpunkt. Anders als Bulat Okudshawa, der gestern für uns gesungen hat, versteht die 1998 gegründete spanische Band Vetusta Morla – der Name leitet sich von der Figur der uralten („vetusta“) Schildkröte in Michael Endes Unendlicher Geschichte her – „Krieg“ jedoch in einem weiteren Sinne.
Die Soldaten, die in dem Song ¡Alto! („Halt!“) unvermittelt auftauchen, lassen sich natürlich vordergründig als Söldner deuten, die in „geliehene[n] Uniformen“, also im Auftrag anderer, ihrem Kriegshandwerk nachgehen. Daneben kann ihr Tun jedoch auch metaphorisch verstanden werden….alles lesen inklusive Lyrik:

über Vetusta Morla: ¡Alto! („Halt!“) — LiteraturPlanet

Sechstes Türchen des musikalischen Adventskalenders julianischer Art

Bulat Okudshawa (1924 – 1997) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der russischen Gitarrenlyrik. Wie er selbst erläutert, wurde die Gitarrenlyrik in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts „in den Moskauer Küchen geboren“, wo sie „in einem engen Kreis Gleichgesinnter“ vorgetragen worden sei. Mit ihrem „Anspruch, (…) selbständig zu denken und offen ihre Ablehnung der orthodoxen Ideologie zum Ausdruck zu bringen“, habe die Gitarrenlyrik eine „Sprengladung aus Zivilcourage“ entfaltet. Aus diesem Grund sei sie „von der Macht verfolgt, aber von den Verfolgten verehrt“ worden (Okudshawa 1992, S. 7).
Das hier wiedergegebene Gedicht Okudshawas beruht auf einer Gegenüberstellung von Liebes- und Kriegsrausch: Wie man sich Hals über Kopf in die erste Liebe stürzt, so mag man auch den Krieg zunächst aus einem pubertär-leidenschaftlichen Heldenmut heraus bejahen. In diesem Sinne ‚passiert‘ der „erste Krieg“ wie die „erste Liebe“ einfach, ohne dass jemand dafür schuldig zu sprechen wäre.
Dauert der Krieg aber an, mündet die erste Kriegshandlung in weitere und lässt den Krieg zum Dauerzustand werden, so lässt sich dies nicht mehr wie eine kurze Aufwallung der Gefühle in einem Streit unter Freunden abtun. Da der Krieg dann gezielt geschürt werden muss, lassen sich auch konkrete Schuldige für ihn benennen. Geschieht dies nicht und dauert der Krieg nichtsdestotrotz weiter an bzw. zementiert sich als kriegerische Haltung des Staates, so ist es die Schuld jedes Einzelnen, wenn er sich dem nicht entgegenstellt….

alles lesen unter: https://literaturplanetonline.com/2019/12/20/ein-anti-kriegslied-von-bulat-okudshawa/

und

Der Krieg als Verrat am Selbst – Anti-Kriegslieder in der russischen Gitarrenlyrik

 

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Schon seit geraumer Zeit ist der Militarismus wieder ein selbstverständlicher Teil der offiziellen russischen Kultur.

In der Geschichtsschreibung korrespondiert dem eine Betonung des vaterländischen Elements, was auch mit einer unkritischeren Betrachtung der Herrschaft Stalins einhergeht.

Und nicht nur der Wehrkundeunterricht hat wieder seinen festen Platz im russischen Schulalltag – selbst Kleinkindern wird schon in speziellen Abenteuercamps eine positive Einstellung zum Militär eingeimpft (vgl. Dornblüth 2015).

Wer sich den militaristischen Tendenzen widersetzen will, kann dies kaum öffentlich tun, ohne als Landesverräter gebrandmarkt zu werden. Widerstand gegen die offizielle Staatsdoktrin wird so – wie zur Zeit der Sowjetunion – in den geschützten Raum der Privatsphäre abgedrängt.

alles lesen:

https://rotherbaron.com/2015/12/13/der-krieg-als-verrat-am-selbst-anti-kriegslieder-in-der-russischen-gitarrenlyrik/

Des Bloggers Lieblingsgedicht: https://rotherbaron.com/ueber-mich/

Wacht auf, – denn eure Träume sind schlecht!
Bleibt wach, – weil das Entsetzliche näher kommt.
Auch zu dir kommt es, der weitentfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiß.

„Oh, angenehmer Schlaf
auf dem Kissen mit roten Blumen,
einem Weihnachtsgeschenk von Anita, woran sie drei Wochen gestickt hat,
oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern abend:
Osterlämmer, erwachende Natur, Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,
Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen, –
das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.

Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!
Auf ihm vergißt man das Ärgerliche der Welt, jene Nachricht zum Beispiel:
Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:
Die Frau, Mutter von sieben Kindern, kam zu mir mit einem Säugling,
für den sie keine Windeln hatte und der
in Zeitungspapier gewickelt war.
Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.
Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter liegt als der andre.
Und was kommen mag, unsere Enkel mögen es ausfechten.“

Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.
Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

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