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SHTF: Erste Hilfe bei Brandverletzungen Teil 3 – Wundpflege

Aber was tun, wenn man in einem SHTF  keinen Zugang zu schneller high-tech Hilfe hat? Darum soll es ja in diesem Blogbeitrag gehen.
Wie Ihr in den vorangegangenen Artikeln gelesen habt, gibt es nicht allzuviel Handlungsspielraum für den Ersthelfer. Alles konzentriert sich darauf, so schnell als möglich in eine Spezialklinik zu kommen.
Ist man in einem SHTF Szenario, dann kommt es in aller erster Linie auf die sorgfältige Wundpflege an, auf die ich daher versuche, so gut es in einem Blog eben möglich ist, einzugehen.
Bitte lest den Disclaimer und den Haftungsauschluß der SHTF Reihe in den vorangegangenen Artikeln. Jeder muß sich selbst anhand von Quellenstudium kundig machen, ich übernehme keine Verantwortung für Vollständigkeit und Richtigkeit der folgenden Informationen.
Also, es gibt zumindest etwas Hoffnung:
In dieser Studie hat sich eine außerordentlich gute Wirksamkeit gegen Infektionserreger ohne Nebenwirkungen von Nano-kristallinem-Silbergel für Brandwunden 2. Grades gezeigt.
Es erwies sich wirksamer und nebenwirkungsfreier als alle anderen bisher in der Medizin genutzen Silberprodukte, die zwar keimreduzierend, aber auch zellschädigend wirken.
Die Heilungsdauer bei eher lokalen Schädigungen und sorgfältiger / professioneller Wundpflege belief sich auf 6 – 8 Wochen, bei stark verringertem Infektionsrisiko, wobei 50%  der Wunden bereits nach 4 Wochen zugeheilt waren. Man muß aber beachten, daß Gele eine stark auskühlende Wirkung haben und Brandverletzte nur noch über eine eingeschränkte eigene  Temperaturregulationsfähigkeit verfügen.
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt bei schweren Verbrennungen das abgestorbene Gewebe in den ersten Tagen bei jedem Verbandswechsel regelmäßig zu entfernen und keine alkoholischen Lösungen zur Desinfektion zu verwenden.
Verfärbungen und Blutungen sowie eine Entzündung des umliegenden Gewebes weisen auf eine Infektion hin, die dringend einer spezifischen Antibiotika Therapie bedarf. Auftretendes Fieber hingegen muß kein Infektionszeichen sein, sondern tritt relativ häufig auf, bis die Wunde sich verschlossen hat.
Bei Handverbrennungen wird geraten, die Hände kontinuierlich für 48h  mindestens leicht über Herzhöhe zu halten (minimiert die Schwellung) und anschließend mit leichten Bewegungsübungen zu beginnen.
Die Finger (ebenso Zehen) sollten immer einzeln verbunden werden, um ein Verkleben miteinander zu vermeiden!

Hier gibt es eine Studienauswertung zu den verschiedenen Verbänden, die man sich bei Interesse einmal durchlesen kann.

Über das stadiengerechte Wundmanagement kann man hier nachlesen,
Vielleicht will sich der ein oder andere Leser etwas von den erwähnten Produkten  besorgen.
Über Neuentwicklungen im Bereich Wundversorgung bietet z.B. die Initiative chronische Wunden (ICW) eine zertifizierte Zusatzqualifikation zum „Wundexperten ICW“.
Für leichte Verbrennungen leisten übrigens die in der Apotheke erhältlichen Brandwundengele, die auch juckreizstillend wirken, gute Dienste. In der Prepperszene bekannte antibakterielle Gelverbände sind Burnshield oder Water Jel.
Wie eine kleine (weniger als handtellergroße) Verbrennung 2. Grades ambulant von einem Arzt versorgt werden kann, ist hier zu sehen.
Die Wunde war ca 1 Tag alt und nicht infiziert. Der Patient hatte sie zuhause anfangs mit Leitungswasser gekühlt und mit einem Hautdesinfektionsmittel besprüht. Der Arzt behandelt die Wunde mit einem desinfizierenden Brandgel und legt einen Silikon-Schaumverband auf, der – solange weder Rötung, Schmerz oder Schwellung … auftreten – für 2-3 Tage verbleiben kann und der Wunde Ruhe zur Heilung läßt. Eine prophylaktische Antibiotikagabe erfolgt nicht!
Grundsätzlich gilt bei jeder Wundversorgung:
– Eigenschutz durch Handschuhe und
– möglichst gute Selbsthygiene, um die Wunde so gut es geht vor Verunreinigung und Infizierung zu schützen.
Entsprechende keimreduzierende Flüssigseifen gibt es in der Apotheke und sind für jeden Prepper empfehlenswert. Man kann mit ihnen auch sehr gut Wunden reinigen zB Tierbisse, Dornenstiche…
UND es gibt sogar Shampoo-Hauben für die Haare (desinfizierende Einmalwaschauben), die ohne Wasser auskommen. Nur so nebenbei ewähnt.
– auch in einem SHTF Szenario ist das sterile Arbeiten an der Wunde ein Überlebensfaktor für den Betroffenen. Tips hierzu:
– aseptische (= nicht infizierte) Wunden werden vor (infizierten) septischen Wunden versorgt
– der bestehende Verband wird mit unsterilen Handschuhen entfernt, und auf Durchfeuchtung, Blut, Eiterablagerung und die Wunde selbst auch hinsichtlich der fünf Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerzen, Überwärmung und Funktionseinschränkung) sowie Wundheilungsstörungen inspiziert, dann werden die Handschuhe möglichst übergestülpt und das Material im Abwurf entsorgt.
Für die weitere Wundpflege möglichst steril und mit sterilen Handschuhen arbeiten und sich die nötigen Dinge steril von einem Helfer reichen lassen. Der Helfer kann zB auch das betroffene Körperteil hochhalten und einem das Arbeiten erleichtern.
– die Pflegeperson darf sich nicht nah über die Wunde beugen oder direkt über ihr sprechen. Ein Mundschutz ist angebracht.
– die Wundreinigung erfolgt bei aseptischen Wunden von innen nach außen und
bei septischen Wunden von außen nach innen.
Wischt man zB mit einem sterilen Tuch in einem kreisförmigen Zug von innen nach aussen, darf dieses Tuch kein zweitesmal an die Wunde angesetzt werden. Auch nicht in einem SHTF Szenario. Würde man das tun, dann kann man die ganze Versorgung auch gleich bleiben lassen. Besser zuerst die Wunde ausgiebig berührungslos spülen und dann bei Materialknappheit einmal zum Schluß steril über die Wunde wischen.
Als Spül- und Desinfektionslösungen (mit denen man auch verklebte Verbände lösen kann) werden genannt:
1. Wahl: Ringer-Lösung (Apotheke) mit allen im Körper vorkommenden Elektrolyten inklusive Kalium und Calcium, die bei der physiologischen Kochsalzlösung fehlen
2. Lavasept® hat ein breites Wirkungsspektrum gegen Bakterien und Pilze, ist hypoallergen und stört das Zellwachstum nicht
3. Octenisept® ist ein farbloses wässriges Desinfektionsmittel für oberflächliche Wunden und Schleimhäute, es stört die Wundbeobachtung nicht und kann 1:1verdünnt werden. Ist aber leicht giftig für die Zellen. Vorsicht, es gibt auch eine alkoholhaltige Variante mit roter Verschlußkappe, die ist hier nicht gemeint.
Die links im Folgenden sind zwar auf englisch, aber führen zu einer Vielzahl von profesionellen Lehrvideos  meist in englischer Sprache, die man sich zumindest ansehen kann und die oft sehr anschaulich gestaltet sind.
Videos auf deutsch sind selten, was ich sehr schade finde, aber medizinisches Wissen wird hier bei weitem mehr als z.B.  in den USA  als „Geheimwissen“ behandelt, wahrscheinlich aus Angst, falsche / ungenügende Informationen zu verbreiten und die Menschen in der Selbstbehandlung zu ermuntern, was immer die Gefahr birgt, nicht rechtzeitig professionelle Hilfe aufzusuchen und die Situation zu verschlimmern!
Mein dringender Rat ist an dieser Stelle: solange wir den Luxus einer high tech Medizin und Zugang zu gut ausgebildeten Ärzten zur Verfügung haben, sollten wir das nutzen und weder uns noch andere unnötig durch laienhaftes Handeln in Gefahr bringen. Doch alles Wissen und alle medizinischen Kenntnisse,  die man sich jetzt aneignet, können im SHTF Fall nützlich werden. Insbesondere auch in der Assistenz von medizinischem Fachpersonal.
Interaktive Wundtherapeutika: bitte immer vor Anwendung die zugehörige und den Produkten beiliegende Fachinformation studieren! Hier kann ich nur einen Überblick/Ausschnitt über die  gegenwärtig häufig benutzten Produkte geben, mehr nicht! Als Ausgangspunkt für eigene Recherchen  zu diesem Thema.
Hydrokolloide binden Wundsekret  gut an Quellsubstanzen
Calcium-Alginate binden Wundsekret an Alginate, gelieren und bleiben damit gut in der Wundregion.
Silberimprägnierte Aktivkohle bei infizierten Wunden bindet Gerüche (die Nebenwirkung von Silber beachten)
Hydropolymere Schaumstoffverbände: erlauben Verdunstung von Wundsekret, ohne dass das Wundbett austrocknet (Heilung braucht eine gewisse Feuchte!) und polstern die Wunde.
Hydrofaser = Carboxymethylzellulose (Aquacel® , ConvaTec) sehr saugfähig bei viel Sekretbildung, aber nicht einsetzen bei trockenen Wunden. Die brauchen Hydrogele zur Befeuchtung.
Gaze – und Silikonauflagen: ermöglichen aufgrund ihrer geringen Haftung einen atraumatischen Verbandwechsel.
Polyacrylatkissen Tender Wet®: besitzt einen Polyacrylat-Kern mit Spül-Saugwirkung, dieser kann z.B. förderliche Ringer-Spüllösung speichern und nach und nach an die Wunde abgeben. Das Kissen nimmt andererseits aber auch leicht das eiweißhaltige Wundsekret auf.
Semipermeable (halbdurchlässige) Wundfolien: ermöglichen durch ihre Transparenz gute Wundbeobachtung ohne Verbandwechsel, schützen die Wunde vor eindringenden Keimen und sind wasserdicht, können jedoch kein Wundsekret aufnehmen.
Sorbact® ist einseitig mit Fettsäureester beschichtet, die wasserabweisende Oberfläche zieht die ebenfalls wasserabweisende Oberfläche von Bakterien und Pilzen an und sorgt somit für eine guteWundreinigung. Eine weitere Schicht kann Wundsekret aufsaugen.
Promogran® bindet Enzyme, die bei Wundsekretansammlung infolge von Wundheilungsstörungen wichtige Wachstumsfaktoren inaktivieren würden und sorgt für eine feuchtes Wundmilieu
Suprasorb C®  der hydroaktive Kollagenschwamm bindet Wundsekret, reinigt die Wunde und fördert die Granulation und Epithelisierung
Integra®  zeitweiliges Hautersatzprodukt mit einer die Zellneubildung fördernden quervernetzten Rinderkollagenschicht und einer Hautersatzschicht aus Silikon. Sie dient der Hautregeneration; nach der Bildung neuer Haut kann die Silikonschicht entfernt werden

Dexpanthenol:  fördert Zellwachstum und Epithelisierung  (insbesondere das Abheilen von Narben), lindert Juckreiz und Spannungsgefühle der frischen Narbe.

Prontosan W® (Johnson & Johnson):  enthält Polihexanid zur Wundreinigung, wird unverdünnt angewandt, sorgt für eine feuchte Wundbehandlung, ist gut gewebeverträglich.
Hyaluronsäure: ein natürlicher körpereigener Stoff, sorgt als steriles Granulat für eine feuchte Wundbehandlung und fördert das  Zellwachstum
Für eine effektive Wundheilung ist es notwendig, den Wundbelag (eine Mischung aus
Zelltrümmern, verdickten Fibrinbelägem, Keimem, nekrotischem Gewebe und Wundsekretresten)  durch lokale Wundspülung sorgfältig zu entfernen.
Erst danach kann ein phasengerechter Wundverband seine Funktion erfüllen und die Wunde schnell heilen.
Wird eine Wunde feucht gehalten, können Zellen besser wandern und werden vor dem Austrocknen bewahrt, was ansonsten zum Absterben führen würde. Feucht gehalten nehmen die Schmerzen rascher ab und die Heilung, besonders die Epithelwanderung, ist deutlich beschleunigt.
Nicht mehr zu verwendende Wundtherapeutika:
Bitte nie Mehl, Puder, Vaseline, Zahnpasta, Kohlblätter und derartige Hausmittel auf eine Wunde geben.
Salben und Pasten schaffen kein feuchtes Wundmilieu und können nur schwer wieder entfernt werden (erschwerte Wundreinigung, wobei die starke Wundmanipulation die Zellneubildung stört)
enzymhaltige Salben (z.B. Iruxol) greifen die Wundränder an und können zu Allergien führen
farbstoffhaltige Lösungen wie Povidon, Iod, Rivanol, Kristallviolett, Brilliantgrün verfärben die Wunde, verhindern die Wundanalyse aufgrund der Verfärbung und stören zum Teil die Wundheilung, infolge von Austrocknung und Allergisierung.
Honig wurde früher zur Wundbehandlung eingesetzt, weil der Zucker die Flüssigkeit aus den Bakterien zieht. Rechtlich betrachtet ist Honig aber kein zugelassenes Wundtherapeutikum. Allerdings gibt es auf Honig basierende zugelassene Gele.
Mehr zur alternativen Wundbehandlungen, wenn sonst nichts anderes verfügbar sein sollte, folgt.

 

 

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SHTF: Erste Hilfe bei Verbrennungen Teil 2

Im ersten Teil hatte ich darauf hingewiesen, daß in einem SHTF Szenario, das Risiko für Verbrennungen relativ hoch ist, meines Erachtens sogar höher als für irgendeine andere Verletzungsart, u.a., da viele Menschen im Umgang mit offenem Feuer nicht mehr geübt sind.

Und ich bin auf die mit einer Verbrennung einhergehenden Schäden eingegangen, die nicht nur lebenslange Beeinträchtigungen hervorrufen können, sondern auch dazu führen, daß 30% der Schwerbrandverletzten selbst unter den heutigen medizinischen high-tech. Bedingungen  (siehe auch  hier),  versterben (Zuschwellende Atemwege, Multiorganversagen, Infektionen, Ödeme behindern die Durchblutung innerer Organe … ) und der Rest eine jahrelange Nachsorge, oft mit vielen Folgeoperationen brauchen.

Daher ist die erste und wichtigste Empfehlung: Feuerlöscher, am Besten mit verschiedenen Inhaltsstoffen und Größen, Löschdecken, Brandmelder, ggf. Brandwachen am nächtlichen Feuer, Schutzhandschuhe, ggf. Atemschutzmasken (wobei eigentlich nur Masken mit Sauerstoffflaschen sinnvoll sind) , Übung und Vorsicht im Umgang mit Feuer, Beachtung des Brennverhaltens von Woll- und Kunststoffbekleidung, Kenntnis über den Umgang mit Säuren/Laugen und Kenntnisse über die Gefährdung durch stromführende Leitungen sind das aller aller Wichtigste. Vermeidung, Vermeidung, Vermeidung von Brandverletzungen !!!

Disclaimer und Haftungsauschluß entnehmt bitte den vorhergenden Artikeln der SHTF Reihe. Ich schließe jegliche Haftung und Verantwortung für die hier eingestellten Informationen und Handlungsfolgen aus und gebe keinen medizinischen Rat, sondern stelle nur freiverfügbare Infomationen zusammen. Meine Beiträge ersetzen weder Arzt noch fachliches Training. Bitte wendet Euch hierzu an die entsprechenden med. Fachleute.

Wenn es nun aber doch einmal passiert ist, welche Handlungsanweisungen geben die gegenwärtig in Prüfung befindlichen Leitlinien?

1. Rettung des Betroffenen aus der Gefahrenzone unter bzw. nur bei gegebenem  ausreichendem Selbstschutz,
2. die Überprüfung und Sicherung der Vitalfunktionen: an erster Stelle die Atmung, da der Puls evtl nicht spürbar, aber trotzdem vorhanden sein kann und durch das lange Suchen ggf. wertvolle Beatmungszeit verloren geht.
Bei Bewußtlosigkeit und Atmung: den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen.
Fehlt die Atmung oder ist sie abnormal ist eine Reanimation mittels Herzdruckmassage und Beatmung erforderlich.
Ist der Verletzte bei Bewußtsein, was die meisten Brandverletzten sind, empfiehlt sich ggf. ein leichtes Hochlagern der Beine zur Kreislaufstabilisierung oder andere geeignete Lagerung . Wichtig ist, nichts gegen den Widerstand des Betroffenen durchsetzen zu wollen, denn man weiß nicht, was der Verletzte sonst noch hat. Es gilt; der Verletzte hat „immer“ recht.
Anschaulich ein realer mir bekannter Vorfall aus einem Provinzkrankenhaus, der wie ein Witz klingt: ein Patient, der wegen einer kleineren Operation dort weilte, wurde von einer engagierten Schwester begrüßt: Guten Morgen, Sie dürfen jetzt einmal aufstehen und mit mir ins Bad gehen! Der Patient: Ich kann nicht aufstehen. Die Schwester: natürlich können Sie das, ich helfe Ihnen… und so ging das eine Weile hin und her, die Schwester wurde langsam ungehalten. Bis zuletzt der Patient sagte: Gute Frau, ich kann nicht aufstehen, ich bin querschnittsgelähmt.
3. Parallel sollte die Ersteinschätzung der thermischen Verletzung hinsichtlich Ausmaß und Tiefe, sowie möglicher vorhandener Begleitverletzungen erfolgen. Beachte: meist wird selbst von Medizinern anfänglich die Verletzungstiefe der Brandwunde unterschätzt.
Für die Einschätzung des flächenhaften Ausmaßes der Brandverletzung = VKOF = verbrannte Körperoberfläche  gibt es z.B. die 9 er Regel:
die doppelten Zahlen zB 18 + 18 gelten für vorne = 18% und hinten = 18%, dh der gesamte Rumpf macht eine Oberfläche von 36% an der gesamten Körperoberfläche aus.
Die Handfläche des Betroffenen entspricht ca 1% seiner Körperoberfläche.
Auch das kann hilfreich für die Abschätzung sein.
Bei Kindern ist der Kopf im Verhältnis zum Körper größer und wird meist mit 18% gerechnet. Bei einem Erwachsenen mit 9%.
Quelle (Übrigens findet man dort auch eine sehr gute Zusammenstellung sämtlicher typischen Notfälle und Ersthelfer Maßnahmen) hier:  Pharmazeutische Zeitung
4. Neben der Einleitung einer adäquaten Volumentherapie (intravenöse 0,9% NaCl-Flüssigkeitsgabe von nicht mehr als 1000 ml bis zum Eintreffen in der Spezialklinik) und
5. Schmerzmittelgabe ist besonders
6. bei Kühlung betroffener Areale (manche Ersthelfer sind evtl. nicht auf aktuellem Wissenstand und haben unnötig bereits stark und großflächige Kühlung unternommen, oder die Außentemperatur ist niedrig z.B. Regen im Winter und brennendes KFZ oder der Verletzte kam in Kontakt mit kaltem Löschwasser der Feuerwehr…)
7. auf den Erhalt der Körperkerntemperatur des Patienten zu achten. D.h. Schutz vor Auskühlung ist eine sehr wichtige Maßnahme. Meist wird empfohlen, nur bei kleinflächigen Verbrennungen in den ersten 15 Minuten mit klarem Wasser um die 20°C zu kühlen.
8. Frühzeitig ist der Transport in eine spezialisierte Klinik  zu organisieren.
Einen sehenswerten medizinischen Fachvortrag von Dr. Metnitz mit sehr anschaulichen Bildern für Notärzte findet man hier.
Das Fazit daraus ist: unter derzeitigen guten Umständen nur das Allernotwendigste tun, die Kleidung am Verletzten belassen, Wunden nur steril abdecken, keine komplizierten Verbände anlegen, keine Salben oder Hausmittel auftragen … und den Betroffenen schnellstmöglich (unter 30 Minuten bis maximal 6 Stunden in Fällen von Abgeschiedenheit laut WHO) in eine spezialisierte Klinik verbringen.
Nach diesem Vortrag weiß man, daß die Aussichten relevante Brandverletzungen (10% VKOF bei Kindern und 15% VKOF = verbrannte Körperoberfläche bei Erwachsenen mit Verbrennungen Grad2 ) in einem SHTF Szenario ohne Hospitalisierung zu überleben nicht gerade rosig sind siehe: Wohnungsbrand und Rauchgasvergiftung .
Das Gleiche gilt für Brandverletzungen, die ohne Unterbrechung einmal im Kreis herum um ein Körperteil verlaufen.

SHTF: Erste Hilfe bei Verbrennungen Teil 1

ich beginne das Thema Verbrennung mit einem Link auf die Seite  der Gesellschaft für Verbrennungsmedizin , auf der man die relevanten Grundlagen in den Leitlinien nachlesen kann.  Diese Leitlinien sollen bis 31.12.2017 neu überarbeitet werden. Ob die Kommission das schafft, ist allerdings fraglich, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Und hier geht es zu den medizinischen Leitlinien für Brandverletzungen bei Kindern.   Und es ist auch wieder Zeit für meinen Disclaimer und Haftungsausschluß. Ich stelle nur im Netz frei verfügbare Informationen hier ein und übernehme keine Verantwortung für das, was Leser daraus machen. Ich gebe keinen ärztlichen Rat und verweise auf unser effizientes Rettungswesen, dessen Institutionen und Organisationen entsprechende Trainings anbieten, die ich jedem ans Herz legen möchte. Mehr zu dem Disclaimer unter: SHTF Blutstillung, die bitte jeder einmal dort nachlesen sollte, weil er auch hier gelten soll.

Zur Definition:  Unter Verbrennung versteht man im Allgemeinen thermische Verletzungen durch Temperaturen, welche die Regulationsfähigkeit der Haut/ Schleimhaut überfordern und zu Gewebeschädigungen bis hin zum Absterben (Nekrose) führen. Dies kann durch heiße Flüssigkeiten (Verbrühung), Dämpfe oder Gase, heiße Stoffe oder Kontaktflächen, Flammeneinwirkung und Explosionen (Schußwaffen, Feuerwerkskörper), starke Sonneneinstrahlung, elektrischen Strom (Lichtbogen bei U-Bahn Surfen) oder Reibung (Abseilen) entstehen. Auch Erfrierungen, das Lyellsyndrom (Epidermolysis acuta toxica) und chemische Noxen (Säuren oder Laugen) können ähnliche Schädigungen verursachen.

Man darf aber keinesfalls glauben, Brandverletzungen seien ein geringes Problem und weniger wahrscheinlich in einem SHTF Szenario als mechanische Verletzungen durch Waffen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man sich vor Augen hält, daß womöglich offenes Feuer, Petroleumlampen, Spirituskocher, Kerzen, Autobatterien, Stromgeneratoren usw. die meistbenutzten Licht- und Wärmequellen sein könnten und gewiß nur ein Bruchteil der Menschen im Umgang damit geübt und vertraut sind. Selbst in Drittweltländern, in Afrika, Tibet, Nepal… , wo die Menschen den Umgang zB mit offenem Feuer durchaus gewohnt sind, kommt es nicht selten zu Brandverletzungen und Verbrühungen insbesondere bei Kindern.

In Abhängigkeit vom Ausmaß der Schädigung kann es sekundär zu Kreislaufschock und entzündlichen Allgemeinreaktionen des Körpers im Rahmen eines SIRS oder einer Sepsis kommen, die im schlimmsten Fall mit Multiorgandysfunktion oder Multiorganversagen (MOV) verbunden sind. Die Gesamtheit dieser systemischen Störungen bezeichnet man als Verbrennungskrankheit. In diesem pdf gibt es am Schluß auch hilreiche links zu Anlaufstellen für Brandverletzte.

Die Folgen dieser Schädigung können gravierend sein. S. D Grops (Handbuch der Heilkunde) hat folgenden Lehrsatz geprägt: „Es gibt wenige Verletzungen, die so sehr den ganzen Menschen erfassen, zu größerem Leiden und schweren Missbildungen führen als Brandwunden.“

Schwer-Brandverletzte können eine über Jahre sich steigernde posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, die Vernarbungen, anfangs meist rot, manchmal erhaben, können über das normale Maß hinaus wachsen (Kelloid Bildung) selten entstehen aus Narben auch Narbencarcinome. Großflächige Narben führen ohne Behandlung oft zu Bewegungseinschränkungen, insbesondere, wenn sie über Gelenke verlaufen und sie verursachen natürlich Schmerzen. Oft bleibt auch bei kaum noch sichtbaren Narben ein Spannungsgefühl und eine mechanische Empfindlichkeit zurück. Nach Brandverletzung besteht immer ein sog. Volumenmangel, dh ein Flüssigkeitsmangel, der zu einer instabilen Kreislaufsituation und zu einer Nierenschädigung führen kann. Nicht selten kann sich eine antibiotikapflichtige Leberschädigung, genauer eine Gallengangentzündung entwickeln mit extrem erhöhten Leberwerten und Gelbsucht. Dies kann eine nacholgende Dauermedikation bedingen. Bei heißen Gasen wird die Lunge geschädigt und im Verlauf kann sich eine Lungenentzündung ausbilden. Sehr belastet werden, wie bereits erwähnt, durch eine Brandverletzung auch die Nieren und der im Hospital gelegte und nötige Blasenkatheter erhöht das Infektionsrisiko. Nicht selten bleiben Folgen dieser mechanischen Reizung der Harnwege noch lange Zeit nach Katheterentfernung bestehen.

Da im Hautgewebe die Lymphbahnen mit zerstört werden, kommt es zu Lymphabflußstörungen. Die daraus resultierenden Schwellungen verursachen Bewegungseinschränkungen, Hautrisse, Schmerzen und erhöhen das Infektionsrisiko. Entsprechend können auch Durchblutungsstörungen auftreten, die Schmerzen und Kribbeln verursachen und zu schlechter Heilung führen. Auch die Temperaturregulation an den ehemals verbrannten Stellen und darüber hinaus ist oft nicht mehr ausreichend, was sich z.B. in schneller Auskühlung bei winterlichen Temperaturen bemerkbar macht oder auch in nicht mehr möglicher Schweiß- und Talgbildung.  Beides nicht ungefährlich. Die Regeneration der Hautnerven und der Haut an sich führt oft zu Schmerzen und einem quälenden Juckreiz. Beides kann chronisch werden, wenn man nicht (möglichst durchgängig in dieser Regenerationsphase) schmerz- u. juckreizlindernde Medikamente gibt. Was alles aus einer Verbrennung im Kopfbereich resultieren kann, mag sich jeder selbst ausmalen.

Die bisher geschilderten Dinge beziehen sich auf schwere Brandverletzungen, die natürlich bei leichteren Verletzungen so nicht oder geringer auftreten. Die Schwere einer Brandverletzung wird anhand verschiedener Kriterien (ich verweise auf Teil 2 der Artikelserie) beurteilt und ich habe diese schweren Verletzungsfolgen geschildert, weil es jährlich ohne SHTF  ca. 2000 schwere Brandverletzungen gibt, darunter ca 500 Kinder. 1/3 davon sterben trotz Spezialklinikeinweisung.

Im Teil 2 gibt es Informationen zur Beurteilung des Verletzungsgrades, Behandlungsmöglichkeiten, sowie nogo’s im Rahmen der Ersten Hilfe und was die moderne Medizin so an Therapiemöglichkeiten kennt.

 

 

 

SHTF Teil 4: XStat, Klemmen und Naturheilkunde zur Blutstillung im Notfall

in diesem vorerst letzten Teil der Serie zur notfallmäßigen Blutstillung möchte ich noch ein paar weitere Alternativen ansprechen, die in ausgewählten Fällen zum Einsatz kommen könnten. Einen Überblick findet man auch in einem Fachartikel der deutschen Bundeswehr aus dem Jahr 2011  hier

Ich verweise (leidigerweise) wieder auf meine Disclaimer in den zuvor veröffentlichten Beiträgen dieser Reihe. In Kürze: Ich übernehme keinerlei Verantwortung bzgl. der Nutzung der hier nur zusammengestellten und im Netz frei verfügbaren Informationen…

Eine von der FDA zugelassene blutungsstillende Anwendung ist XStat. Dabei handelt es sich um kleine pillenartige Schwämme, die sehr viel Flüssigkeit aufsaugen können und mittels eines Zylinders tief in die Wundhöhle (beworben wird die Anwendung bei einer Schussverletzung) eingebracht werden. Dort expandieren sie und üben dadurch vom Inneren der Wunde heraus Druck auf das blutende Gefäß aus, was in Folge zur Stillung der Blutung (lt. Hersteller in 15 Sekunden) beiträgt. Die Schwämmchen müssen bei der chirurgischen Wundversorgung von einem Arzt dann wieder entfernt werden (da wünsche ich dem Operateur noch genügend Geduld und ein funktionsfähiges Röntgengerät). Ich verlinke hier: XStat zu einem spanisch sprachigen promotion Video, da dort ein paar anschaulichere Wund- und Anwendungsbilder gezeigt werden als in dem US Video, damit man sich eine Vorstellung davon machen kann, was in einem Anwendungsfall auf einen zukommt. Sowohl als Verletzter als auch als Ersthelfer.

VetiGel ist ein vielversprechendes hämostyptisches Alginat in der Veterinärmedizin und (noch) nicht zugelassen für die Anwendung bei Menschen. Es kann in eine Spritze aufgezogen und in tiefe Wunden eingebracht werden. Es kann in der Wunde verbleiben und ist biologisch gut verträglich.

Und zu guter letzt gibt es noch sehr wirksame und leicht handzuhabende Klemmen, die vermehrt ihren Weg in den Prepper Rucksack oder den Erste Hilfekasten im Auto finden, wie die iTClamp

So. Und nun ein kurzer, dafür umso härterer Schwenk in die Naturmedizin. Obwohl, wenn man es sich näher betrachtet, es gar kein so harter Schwenk ist. Die bisher angesprochenen blutstillenden Substanzen sind ziemlich „reine“ Naturprodukte. Das Chitosan aus den Krebsschalen, die Alginate, das Kaolin … alles sehr potente und nebenwirkungsarme Substanzen aus der Natur, die in hoch konzentrierter Form zum Einsatz kommen (frei nach Paracelsus: die Dosis macht`s) .

Daher erscheint es mir nur legitim auch weitere, bisher in der Naturheilkunde verwendete Substanzen zur Blutstillung zumindest zu erwähnen, ohne jedoch näher auf diese einzugehen oder ihre Effektivität zu beurteilen, denn ich kenne dazu keine wissenschaftlich belastbaren Studien. Ich kann mir aber vorstellen, dass es Situationen geben kann (ich denke da speziell an den Jugoslawienkrieg), in denen es an schulmedizinischen Mitteln mangelt, aber Naturheilmittel noch greifbar sind. Ich erinnere an dieser Stelle nocheinmal besonders an meinen Disclaimer und Haftungs- respektive Verantwortungsausschluss, denn Naturheilmittel sind nicht immer harmlos und andererseits nicht immer gleich wirksam, was sich schon aus den z.B. sich im Jahreslauf verändernden Wirkstoffkonzentrationen in den Pflanzen oder auch deren unterschiedliche Standorte ergibt. Bitte konsultiert diesbezüglich Fachleute wie naturheilkundlich arbeitende Ärzte, Apotheker …. sofern Ihr nicht selbst vom Fach seid.

In jedem Fall ist man auch in der Naturheilkunde aufgerufen, nach Wissenschaftlichkeit und hohen Standards zu streben und eine rege Diskussionskultur pflegen:  gegen blinden Glauben und sich immer die Frage nach den geeignetsten Mitteln und Methoden zu stellen.

So komme ich für mich an die Grenze meiner Vorstellungskraft, wenn ich nach einem naturheilkundlichen Mittel suchen sollte, mit dem ich mich einer schmerzfreien mehrstündigen Operation unterziehen könnte. Oder ein homöopathisches Mittel, das die spritzende Arteria femoralis Blutung schnell genug stoppt, bevor der Verletzte (oder ich selbst)  verblutet. Für mich liegt daher der Anwendungsbereich naturheilkundlicher Mittel eher auf Seiten der Vorbeugung und komplementären Behandlung chronischer weniger starker Blutungen, die auf Dauer schädliche Auswirkungen haben können. Wie hämorrhoidal Blutungen, Nasenbluten und starke Regelblutungen und in einem SHTF Szenario so fatal enden können wie eine Combat Verletzung.

Und da ich soeben auf einer sogenannten naturheilkundlichen Seite sinngemäß folgendes gelesen habe: „falls eine Wunde nicht blutet, sollten Sie diese zum Bluten bringen, damit sie sich reinigt“, möchte ich dazu kommentieren, dass man nicht auf die Idee kommen sollte, an so einer Verletzung herumzudrücken, nur damit sie zu bluten beginnt. Das Drücken schädigt das Gewebe und verteilt eingedrungenes Fremdmaterial nur umso mehr, so dass auch die nachfolgend einsetzende Blutung das nicht mehr an die Oberfläche spülen können wird. Die Wahrscheinlichkeit einer eitrigen Entzündung steigt. Mit Seife und/oder purem, möglichst fliessendem, Wasser gründlich auswaschen, ein geeignetes Desinfektionsmittel (kolloidales Silber, alkoholische Lösungen, Micropurwasser in einem SHTF Szenario) auftragen -unbedingt beachten, dass nur wenige Desinfektionsmittel für tiefe Wundreinigung zugelassen sind, dass Wasserstoffperoxid von Blut inaktiviert wird und Jod eine sogenannte Eiweisslücke besitzt, dh in seiner Wirksamkeit nicht nur erhebliche Mängel aufweist, sondern auch Gewebe schädigen und eine allergieähnliche Reaktion auslösen kann. Zusätzliche Risiken bestehen bei gewissen Schilddrüsenerkrankungen!-   und gut belüftet abdecken, dürfte die geeignetere Strategie darstellen.

Alkoholhaltige Desinfektionsmittel können ggf. die Blutung anregen, ohne dass das umliegende Gewebe durch Druck geschädigt wird. Im Verlauf die Wunde beobachten, seinen Tetanus-Impfschutz prüfen (ist nie verkehrt) und rechtzeitig professionelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, sofern diese erhältlich ist.

Kräuter mit blutungsstillender Wirkung kann man bei Interesse z.B.  hier    nachschlagen oder man bemüht die einschlägigen Suchmaschinen.

Auch homöopathische Mittel wie Arnica montana, Hamamelis, China, Melilotus oder Alchemilla unter vielen anderen, sollen blutungsstillende Wirkung haben, doch die homöopathische Lehrmeinung ist generell so vielschichtig, wenn nicht gar zersplittert, dass es unmöglich ist, hier auch nur annähernd fundiert und unparteiisch etwas darüber zu schreiben. Aus dem Mineralreich werden von naturheilkundlich arbeitenden Ärzten zur Blutstillung angewendet, z.b. homöopathisches Stibium met. (Antimon) wie eine Ärzteumfrage ergab: Merkurstab

 

 

 

SHTF Notfallmäßige Blutstillung Teil 3: Vergleich der Substanzen für lokale Anwendungen

in einem Artikel eines Journals für US amerikanische paramedics, also Rettungskräfte, zum Link: EMS wurde im April 2015 Folgendes zum Thema chemische (bzw. biochemische) Blutstillung veröffentlicht, was ich hier zusammenfassend und verkürzt einmal übersetzt habe. Referenzen zu den Studien findet Ihr im Originalartikel.

Die ideale chemische Blutstillung sollte die Fähigkeit haben

  • Blutungen aus grossen Arterien und Venen innerhalb von 2 Minuten ab Applikation zu stoppen.
  • Das Mittel sollte effektiv appliziert werden können, auch bei Vorhandensein von einer grossen Ansammlung von Blut um die Blutungsquelle herum, darf also nicht schon durch die blutige Umgebung in seiner Wirkung verbraucht werden, noch bevor es überhaupt mit der Blutungsquelle in Kontakt gekommen ist.
  • Das Mittel sollte anwendungsfertig in Portionen vorliegen (keine Anmischung oder Aktivierung) und  muss leicht anzuwenden sein, auch für nicht medizinisch geschulte Menschen.
  • Es muss von geringem Gewicht und haltbar sein, auch unter extremen Temperaturschwankungen,
  • es sollte kostengünstig sein und
  • kein bakterielles oder virales Risiko beherbergen.

Nicht erwähnt werden in diesem Artikel, dass es gesundheitlich verträglich sein muss und am Besten vom Körper selbst abbaubar sein sollte. Nicht abbaubare Substanzen bzw auf Verbänden oder Schwämmen aufgebrachte Blutstiller, sollten einen röntgendichten Marker besitzen, damit sie vom Chirurgen in der Klinik überhaupt wieder auffindbar sind und entfernt werden können. Auch sollte der Verschluss der Gefässwunde so stabil sein, dass er nicht bei kleinen oder besser auch überhaupt bei Bewegung nicht wieder aufreisst, denn der Verletzte muss ja zur endgültigen medizinischen Versorgungsstelle transportiert werden oder sich sogar selbst dorthin begeben.

Auch sollte der Substanzträger möglichst nicht mit dem Gewebe verkleben, da man ansonsten bei einem gegebenenfalls nötigen Verbandswechsel die Wunde noch vergrössern würde, die Blutung reaktiviert und das Infektionsrisiko steigen würde.

Bislang gibt es kein Mittel, das all diesen Anforderungen gerecht wird, nichtsdestotrotz haben sich einige davon in der Praxis und in Studien gut bewährt.

HemCon® and Celox™ bestehen aus sehr körperverträglichen Chitosan-Salzen (aus der Schale von Meereskrebsen), einem positiv geladenen adhäsiv wirkenden Blutstiller, der bei Kontakt mit Blut (negativ geladenen roten Blutkörperchen) einen Pfropf bildet, der die Wunde versiegelt und die Blutung stoppt.

Im Falle von HemCon® zeigten Studien eine bessere Blutstillung gegenüber einem normalen Druckverband, sofern es sich um eine venöse, also drucklose, Massenblutung handelte. Auch bei einer unkontrollierbaren arteriellen Blutung war HemCon zwar effektiv, allerdings nicht dauerhaft, denn die Blutung setzte nach einer Weile wieder ein. Trotzdem ergab eine andere Studie, dass in 27 von 34 Fällen Feuerwehrleute in den Einsätzen die Blutungen erfolgreich zum Stillstand bringen konnten. In einem weiteren Tierversuch (Schwein) zeigte von den getesten Substanzen jedoch nur Celox™ eine bessere Kurzzeitüberlebensrate.

Betrachten wir nun QuikClot®, einem Zeolit (Mineral vulkanischen Ursprungs). Diese Substanz zieht extrem schnell und viel Wasser an sich. Durch den Wasserentzug aus dem Blut, reichern sich die für die Gerinnung zuständigen Blutplättchen und weitere Gerinnungsfaktoren an, was zu einem sehr schnellen Wundverschluss führt. Der Nachteil hierbei ist, dass das Mineral nicht vom Körper vollständig abgebaut werden kann und bei der Wasserbindung Hitze entsteht, die durchaus Temperaturen von bis zu 50 Grad erreicht und damit Eiweiss zur Gerinnung bringt, also Gewebe durch Verbrennung absterben lässt. Daher wurde das Granulat, das man direkt in die Wunde streuen konnte vom Markt genommen.

Dass ich dieses Produkt u.a. trotzdem erwähne liegt darin begründet, dass man in alten Prepperbeständen oder aus Privatverkäufen noch auf diese Produkte trifft und man sollte dann für sich solch ein Produkt und seine Verwendung realistisch einschätzen können bzw. sich überlegen, ob man ein derartiges Produkt in seine eigenen Vorsorgebestände aufnehmen möchte oder eher nicht.

Die zweite Generation von QuikClot wurde bzgl. der Hitzeentwicklung verbessert und als relativ grosse Perlen in Säckchen gepackt, die in der abschliessenden chirurgischen Wundversorgung leicht entfernt werden können (QuikClot® ACS+™).

Ein anderes Produkt ohne Wärmeentwicklung ist WoundStat™, ein vom Körper abbaubarer Puder aus quellfähigem Tonmineral und Poliacrylsäure, den man direkt in die Wunde streuen kann. Dieses Produkt erwies sich sowohl effektiv in der Blutstillung als auch positiv in der Erhöhung der Überlebensrate. Allerdings ergab eine nachfolgende Tier-Studie Komplikationen bzgl. Blutgefässschädigungen und in die Lunge abgeschwemmte Thromben. Nicht sehr wünschenswert….

Eine weitere Produktentwicklung bezieht sich auf die Verwendung von Prokoagulantien. Das sind zusätzliche Gerinnungsfaktoren menschlichen oder bovinen (Rinderblut) Ursprungs und das einzige in den USA von der FDA zugelassene Produkt ist die  Combat Gauze™ (Littlejohn, Bennett, & Drew, 2015). In dieser dritten Generation von QuikClot® Produkten, wurde zudem das Zeolit durch Kaolin ersetzt (Aluminiumsilikat haltiges Tonmineral). Die mit Kaolin imprägnierte Gaze ist effektiv in der Blutstillung und entwickelt keine Wärme. In Tierversuchen schnitten die Chitosanprodukte schlechter ab als CombatGauze, das zusätzlich einen stabileren Wundverschluss erreichte, der selbst Bewegung und Transportsimulationen besser stand hielt.

Die Tactical Combat Casualty Care Leitlinien des United States Special Operations Command  empfehlen Combat Gauze™  als das Mittel der Wahl (Bennett et al., 2014), erlauben aber auch Celox™ gauze and ChitoGauze®, falls Combat Gauze™ nicht zur Verfügung stehen sollte.

Um eine Aktualisierung und Vertiefung dieser Informationen möge sich der geneigte Leser bitte eigenständig bemühen, denn bzgl. dieser Thematik wird derzeit viel Forschung betrieben und Erfahrungen gesammelt und ausgewertet. Ein update dieser Thematik ist von mir jedoch nicht geplant und würde definitiv meine Kapazität wie auch den Rahmen sprengen.

 

SHTF: Notfallmässige Blutstillung Teil 2 Chemische Substanzen

neben der in Teil 1 genannten mechanischen Blutstillung durch Druck (verbände) oder Tourniquets, die an den Extremitäten meist ausreichend wirksam sind, gibt es noch die Möglichkeit, den Blutverlust mittels chemischer Substanzen zu stoppen. Diese Möglichkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung und Beliebtheit und ist ein wachsendes pharmazeutisches Marktsegment nicht zuletzt wegen der Kriege, die als begrenzte Krisenherde beständig am Lodern gehalten werden. Wer hier das Bild einer chronisch eitrigen Entzündung vor seinem geistigen Auge sieht, der ist sicher nicht weit von der Realität entfernt.

Einsatzgebiete für topisch (d.h. lokal) wirkende blutstillende Substanzen sind z.B. Körperstellen, auf die man nur schwierig Druck ausüben und damit die Gefässverletzung abdichten kann so  z.B. Hals und Bauchraum , aber natürlich auch überall sonst, wenn man aus welchen Gründen auch immer keinen ausreichenden Druck auf das blutende Gefäss zustande bringt, vielleicht auch, weil zuviele Blutgefässe auf zu grossem Areal betroffen sind oder die Blutungsquelle zu tief in der Körperhöhlung liegt. Siehe hierzu weiterführende Literatur

Anzumerken ist, dass man auch bei Einsatz der chemischen Blutstillung nicht auf Druckanwendung verzichten sollte, notfalls auch, indem man im Falle einer grossen Arterie beherzt das blutende Gefäss mit den Fingern packt.

Für folgenden Artikel verweise ich auf die Gültigkeit meines Disclaimers im Teil 1 dieser Serie und die ausschliessliche Eigenverantwortlichkeit eines jeden Lesers im Umgang mit den hier dargestellten Informationen sowie meine uneingeschränkte Empfehlung, sich mit Fachliteratur zu versorgen und sich an die bekannten Rettungsdienste u. Organisationen zu wenden, die professionelle Schulungen und Übungsmöglichkeiten anbieten. Die nachfolgend genannten Produkte bzw. Hersteller sind ausschliesslich als willkürliche Beispiele und keinesfalls als Werbung aufzufassen. Sie wurden gewählt z.B. weil auf den entsprechenden sites die Anwendungen oder Wirkweisen anschaulich dargestellt werden oder weil sich ein Produkt auf dem Markt bereits etabliert hat (vergleichbar mit dem Markennamen Aspirin für eine Vielzahl von Herstellern von Acetylsalicyl haltigen Tabletten und Pulvern).

Die natürliche Blutstillung oder Hämostase, ist ein komplexer Vorgang, den man an verschiedenen Schlüsselpunkten unterstützen kann. Daher haben die einzelnen zur Verwendung kommenden Substanzen auch sehr unterschiedliche Einsatzgebiete und sind nicht alle für den Ersthelfer relevant.

Eine gut verständliche Einführung über die Bedeutung der chemischen Blutstillung findet man in dem sehr interessanten Artikel Versorgung von Blutungen auf dem Gefechtsfeld  im TRUPPENMAGAZIN des österreichischen Bundesheeres.

Welche chemischen Grundsubstanzen (labortechnisch aufbereitet!) zur lokalen Blutstillung kommen nun in Betracht?

Neben der Auswahl einer Substanz und ihrer Eigenarten spielt auch die Applikationsform eine Rolle. Es gibt Gele aus Injektoren, Streu-Granulate, Schäume oder beschichtete Schwämme, Auflagen und Gazeverbände.

In einem weiteren Folgeartikel werde ich versuchen, einen kleinen Überblick über die Anwendungsbereiche der zur Zeit gebräuchlichsten Substanzen und Applikationsformen zu geben.

 

 

 

 

 

SHTF: notfallmäßige Blutstillung

Es ist noch nicht lange, da hatte das Interesse für Schuß- und Stichwunden nicht nur in die Extremitäten, sondern in den Hals, den Brust- oder Bauchraum „ein Gschmäckle“, da schwebte der Verdacht einer Paranoia über demjenigen, der den exotischen Begriff Tourniquet verwendete oder gar über chemische Blutstillung nachdachte. Vielleicht mußte derjenige sich auch schon einmal von Fachleuten wie Rettungsssistenten oder Ärzten sagen lassen, dass man sich als Laie mit Spezifitäten derartiger Verletzungen, so sie denn bei uns überhaupt vorkämen, nicht explizit auseinanderzusetzen bräuchte. Wir lebten ja schließlich nicht in USA oder Kolumbien. Solche Kenntnisse würde noch nicht einmal die Bundeswehr benötigen. Maximal Extremweltenbummler nach Feuerland oder Papua Neuguinea bekamen einen Verständnisbonus. Gute alte Zeit…

In modernen Zeiten, in denen Politiker aus Berlin und London uns ernsthaft versichern, dass Terror, Massenverletzte, Migrantenkriminalität und Anschläge von nun an zu unserem Leben gehören sollen (Schulz,  Sadiq-Khan  , Merkel ,  de Maizière )  hegt man unter Beobachtung der knallharten ökonomischen Effizienzvorgaben in den Kliniken, zunehmend auch den Verdacht, dass unser Gesundheits- und Rettungssystem Vorfällen ab einer gewissen Größenordnung oder Brutalität gar nicht gewachsen ist.

So gibt es deutschlandweit nur ca 130 Betten für erwachsene Schwerbrandverletzte und ca 50 Plätze für Kinder – siehe hier: Verbrennungszentren, die bereits bei nur einem Zugunglück, Flugzeugunglück, Tunnel- oder Hochhausbrand schnell belegt wären (zu schweigen von zwei parallelen Ereignissen), und auch die wenigen Plätze in den Nachbarländern scheinen da keine allzu große Reserve zu bieten, zumal ja auch immer Betten aufgrund gewöhnlicher Unfälle belegt sind. Auch verfügen viele Kliniken mit Notfallmedizin nur über wenige sogenannte Schockräume, in denen Schwerverletzte und Polytrauma-Patienten versorgt werden können. Dies sind die Nadelöhre im Rettungsdienst.

So erscheint es angebracht, einen näheren Blick auf das zu werfen, was sich in der Combat-Medizin, also unter widrigen kriegerischen Umständen, für die Notfallversorgung Verletzter bewährt hat, um einem Verletzten so früh wie möglich nicht nur ein Überleben zu sichern, sondern vielleicht sogar die Intensivbetreuung, den Helikoptertransport, den Schockraum zu ersparen und diesen Platz einem weniger Glücklichen zukommen lassen zu können. Somit würde man quasi durch seine Kenntnisse vielleicht sogar zwei Leben retten?

Über die Thematik der Notfallversorgung durch Laien gibt es eine Reihe von lehrreichen Videos auf youtube, die ich hier verlinken möchte.  Sie sind gedacht für Menschen in Extremsituationen, in sehr abgelegenen Gebieten ohne schnellen Zugang zu medizinischer Versorgung und alle SHTF Szenarien.

Ich übernehme keine Verantwortung für das, was aus der Anwendung solcher Videoinhalte entstehen kann, empfehle sie nicht und warne vor Selbstüberschätzung. Ich weise auch darauf hin, dass in Nicht-Notsituationen und durch fahrlässiges Handeln ggf. das Strafgesetzbuch (Körperverletzung) sowie das Gesetz über die unerlaubte Ausübung der Heilkunde u.a.  zur Anwendung kommen können.

  1. Videos sind immer unvollständig und ersetzen keinesfalls eine solide medizinische Ausbildung und regelmäßiges Training unter Aufsicht von ausgebildetem medizinischen Fachpersonal.
  2. Der Kenntnisstand in der Medizin verändert sich rasch und man sollte sich immer auf einem möglichst aktuellen Stand halten.

Aber ich bin der Meinung, dass es bei der Wissensvermittlung keine Tabus geben sollte und diese öffentlich jedermann zugänglichen Videos dazu motivieren können, sich z.B. als Ersthelfer, sogenannter First Responder, in Kursen und Einrichtungen zu engagieren, nachzufragen und sich in den entsprechenden Techniken schulen zu lassen.

Bitte kontaktiert hierzu die regionalen Organisationen wie Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter ….  oder auch die Katastrophenmedizindienste.

Letztlich aber ist in einer Notsituation nichts fataler als Nichtstun und Unkenntnis.

Ich habe im Übrigen keinerlei Kontakte oder Vertragsverhältnisse zu irgendeiner der in den Videos genannten Firmen und Produkte und will diese auch nicht als anderen Produkten überlegen darstellen und empfehlen. Und hier nun die Informationsvideos. Im Laufe der Zeit hoffe ich auch, vermehrt deutschsprachige Videos zu diesem Thema hier listen zu können.

„Prüfet aber alles, und das Gute behaltet“ 1. Thessalonicher 5:21 Lutherbibel 1912

Improvisationen einer ventilierten Versiegelung von Thoraxverletzungen:  Die Versiegelung soll verhindern, dass Luft durch die offene äußere Wunde in den Brustraum  ausserhalb der Lungen eingesogen wird.

Die Ventilation dieser Versiegelung soll andererseits bewirken, dass die über die Lunge eingeatmete und durch die innere Lungenverletzung in den Brustraum entweichende Luft, sich nicht im Brustraum staut, sondern über die äußere Wunde und die Plastikversiegelung wieder hinaus kann. Denn ein Stau hätte zur Folge, dass der Brustraum mit jeder Atembewegung aufgepumpt würde wie ein Ballon. Der steigende Druck im Innern würde in sehr kurzer Zeit eine Verschiebung auf das Herz erzeugen, so dass es sich nicht mehr bewegen könnte, eingequetscht würde. Es käme zu Herzstillstand und Tod.

Ergänzung zum Tourniquet-Video:

  • immer Datum und Uhrzeit auf / an dem Tourniquet vermerken für den Arzt, der später das Tourniquet lösen muss!
  • Bei der Anschaffung eines Tourniquets leuchtende Farben bevorzugen, damit es bei der professionellen ärztlichen Versorgung sofort auffällt.
  • Notfalls auch anderweitig darauf aufmerksam machen (zB mit Filzstift die Uhrzeit auf die Stirn des Verletzten schreiben!), damit die Blutzufuhr baldmöglichst wieder hergestellt werden kann und nicht unnötig verzögert wird, weil der Arzt vlt. keine Blutung sieht und sich einer anderen Verletzung zuerst zuwendet.
  • Den Tourniquet 1-2 handbreit vor der pulsierenden Blutung – also körperwärts – platzieren.