Poetisches und Kultürliches

 

Optimismus

Ich war, wie meistens, ziemlich spät,
verlangte noch ein Halbpfund Brät,
schob Karren samt der Einkaufsbeute
zur Kasse hin. Die andren Leute

war’n längst zu Haus. Der Laden schloss.
Mein Fahrrad und mich selbst begoss
der Petrus, wie es schien, aus Kübeln.
Ich ließ den Tag mir nicht verübeln.

Der Regen rann von meinem Kinne,
wie von defekter Hausdachrinne,
als ich mich übern Lenker bückte
und die Pedale kraftvoll drückte.

Mir klatschte Regen ins Gesicht,
ich sah die alte Dame nicht…
So flogen hart wir auf den Teer,
die Frau schrie auf und schnaufte schwer.

Ich fühlte schuldig mich und nass.
Verteilt lag auch der ganze Spass,
den ich mir kurz zuvor erstand.
Es floss die Milch zum Strassenrand.

Im Weitern war der Teer besät
mit Popcorn, Honig, Brot und Brät.
Auch fehlte mir mein linker Schuh.
Da rief die alte Frau mir zu:

„Wir leben, junger Mann, Du siehst,
im Land, wo Milch und Honig fließt!“

Christoph Sutter (geb. 1962), www.verse.ch

GEDICHTE: Lied im Freien, Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)

Landscape

Wie schön ist’s im Freien!
Bei grünenden Maien
Im Walde, wie schön!
Wie süß, sich zu sonnen,
Den Städten entronnen,
Auf luftigen Höhn!

Wo unter den Hecken
Mit goldenen Flecken
Der Schatten sich mischt,
Da lässt man sich nieder,
Von Haseln und Flieder
Mit Laubduft erfrischt.

D’rauf schlendert man weiter,
Pflückt Blumen und Kräuter
Und Erdbeern im Gehn;
Man kann sich mit Zweigen,
Erhitzet vom Steigen,
Die Wangen umwehn.

Dort heben und tunken,
Gleich blinkenden Funken,
Sich Wellchen im Bach:
Man sieht sie verrinnen
In stillem Besinnen,
Halb träumend, halb wach.

In weiten Bezirken,
Mit hangenden Birken
Und Buchen besetzt,
Gehn Dammhirsch und Rehe
In traulicher Nähe,
Von niemand gehetzt.

Am schwankenden Reisig
Hängt zwitschernd der Zeisig,
Vor Schlingen nicht bang;
Erfreut, ihn zu hören,
Sucht keiner zu stören
Des Hänflings Gesang.

Hier sträubt sich kein Pförtner,
Hier schnörkelt kein Gärtner
Kunstmäßig am Hain:
Man braucht nicht des Geldes;
Die Blumen des Feldes
Sind allen gemein.

Wie schön ist’s im Freien!
Despoten entweihen
Hier nicht die Natur.
Kein kriechender Schmeichler,
Kein lästernder Heuchler
Vergiftet die Flur.

 

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Als sie in Nürnberg saßen, die Großen, zu Gericht,
fragten in Dresden die Mütter: ruft man uns nicht?
Aus den Kellern wollen wir kriechen und starren
in euer Gesicht, wir Rest der Mütter von Dresden,
die andern leben ja nicht.

Sie wurden erlegt, und die Toten reden ja nicht.
Aber wir, die in Kellern noch schleichen,
ruft man uns nicht?
Unmenschliches zu ahnden, so sagt ihr, sei eure Pflicht.
Da sind wir! Bessere Zeugen findet ihr nicht.
Sie schwebten hoch, die Geschwader, und lösten
die Bomben dicht drei Tage lang ungefährdet,
und kamen Schicht um Schicht.
Kinder mit Spielzeug in Händen – ihr saht sie ja nicht! –
zerstückelt wie auf der Fleischbank –
und immer noch Bomben dicht.
Das berstende Höllenfeuer, euch brannte es nicht.

Wir starrten in unserer Kinder verkohltes Angesicht.
Habt ihr gewiegt in den Armen den kleinen Leib?
Ihr nicht! In unseren Fingern zerfiel er,
den wir geboren ins Licht.
Stück nach Stück von den Knochen,
– seht, wie er bricht!
Die Zähne nur blinkten noch weiß.
Ach, so grausam schlachtet man Kälber nicht.
Zu Nürnberg, ihr Großen, nun sitzt ihr zu Gericht.
Ruft ihr die Mütter von Dresden nicht?

Heinrich Zillich

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Sammlung kritischer Lyrik und Lieder:

https://derbrdsklave.wordpress.com/category/systemkritische-liedtexte/
zum Beispiel:

Ich bin ein freier Mann

Blendwerk Toleranz

Wer jetzig Zeiten leben will

Der Heimat Sohn

Ihr wisst schon wenn ich meine!

Frei wart ihr nicht, Feige wart ihr wohl!

Du Glaubst

….

 

Allvater Anrufung

Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Recke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!

https://germanenherz.wordpress.com/tag/deutsche-treue/

Notwende

Wintermärchen
Auf kahlem Felsen unter Sternen
Saß im rauhen Winterhauch
Eine Drossel und ich fragte
Warum wanderst du nicht aus
Warum bleibst du, wenn die Stürme Brausen
über Flur und Feld
Da dir winkt im fernen Süden
Eine sonnenschöne Welt
Antwort gab sie leisen Tones
Weil ich nicht wie andre bin
Die mit Zeiten und Geschicken
Wechseln ihren leichten Sinn
Die da wandern nach der Sonne
Ruhelos von Land zu Land
Haben nie das stille Leuchten
In der eignen Brust gekannt
Mir erglüht’s mit ewgem Strahle
Ob auch Nacht auf Erden zieht
Sing ich unter Flockenschauern
Einsam ein erträumtes Lied
Dir auch leuchtet hell das Auge
Deine Wange zwar ist bleich
Doch es schaut dein Blick nach innen
In das ewge Sonnenreich
Lass uns hier gemeinsam wohnen
Und ein Lied von Zeit zu Zeit
Singen wir von dürrem Aste
Jenem Glanz der Ewigkeit
Lass uns hier gemeinsam wohnen
Und ein Lied von alter Zeit
Singen wir von dürrem Aste
Jenem Glanz der Ewigkeit
Aus: Darkwood „Notwendfeuer“

Des Buches Seele

Ein stiller Raum – – Es starren an den Wänden
Die Geister, denen du dich anvertraut,
Gefesselt und gebunden in den Bänden,
An denen stolz empor dein Auge schaut.
Du dünkst dich Herrscher hier in diesem Reiche,

Ein großer Mann beim kleinen Lampenlicht.
Ein Andrer dachte einst von sich das Gleiche,
Und wie du weißt, war er es dennoch nicht.

Du suchst nach Wahrheit schon seit vielen Jahren;
Du frugst nach ihr beständig Geist um Geist
Und konntest doch das Eine nur erfahren,
Daß du von ihr selbst heute noch nichts weißt.
Wie kamst du wohl dazu, grad die zu fragen,

Aus denen nichts als die Verneinung spricht?

Nur ich allein kann dir die Wahrheit sagen,
Doch diese eine Wahrheit – – glaubst du nicht!

Die Wahrheit nur kann dir die Wahrheit sagen,
Und diese liegt in der Verneinung nicht.

Du suchtest mit dem fragenden Verstande,
Der aus dir selbst und nicht von oben stammt,
Und darum fühltest du nach jedem Bande
Zu immer neuen Fragen dich verdammt.
Du hast, wie Faust, dem Geiste dich verschrieben,
Der mit dem Fluß der Rede dich besticht,
Und wirst auf diesem Flusse fortgetrieben,
Wozu, wohin, das sagt die Rede nicht.

Du wolltest herrschen als der Herr und Meister
Und bist jetzt nur noch im Gehorchen groß.
Du wurdest Schüler, Famulus der Geister
Und wirst als Lehrling sie nicht wieder los.
Sie treiben Mummenschanz mit dem Scholaren
Und thun, als sei das ihre ernste Pflicht.
Von ihrer Weisheit kannst du nichts erfahren,
Denn wahre Weisheit giebts bei ihnen nicht. – – –

Ein stiller Raum – – Auf blühenden Terrassen
Naht sich als lieber Gast der Sonnenschein.
Nun ist er da. Die offnen Fenster lassen
Ihn mit dem Duft der Rosen willig ein.

Er schaut sich um bei dir, tritt an die Wände
Und breitet über sie sein frohes Licht.
Was liest er dort? Die Titel deiner Bände?
O nein; für ihn giebt es ja Titel nicht.

Wohl auch für dich hat es sie einst gegeben,
Als du den Menschengeist nach Wahrheit frugst.
Dann aber sahst du mich herniederschweben,
Der du dein offnes Herz entgegentrugst.
Da schwanden vor dir alle irdschen Namen;
Nur ich allein bins, die noch zu dir spricht.
Und selbst die Geister sagen Ja und Amen,
Denn mich verneinen, dürfen sie ja nicht.

Ich bringe Buch um Buch dir zugetragen,
Um dir zu zeigen, wer es für dich schrieb.
Nicht Menschennamen hab ich dir zu sagen,
Und doch gewinnst du grad die Menschen lieb.
Ich laß vor dir den stolzen Geist verschwinden,
Weil er dein Urtheil und dein Herz besticht.
Du sollst des Buches reine Seele finden
Und sie zwar lieben, doch – – vergöttern nicht.

Und trittst du dann mit einem deiner Bände
Zum Rosenstrauch im lieben Sonnenschein,
So denk, ich öffnete dir meine Hände,
Und leg ein Rosenblatt ins Buch hinein.
Ich werde es mit meinen Blättern küssen
Aus Liebe und geschwisterlicher Pflicht,
Und wenn sonst alle Blätter welken müssen,
Dies Blatt von dir nimmt mir der Winter nicht.

Karl May.

Sag ich’s euch, geliebte Bäume?

Sag ich`s euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wißt es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr geniessen mag.
Goethe´s Beitrag zur Deutschen Kultur

Der Baum

Der Baum, auf dem die Kinder
Der Sterblichen verblühn,
Steinalt, nichts desto minder
Stets wieder jung und grün.
Er kehrt auf einer Seite
Die Blätter zu dem Licht,
Doch kohlschwarz ist die zweite
Und sieht die Sonne nicht.
Er setzet neue Ringe,
So oft er blühet, an,
Das Alter aller Dinge
Zeigt er den Menschen an.
In seine grüne Rinden
Drückt sich ein Name leicht,
Der nicht mehr ist zu finden,
Wenn sie verdorrt und bleicht.
So sprich, kannst du’s ergründen
Was diesem Baume gleicht?
Schiller´s Beitrag zur Deutschen Kultur

Notwende: 21.Mai.2019

Wach‘ auf du verrotteter Christ
Mach‘ dich an dein sündiges Leben
Zeig‘, was für ein Schurke du bist
Der Herr wird es dir dann schon geben
Verkauf‘ deinen Bruder, du Schuft
Verschacher‘ dein Ehweib, du Wicht
Der Herrgott, für dich ist er Luft
Er zeigt dir‘s beim Jüngsten Geticht!
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Von deutscher Zukunft  (Anton Wildgans nach 1918)

Von deutscher Zukunft soll ich Künder sein?
Zwei Säulen, denk‘ ich, tragen sie allein:
Die eine ist die deutsche Arbeitskraft,
Die sorgt und spart und Wert und Werke schafft.
Die andre ist der deutsche Edelgeist,
Der jenem Fleiße erst die Wege weist
Und über aller Wachheit nicht vergißt,
Dem Traum zu geben, was des Traumes ist.
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Die das Gras wachsen hören

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