Es ist an der Zeit – Hagalaz

In Hagalaz werden wir mit unseren Ängsten, den Toden, der Wandlung, der Abscheidung konfrontiert. Der Schnitter kommt, das Sieb, das Gericht … der geistige Hagel bricht über unsere Felder herein, plötzlich, die reiche Ernte, die man bereits eingefahren und sicher glaubte, ist zerstört. Was soll im Winter nun werden?

Hel erwartet die Verstorbenen, in ihrem Reich hinter der Brücke Gjallarbrú, die über den Fluß Gjoll führt und die Lebenden von den Toten scheidet und von einer jungen Frau namens Mogdud bewacht wird.

Hagalaz – Es ist Zeit des Wägens, des Nehmens … der Kaiser ist nackt. Was sagst Du, wenn der Hüter der Schwelle Dich fragt: Was willst Du?

Du leuchtest mit Deiner Laterne in Deine dunkelsten Ecken – 9 Nächte ritt Hermod auf Sleipnir durch die dunkelsten Täler – es gibt kein oberflächlichen Antworten, kein Flunkern, keine Klugheit, keine Schläue in der Begegnung mit dem Wächter. Was willst Du? tönt die Stimme des Wächters und Hüters der Schwelle in unserer Tiefe. Wir sind nackt.

Was willst Du ? -in einer Welt, in der Materielles nichts zählt und Wissen den Wert eines Sandkorns in der Wüste hat? Was willst Du? – in einer Welt, in der es keine Zeit gibt, keine Vergangenheit und keine Zukunft, keinen Hunger, keinen Durst und keine sonstigen Bedürfnisse, die der Mensch 24 Stunden pro Tag stillen muß, wie atmen, sich bewegen, geliebt werden, sich an Regeln halten, geachtet werden, Frieden haben, keine Existenzsorgen haben … Was willst Du in der Welt jenseits von Gjallarbrú und Bifroest?

Das fragt Dich die Wächtermaid Mogdud und der Heimdallr.

Hermod (ein Bote wie Hermes) antwortete dereinst der Mogdul: Ich suche den Balder …das Licht. So wie auch der Engel die Maria fragte, als sie im Grab Jesu stand: Was suchst Du?

Und als Hermod, der Sohn Odins, der Bruder des Balder und des blinden Hödur (der durch Lokis Trick den Balder mit einer Mistel ums Leben brachte) später die Hel fragte, unter welchen Bedingungen sie Balder, das Licht, das Ich-Bewußtsein? wieder aus ihren Tiefen entlassen würde, antwortete sie: wenn alle Welt um Balder weint… und so geschah es, dass tatsächliche alle um Balder weinten, jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier, die Asen und Riesen… bis auf eine Riesin: Thök, auf englisch: thank, der Dank, der Lohn. Ein Hinweis darauf, daß das Ich-Licht, das Ich-Bewußtsein, den Dank nicht kennt, aber die Dankbarkeit der Schlüssel dafür ist, daß das Ich-Bewußtsein aus Helheim wiederaufsteigen kann.

So richtet Euch nun zu dieser Hagalaz Zeit, bewertet und wägt nicht das Außen, sondern Euch selbst und Euere Taten, Euere Gefühle, Euer Sein. Sucht das Licht und Euer Ich-Bewußtsein in Helheims nebeliger Unterwelt und suchet Thök, den Dank, auf . Ihr tragt Balder in Euch und könnt der Dankbarkeit zu Lebzeiten Euere Aufwartung machen. Seid gewiß, es wird die Zeit kommen, da auch Euer Balder vom blinden Hödur gemordet wird.

Kein Schutz ist Vollkommen und es wird immer ein tödliche Geschoß heranwachsen. Eine Mistel, weich und schmarotzend in den Kronen stattlicher Bäume, der Mächtigen, wachsend, sich von ihrem Saft ernährend, von den Bäumen hoch hinaufgetragen in sonnige, luftige Höhen, nicht lebensfähig ohne ihren mächtigen Wirt.

Die Mistel – sich streng in der zweier Potenz teilend, ist giftig und erzeugt als homöopathisches Heilmittel ein Fieber im Menschen, welches Krebszellen angreift. Krebs ist die form- und funktionslose Zellvermehrung in einem hochorganisierten Organismus. Eine Entartung, in der nur noch das Wachstum, die Vermehrung um seiner Selbst Willen zählt. Man könnte sagen, eine Krebszelle ist eine egoistische Zelle geworden.

So wie Balder, als er sich in seiner Unverwundbarkeit sonnte, Balder, der Sonnenkönig war entartet, das Ich-Bewußtsein hatte die Grenze zur Egomanie überschritten und Loki, die bremsende Kraft, die jede Fehlentwicklung des Tugendhaften und Wahrhaftigen rigoros bekämpft, schreitet sofort zur Tat. Die Blindheit, der Bruder des Ich, wird dem fehlentwickelten Ich, dem Ego, zum Verhängnis. Er erschießt den Bruder mit einer weichen harmlosen Mistel aus Lokis Hand.

Doch verzaget nicht, denn Hel hütet den Balder gut und schützt ihn in ihrer Weisheit vor Ragnarök. In der dunklesten Zeit, als die gesamte Erde niedergebrannt ist, entläßt sie Balder, das Bewußtseinslicht, aus der Unterwelt. Baldur- geläutert wie es scheint – geht den angewiesenen Weg und ermöglicht den Überlebenden, den Menschen, die Erschaffung einer neuen Welt des Ich-Bewußtseins ohne Nebel.

Doch bis dahin … Hagalaz! Das Gericht, die Prüfung, das Scheiden von Spreu und Weizen, die Konfrontation mit dem Hüter der Schwelle, eine lebensbedrohliche Zukunft vor Augen, kein Trost in Sicht. Allein der Mut sich der Frage der Mogdud zu stellen: Was suchst Du?

DAS LICHT!

2 Kommentare zu „Es ist an der Zeit – Hagalaz“

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