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Rückbesinnung – der B-AU-M

heute, am Donnerstag, dem Donar-Tag. Dem Tag des Donnerschlags, der das atmosphärische Feuer begleitet, wenn es hin und wieder in einen Baum einschlägt. Dieser Tag scheint mir recht zu sein, um sich einem der heiligsten „Dinge“ unserer (wie auch immer verorteten) Vorfahren ein wenig anzunähern.

Vielleicht findet der ein oder andere Leser hierin ein wenig Inspiration zwischen spirituellen und faktischen Darlegungen. Nicht nur für seinen Alltag, sondern auch für sein Geistesleben und seine Weltentaten in diesen Zeiten.

Steigen wir mittenhinein, ohne große Umschweife:

Was spricht der „deutsche“ Mensch, wenn er ein bestimmtes, gewaltigen Pflanzenwesen erkennt?

Dieses Wesen, oder diese Wesen, die sich in der Erde verankern und mit ihren Ästen in den Himmel ragen?

Wesen, deren Säfte bis heute unerklärlich (alle Theorien hierzu sind nicht ausreichend) in höchste Höhen hinaufsteigen und wie ein kontrollierter Wasserfall wieder hinunter in die Erde strömen, ohne, daß es durch den Druck die Leitbahnen und damit den Baum selbst zerreißt? Die Physik lehrt uns, nicht die Wassermenge bestimmt den Druck, sondern einzig und alleine die Höhe der Wassersäule. Dh. ein riesiger See, kniehoch mit Wasser gefüllt drückt auf jeden Zentimeter des Grundes und des seitlichen Ufers mit der gleichen Kraft nach unten und an die Seiten wie das Wasser eines Kinderplanschbeckens mit der gleichen Wasserhöhe.

Dieses wundersame Pflanzenwesen also,  das an der Luft atmet und von dem wir heute wissen, daß es unter völligem Ausschluß von Wärme (und damit Verlust) Energie erzeugt und eine Vielfalt hervorbringt, daß man nur staunen kann, wollten unsere Vorfahren benennen. Aber das ging natürlich und nicht intellektuell. Es ging über die Empfindung und die Angebundenheit an den Kosmos und die Welt.

Der „deutsche“ Mensch – und nur der deutsche, empfindet: Dieses Wesen ist der Herrscher des Landes und über alles, was dort lebt. Im Pflanzen REICH und im Tier REICH. Dieses Wesen trägt die KRONE! Das Herrschaftssymbol seit jeher. Kein Tier trägt eine Krone, noch nichteinmal der König der Tiere, der Löwe, auch nicht der stille Herr des Waldes, der Hirsch. Auch nicht der mächtige, furchterregende Berg. Selbst der hat nur einen materiellen Gipfel, wie Bäume einen Wipfel.

Diese Empfindung des deutschen Menschen muß seine Entsprechung finden in Laut und Klang des Wortes, mit dem er das „Ding“, das Gegenständliche benennt. Laut und Klang wurden jedoch nicht mit dem Verstand gesucht, unsere Sprache ist kein künstliches Konstrukt, sondern Ausdruck des Lebendigen und selbst lebendig. (zu den Bezeichnungen in anderen Sprachen )

Und da wir zur Sprachfamilie der Indo-Germanen gehören, ist es legitim, daß wir auf der Suche nach diesem Lebendigen etwas nach Indien blicken und feststellen, daß es dort einen Klang-Laut gibt für die kosmische Krone des Lebendigen. Das OM oder AUM.

http://fvn-rs.net/PDF/GA/GA267.pdf: Rudolf Steiner widmete dieser altorientalischen Gebets- oder Erkenntnisformel einen ganzen Vortrag (Dornach, 1. 4. 1922, GA211). Darin wird dargestellt, wie man ursprünglich in der altorientalischen Yogaschulung mit dem in die Einatmungsluft hineingelegten Vokalton, der zwischen a und o oder zwischen a und u ist, das innere Gewölbe des Hauptes abgetastet habe, und darin, weil es ein Abbild des ganzen Weltenalls ist, die Offenbarung des Weltenwortes, dessen, was schöpferisch schaffend die Welt durchwellt und durchwebt, erfassen konnte.

Ja, unser H-AU-PT, das in unserer Alltagssprache seinen Adel eingebüßt hat und zum „Kopf“ mutierte. Wie edel ist es, wenn ein Mensch aus tiefsten seelischen Beweggründen sein H-AU-PT senkt in Demut, Trauer oder Zuwendung. Sein Haupt erhebt, eine Haarpracht auf dem Haupt erwächst und das Haupt die Krone trägt.

Und wie kalt und sklavisch erscheint es, wenn jemand den Kopf hinhalten muß, den Kopf senkt als Sünder, Kopfschmerzen hat, geköpft wird, verkopft ist, zu wenig Haare auf dem Kopf hat, den Kopf nicht richtig benutzt, kopflastig ist, dickköpfig ist, eine Kopfnuss bekommt und kopfrechnenen muß. Noch weiter hinunter geht es mit dem materiellen Wort Schädel, dem reinen Knochen, dem, was nach dem Tode als Skelett übrig bleibt. Das Wort „Rübe“ hingegen, aus der bäuerlichen Anschauung heraus, bedürfte sicher einer eigenen Betrachtung.

Könnte dieses langgezogene AU tatsächlich der Klang-Ton der atmenden Seele im Kosmos sein?

R. Steiner schreibt weiter, daß in der Ausatmung mit dem Konsonantenton M (nicht „em“ gesprochen, sondern nur „m“) dann in absoluter Hingabe an das Weltenall das Bekenntnis zum Weltenwort ausgehaucht werde. Und so habe man erkennen können:

Einatmung ist Offenbarung,

Ausatmung ist Bekenntnis,

und <aum> ist die Zusammenfassung von Offenbarung und Bekenntnis, das Beleben des Weltengeheimnisses in sich selbst, das Sich-Bekennen zu diesem Weltengeheimnis in sich selbst.

Dabei bleibt es jedoch nicht und daher darf der geneigte Leser sich an dieser Stelle eine kleine Ver-SCHNAUF-pause gönnen und das Gelesene ver-ATMEN und ver-DAUEN.

Aus oben dargestellten Verhältnis kann man weitergehen (bitte berücksichtigen, daß im Folgenden  „der Wille“ NICHT gleichzusetzen ist mit „Wünschen und Wollen“! Wünschen und Wollen sind leicht beeinflußbare, wankelmütige Triebe, der Wille ist eine innere Kraft, allerdings eine, die bei mangelnder Übung erschlaffen kann, was dann auch die Körperfunktionen beeinträchtigt).

Steiner schreibt also weiter über das Atmen:

Die Einatmung wird zum Gedanken, und
die Ausatmung wird zu dem willentlichen Ausleben des Gedankens.
Das heißt, wir (Anm: als Menschen) zerlegen dasjenige, was einstmals
  • Einatmung als Offenbarung,
  • Ausatmung als Bekenntnis war,

in Gedankenübung und Willensübung,

und bekommen dadurch – ebenfalls in Gedanken, aber in dem in der Meditation erübten Gedanken – die Offenbarung,

und in den Willensübungen, die ja auf der andern Seite ausgeführt werden, das Bekenntnis zu dem Geoffenbarten.

Falls diese spirituelle Erkenntnis Wahrheit ist, dann ist für den deutschen Menschen in seiner Sprache der B-AUM, die Offenbarung des atmenden Kosmos, des Bewußtseins und sein BE-kenntnis zum Weltenwort. Die Weltenesche Yggdrasil in jedem B-AUM.

Und wir Menschen vollziehen das Selbe auf einer anderen Stufe nach. Wir sind Bäume auf einer anderen Ebene.

Der B-AUM zeigt uns den Weg, ist uns Rückanbindung, von wo aus wir immer wieder aufs Neue beginnen können, wenn wir uns verlaufen haben.

Nehmen wir nun noch eine naturwissenschaftliche Erkenntnis hinzu (anderes Wissen haben wir nur noch sehr spärlich), nämlich die des physikalisch-chemisch atmenden Baumes.

Was ist das Merkmal für Atmung? Nein, Lungen sind es nicht, denn auch der Fisch hat keine Lungen und Würmer ebenfalls nicht, letztere atmen durch die Haut. Und doch atmen sie unbestritten. Auch Pflanzen atmen, nämlich über ihr Blattwerk tagsüber Kohlensäure (Kohlendioxid, CO2) aus und nachts Sauerstoff O2 ein.  Und als zweites Merkmal der Atmung sei auf die Rhythmik verwiesen. Der Atemzyklus eines Menschen dauert gewöhnlich und in Ruhe 4 bis 5 Herzschläge, der Atemzyklus eines Baumes einen Tag und eine Nacht, also annäherungsweise 24 Stunden.

Übertragen wir, daß die Einatmung die Bewegung der Offenbarung ist und die Ausatmung die Bewegung des Bekenntnisses, dann ist entsprechend die Nacht die Zeit der Offenbarung in der Natur und der Tag die Zeit des Bekenntnisses. Da Tag und Nacht sich fließend über die Erdregionen hinweg bewegen, gleiten Offenbarung und Bekenntnis wie eine große Welle überall dort um den Globus, wo Pflanzen und insbesondere Bäume leben.

Haben unsere Vorfahren dies gewußt? Oder empfunden? Am B-AUM erlebt?

Alles, was bisher geschrieben steht, ist sicher nur ein kleiner Hinweis auf die wahren Erkenntnisse, die man haben kann als spät geborener deutscher Mensch, denn das Wasser blieb in diesem Zusammenhang noch völlig unberücksichtigt.

Doch wenn unsere Vorfahren diese Erkenntnisse am B-AUM hatten, haben konnten, und diese tiefe Ehrfurcht hegen konnten, dann sollte dies in Rückbesinnung, in Verbindung mit unserem neuen, mühsam in 2000 Jahren angeeignetem bewußtem Denken, auch wieder möglich sein. Zurück in das urzeitliche Denken können wir nicht mehr. Unser Gehirn hat sich verformt an den neuen Erfordernissen. Aber die alten Fähigkeiten sind deswegen nicht verloren. Unsere Aufgabe wird sein, das Alte und das Neue miteinander zu verbinden, beide Fähigkeiten zu trainieren.

Nicht wieder in das Alte, Überholte zurückzufallen und nicht im Neuen zu erstarren ist nicht einfach.

Aber wenn wir schöpferisch werden, schöpferische Menschen sind, dann wird aus dem Alten und dem in Erstarrung begriffenem Neuen etwas Lebendiges werden können. Aus rhythmischer Gedankenübung und Willensübung im Atmen schöpfen wir das Lebendige. Gehen wir zum B-AUM…..

Baum mit dicken Stammfuss und mächtigen Ästen

https://www.baumpflegeportal.de/aktuell/starke-baumtypen-tassilolinde-wessobrunn/

Auch Tassilo der Dritte, bayerischer Herzog und Vetter Karl des Großen, ließ sich einst im Schatten einer mächtigen Linde erschöpft und durstig für eine Rast nieder. Im weichen Moos und unter dem sanften Rauschen des Blätterdaches schlief er ein. Im Traum erschien ihm ein Engel, der klares Wasser schöpfte. Wieder wach, fand Tassilo zusammen mit seinem Jagdgefährten eine nahegelenge Quelle, die ihren Durst löschte. Der Herzog sah in der Quelle ein himmlisches Zeichen und gründete das Kloster Wessobrunn. Der Sage nach ist dies alles im Jahre 753 geschehen. Unwahrscheinlich, dass die Linde, unter der sich Tassilo zu Ruhe legte, noch die heutige und seinen Namen tragende Linde ist. Auch der Mythos, die Linde wäre mit der Gründung des Klosters im 8. Jahrhundert gepflanzt, ist für eine Winterlinde nahezu auszuschließen. Die Baumart wird maximal 1000 Jahren alt. Realistische Schätzungen für das Alter der Tassilolinde belaufen sich auf 450 bis 800 Jahre. Messen lässt sich das Alter des Baumes nicht mehr. Das Kernholz ist längst verrottet und der heutige Baum ist wahrscheinlich aus neuen Trieben des Baumes erwachsen.

und doch ist es das selbe Lebewesen, der selbe B-AUM, mit der Kraft, sich immer wieder zu verjüngen.

 

Leser Kommentar – vielen Dank: DeausdemWald

Quelle

Sag ich’s euch, geliebte Bäume?

Sag ich`s euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wißt es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr geniessen mag.
Goethe´s Beitrag zur Deutschen Kultur

Der Baum

Der Baum, auf dem die Kinder
Der Sterblichen verblühn,
Steinalt, nichts desto minder
Stets wieder jung und grün.
Er kehrt auf einer Seite
Die Blätter zu dem Licht,
Doch kohlschwarz ist die zweite
Und sieht die Sonne nicht.
Er setzet neue Ringe,
So oft er blühet, an,
Das Alter aller Dinge
Zeigt er den Menschen an.
In seine grüne Rinden
Drückt sich ein Name leicht,
Der nicht mehr ist zu finden,
Wenn sie verdorrt und bleicht.
So sprich, kannst du’s ergründen
Was diesem Baume gleicht?
Schiller´s Beitrag zur Deutschen Kultur

 

Der Berg Sesam – öffne Dich

Der Berg, ahd. perac, mhd. berc, birgt und verbirgt. Er ist Inbegriff von Bergung und Hilfe. Die Verben bergen und verbergen bedeuten hüten und (sich) schützen, behütet sein, in guter Hut sein. Damit im Zusammenhang steht auch Burg, noch deutlicher als Berg, als Zufluchtsstätte zu verstehen. Im Lateinischen ist arx, Burg, urverwandt mit dem gotischen alhs, und dem althochdeutschen alah. Hier schließt sich der sprachgeschichtliche Kreis. Die Burg war der Zufluchtsort der Dorfgemeinschaft, wenn Feinde nahten. Grundidee beider, Berg und Burg, ist der figürliche Hintergrund von „in Sicherheit sein, in Sicherheit bringen“. Burg, Berg und Gebirge sind so verstanden Feste und Festung, sie gewährten Schutz vor Angriffen und Begehrlichkeiten. Wie eine Burg bot ein unzugänglicher Berg mit geheimen Höhlen und Gängen Schutzraum für Gemeinschaft, Familie, Hab und Gut.

weiterlesen:http://gsimon.de/sesam-oeffne-dich-schaetze-verborgen-in-der-tiefe-des-berges/

 

 

Sprachmystik europäischer Völker

Der deutsche Baum.

B-e-wahr-end mit Deiner Krone uns umhüllend und stämmig stehst Du bis in die Tiefen des Alls hinunter tönend.  Aah – Mächtig wirkst Du seit UR-Zeiten für uns Himmel und M-utter Erde verbindend. Du nährst uns mit Deinen köstlichen Früchten.

Der englische Tree und der norwegische Treet

bis weit hinauf in den Himmel streckend, sich wiegend und wankend gegen die Naturgewalten strebst Du aufrecht in den Himmel – in die Höhe. Möge sich unser ICH an Dir aufrichten.

Der französische arbre

Ah wunderbares Wesen, bist Du. Unser Hort und Schutz, stehst Du unverrückbar fest HIER verwurzelt in bewegter Zeit, Vergangenheit und Zukunft und nur durch der Axt Gewalt wirst Du weichen. Im Sturmwind knarren Deine Äste.

Der spanische arbol

Ah-welch göttlich Geschenk. Wenn Du dich wiegst im Wind und uns die Decke Deines Blätterdaches Schatten spendet empfinden wir das om des All-Seins, das durch Deinen Stamm hinauf und herunter strömt.

Der italienische albero

Ehrfürchtig blicken wir und staunen, wenn Du vor uns stehst mit Deinen biegsamen Zweigen und deiner beschirmenden Krone. Nicht wie harter Fels stellst Du Dich mit Deinem Stamm gegen den Sturm, sondern lebst als All-kosmisches Wesen mit Deinen Zweigen und Blättern in den Lüften, wie mit den Wurzeln im tiefen Grund, wo Alberich seine Schätze hütet.

Der schwedische Træd

Wie bewegtes Wasser, an dem Du stehst, klingst Du uns. Nicht mächtig doch himmelsverbunden reichst Du hinauf zu tiefen Wolken und bildest aus Zeit und Licht, was uns dient.

Außereuropäisch: Der chinesische shu und mu

Deine Blätter rascheln im Wind wie im Sturm, geheimnisvoll raunend von UR-Zeit träumend unter des Mondes Licht. Lausche. Sich uns opfernd und wie eine Mutter sorgend für alles Lebensnotwendige – der Bambus. Verrate das Geheimnis nicht.