Poetisches und Kultürliches

Wintermärchen
Auf kahlem Felsen unter Sternen
Saß im rauhen Winterhauch
Eine Drossel und ich fragte
Warum wanderst du nicht aus
Warum bleibst du, wenn die Stürme Brausen
über Flur und Feld
Da dir winkt im fernen Süden
Eine sonnenschöne Welt
Antwort gab sie leisen Tones
Weil ich nicht wie andre bin
Die mit Zeiten und Geschicken
Wechseln ihren leichten Sinn
Die da wandern nach der Sonne
Ruhelos von Land zu Land
Haben nie das stille Leuchten
In der eignen Brust gekannt
Mir erglüht’s mit ewgem Strahle
Ob auch Nacht auf Erden zieht
Sing ich unter Flockenschauern
Einsam ein erträumtes Lied
Dir auch leuchtet hell das Auge
Deine Wange zwar ist bleich
Doch es schaut dein Blick nach innen
In das ewge Sonnenreich
Lass uns hier gemeinsam wohnen
Und ein Lied von Zeit zu Zeit
Singen wir von dürrem Aste
Jenem Glanz der Ewigkeit
Lass uns hier gemeinsam wohnen
Und ein Lied von alter Zeit
Singen wir von dürrem Aste
Jenem Glanz der Ewigkeit
Aus: Darkwood „Notwendfeuer“

Des Buches Seele

Ein stiller Raum – – Es starren an den Wänden
Die Geister, denen du dich anvertraut,
Gefesselt und gebunden in den Bänden,
An denen stolz empor dein Auge schaut.
Du dünkst dich Herrscher hier in diesem Reiche,

Ein großer Mann beim kleinen Lampenlicht.
Ein Andrer dachte einst von sich das Gleiche,
Und wie du weißt, war er es dennoch nicht.

Du suchst nach Wahrheit schon seit vielen Jahren;
Du frugst nach ihr beständig Geist um Geist
Und konntest doch das Eine nur erfahren,
Daß du von ihr selbst heute noch nichts weißt.
Wie kamst du wohl dazu, grad die zu fragen,

Aus denen nichts als die Verneinung spricht?

Nur ich allein kann dir die Wahrheit sagen,
Doch diese eine Wahrheit – – glaubst du nicht!

Die Wahrheit nur kann dir die Wahrheit sagen,
Und diese liegt in der Verneinung nicht.

Du suchtest mit dem fragenden Verstande,
Der aus dir selbst und nicht von oben stammt,
Und darum fühltest du nach jedem Bande
Zu immer neuen Fragen dich verdammt.
Du hast, wie Faust, dem Geiste dich verschrieben,
Der mit dem Fluß der Rede dich besticht,
Und wirst auf diesem Flusse fortgetrieben,
Wozu, wohin, das sagt die Rede nicht.

Du wolltest herrschen als der Herr und Meister
Und bist jetzt nur noch im Gehorchen groß.
Du wurdest Schüler, Famulus der Geister
Und wirst als Lehrling sie nicht wieder los.
Sie treiben Mummenschanz mit dem Scholaren
Und thun, als sei das ihre ernste Pflicht.
Von ihrer Weisheit kannst du nichts erfahren,
Denn wahre Weisheit giebts bei ihnen nicht. – – –

Ein stiller Raum – – Auf blühenden Terrassen
Naht sich als lieber Gast der Sonnenschein.
Nun ist er da. Die offnen Fenster lassen
Ihn mit dem Duft der Rosen willig ein.

Er schaut sich um bei dir, tritt an die Wände
Und breitet über sie sein frohes Licht.
Was liest er dort? Die Titel deiner Bände?
O nein; für ihn giebt es ja Titel nicht.

Wohl auch für dich hat es sie einst gegeben,
Als du den Menschengeist nach Wahrheit frugst.
Dann aber sahst du mich herniederschweben,
Der du dein offnes Herz entgegentrugst.
Da schwanden vor dir alle irdschen Namen;
Nur ich allein bins, die noch zu dir spricht.
Und selbst die Geister sagen Ja und Amen,
Denn mich verneinen, dürfen sie ja nicht.

Ich bringe Buch um Buch dir zugetragen,
Um dir zu zeigen, wer es für dich schrieb.
Nicht Menschennamen hab ich dir zu sagen,
Und doch gewinnst du grad die Menschen lieb.
Ich laß vor dir den stolzen Geist verschwinden,
Weil er dein Urtheil und dein Herz besticht.
Du sollst des Buches reine Seele finden
Und sie zwar lieben, doch – – vergöttern nicht.

Und trittst du dann mit einem deiner Bände
Zum Rosenstrauch im lieben Sonnenschein,
So denk, ich öffnete dir meine Hände,
Und leg ein Rosenblatt ins Buch hinein.
Ich werde es mit meinen Blättern küssen
Aus Liebe und geschwisterlicher Pflicht,
Und wenn sonst alle Blätter welken müssen,
Dies Blatt von dir nimmt mir der Winter nicht.

Karl May.

Sag ich’s euch, geliebte Bäume?

Sag ich`s euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wißt es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr geniessen mag.
Goethe´s Beitrag zur Deutschen Kultur

Der Baum

Der Baum, auf dem die Kinder
Der Sterblichen verblühn,
Steinalt, nichts desto minder
Stets wieder jung und grün.
Er kehrt auf einer Seite
Die Blätter zu dem Licht,
Doch kohlschwarz ist die zweite
Und sieht die Sonne nicht.
Er setzet neue Ringe,
So oft er blühet, an,
Das Alter aller Dinge
Zeigt er den Menschen an.
In seine grüne Rinden
Drückt sich ein Name leicht,
Der nicht mehr ist zu finden,
Wenn sie verdorrt und bleicht.
So sprich, kannst du’s ergründen
Was diesem Baume gleicht?
Schiller´s Beitrag zur Deutschen Kultur

Notwende: 21.Mai.2019

Wach‘ auf du verrotteter Christ
Mach‘ dich an dein sündiges Leben
Zeig‘, was für ein Schurke du bist
Der Herr wird es dir dann schon geben
Verkauf‘ deinen Bruder, du Schuft
Verschacher‘ dein Ehweib, du Wicht
Der Herrgott, für dich ist er Luft
Er zeigt dir‘s beim Jüngsten Geticht!
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Von deutscher Zukunft  (Anton Wildgans nach 1918)

Von deutscher Zukunft soll ich Künder sein?
Zwei Säulen, denk‘ ich, tragen sie allein:
Die eine ist die deutsche Arbeitskraft,
Die sorgt und spart und Wert und Werke schafft.
Die andre ist der deutsche Edelgeist,
Der jenem Fleiße erst die Wege weist
Und über aller Wachheit nicht vergißt,
Dem Traum zu geben, was des Traumes ist.
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Die das Gras wachsen hören

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